1. Lokales
  2. Nordkreis
  3. Baesweiler

Beispiel Amprion zwischen Siersdorf und Setterich: Was passiert eigentlich in einem Umspannwerk?

Beispiel Amprion zwischen Siersdorf und Setterich : Was passiert eigentlich in einem Umspannwerk?

Wer vorbeifährt, hat sich wahrscheinlich noch nie Gedanken darüber gemacht: Doch in der Umspannanlage zwischen Siersdorf und Setterich geschieht Wesentliches.

Von Vorbeikommenden kaum beachtet, liegt sie hinter dichtem Bewuchs an der L 50 ziemlich genau auf der kommunalen Gebietsgrenze zwischen Baesweiler und Aldenhoven: die Umspannanlage, die einst zu einem Steinkohlekraftwerk gehörte, das von der ehemaligen EBV-Grube Emil-Mayrisch bei Siersdorf „befeuert“ wurde. Die Kohle ist längst zu Asche geworden, das Kraftwerk abgeräumt. Aber Strom wird hier immer noch „bearbeitet“. Was geschieht eigentlich in so einer Anlage?

Ein Schild am Zaun verweist auf den Gesprächspartner, der Auskunft darüber geben kann. „Amprion – Station Siersdorf“ ist dort zu lesen. Der Unternehmensname ist ein Kunstwort und lehnt sich an die Begriffe Ampere (Einheit der Stromstärke) und Vision an. Und die Bildmarke „A“ im Firmenlogo stellt einen abstrahierten Lichtbogen dar. Die Firmenzentrale befindet sich in Dortmund. Amprion ist einer von vier Übertragungsbetreibern in Deutschland (siehe Beitrag unten).

Amprion-Mitarbeiter Knut Kremp hat sich Zeit genommen, um dem Unbedarften auf dem Gelände des Umspannanlage Siersdorf die Funktionsweise der Umspannanlage – eine von insgesamt 170 des Dortmunder Netzbetreibers – zu erklären. Kremp ist Elektroingenieur und seit 2016 bei dem Netzbetreiber angestellt. Zuvor war er bei einem Dienstleister der Dortmunder Firma angestellt, kennt also beide Seiten bestens. Über zwei Höchstspannungsleitungen ist die Siersdorfer Anlage ans Amprion-Netz angeschlossen, eine schafft die Verbindung Richtung Maasbracht in der niederländischen Provinz Limburg, die andere zur hochmodernen Amprion-Umspannanlage in Oberzier.

Beispiel Amprion zwischen Siersdorf und Setterich: Was passiert eigentlich in einem Umspannwerk?

Logischerweise stammt der Löwenanteil des transportierten Stroms aus den Einspeisungen naher Braunkohlekraftwerke, wenngleich der Anteil an „grünem“ Strom steigt. Der Strom kommt mit einer Spannung von 380 Kilovolt (380.000 Volt) via Freileitungen an und wird entsprechend den Anforderungen nachgeschalteter Verteilerfirmen auf 220 bzw. 110 Kilovolt transformiert. So befinden sich auf dem weitläufigen Gelände der Umspannanlage zwei weitere Umspann- und Weiterleitungseinrichtungen der Anbieter Westnetz und Regionetz, die ihrerseits den Strom für die eigenen Versorgungsnetze weiter „heruntertransformieren“ und weiterleiten. Beim normalen Endverbraucher kommen in der Regel 400 (Starkstrom) bzw. 230 Volt an.

In dem von Amprion betriebenen Anlagenteil fließt der ankommende Höchstspannungsstrom über ein Abspannungsgerüst und jeweils parallel angeschlossene Leitungstrennschalter, Überspannungsableiter und Leistungsschalter auf diversen Trennschienen Richtung Transformator. So können Stromkreise bedarfsgerecht flexibel zusammengeschaltet und Leistungsflüsse besser gesteuert werden.

Zentrale Steuerungsanlage

Die Zeiten, in denen Mitarbeiter vor Ort an Überwachungs- und Steuerpulten saßen, um am Regler zu „drehen“, sind längst vorbei, wie Fachmann Kremp deutlich macht. Digitale Geräte der Schutz- und Leittechnik kommen zum Einsatz und übertragen die relevanten Daten zu einer externen zentralen Steuerungszentrale. Zudem sind solche Umspannanlagen wie die Siersdorfer gesichert und per Video überwacht, so dass Eindringliche nicht nur Gefahr laufen, einen vom Strom „gewischt bekommen“, sondern auch noch „erwischt“ zu werden. Allerdings werden die Anlagen regelmäßig von Fachpersonal überprüft. „Umfang und zeitliche Abfolge der Sichtprüfungen und der Wartungsarbeiten sind genau festgelegt. Auch die Austauschzyklen von einzelnen Komponenten sind klar definiert. Gerade mechanische Bauteile unterliegen einem Verschleiß“, so Kremp.

Betriebsstörungen können etwa bei Gewitter durch Blitzschlag mit entsprechendem Erdschluss ausgelöst werden (Lichtbögen als optische Erscheinung des Fehlers). In der Regel bekomme das der Endkunde gar nicht mit, da das Leitungsnetz grundsätzlich Reservekapazitäten aufweist und Strommengen bei Störungen umgeleitet werden können.

 Durch Zaun und aufwendige Überwachungstechnik gesichert: die Umspannanlage an der L 50 zwischen Siersdorf und Setterich.
Durch Zaun und aufwendige Überwachungstechnik gesichert: die Umspannanlage an der L 50 zwischen Siersdorf und Setterich. Foto: MHA/Karl Stüber

„Der Transformator ist das Herzstück der Anlage“, sagt Elektroingenieur Kremp. Der in der Siersdorfer Umspannanlage hat ein Leergewicht von 335 Tonnen, hinzu kommt eine Ölfüllung von 82 Tonnen, die regelmäßig überprüft und bei Bedarf gereinigt wird. Kein Wunder, dass das Riesenteil auf Schienen ruht und der Untergrund für ein Gewicht von bis zu 500 Tonnen ausgelegt ist.

Leises Brummen

Der Strom fließt nicht lautlos durch die Anlage. Ein leises Brummen ist zu hören. Es ist das Betriebsgeräusch des Transformators. Der Stromfluss im Inneren bringt den Eisenkern leicht zum Schwingen. Diese sogenannte Magnetorestriktion erzeugt laut Amprion einen Grundton von 100 Hertz. Zudem verursachen Lüfter und Pumpen der Transformatoren-Kühlung Geräusche. Hier gelten gesetzliche Vorgaben bzw. Richtwerte.

Da soll noch mal einer sagen, dass es in einer solchen stromtechnischen Einrichtung nicht „spannend“ zugeht.