Pastoralteam St. Marien Baesweiler zu zentralen Erstkommunionfeiern

Einladung zur Beteiligung an GdG-Rat : Verständnis für den „Schmerz der Leute“

Der Pfarradministrator der Pfarrei St. Marien, Pfarrer Hannokarl Weishaupt aus Eschweiler, und sein Pastoralteam haben im Gespräch mit unserer Zeitung die Kritiker an zentralen Erstkommunionfeiern um Verständnis für diese Entscheidung gebeten.

Diese Feiern sollen erstmals im Jahr 2021 in den Kirchen St. Petrus in Baesweiler und in St. Andreas in Setterich stattfinden. Fest- wie Dankmesse will man für alle Kinder aus den sechs Ortschaften dort zusammenfassen. „Wir wollten mit unserer Entscheidung den Eltern frühzeitig Planungssicherheit geben“, sagte Weishaupt zu dem Rundbrief, vor dessen Zustellung schon Proteste aus Oidtweiler und Beggendorf laut wurden und mehrere Hundert Unterschriften dagegen gesammelt wurden. Mittlerweile haben auch die Schützenbruderschaften St. Josef Loverich. St. Willibrord Floverich und St. Laurentius Puffendorf deutliche Kritik an der Entscheidung geübt.

„Die Erstkommunion bleibt in die Vorbereitungszeit eingebettet“, hält dem Weishaupt entgegen. Heißt: Die Einstimmung/Unterrichtung auf diese Feier hin würden über Monate weiterhin vor Ort stattfinden, ganz gemäß dem Motto „kurze Beine, kurze Wege“.

Handlungsfähig bleiben

Weishaupt konkretisierte, wieso sich der Priestermangel auf die Arbeit des Pastoralteams zunehmend auswirkt und dezentrale Erstkommunionfeiern nicht mehr leistbar seien. So werde Pfarrvikar Hans-Peter Jeandrée mit Vollendung seines 70. Lebensjahres im April 2021 in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Eine Nachbesetzung sei nicht in Sicht. Bliebe noch Neu-Priester Pater Josef Ohagen, der nur eine halbe Stelle innehabe und sich neben der Gemeindearbeit ordensspezifischen Aufgaben widmen müsse. Das könnten die übrigen Mitglieder des Pastoralteams nicht mehr auffangen.

Das (erweiterte) Pastoralteam von St. Marien: (v.l.) Pfarrvikar Hans-Peter Jeandrée, Katechetin Birgit Gillessen, Gemeindereferent Bernd Mionskowski, Pfarradministrator Hannokarl Weishaupt und Diakon Achim Voß (es fehlt Pater Josef Ohagen) äußerte sich auf Nachfrage unserer Zeitung zum umstrittenen Thema zentrale Erstkommunionfeiern. Foto: Karl Stüber

Eine „normale“ Messe für eine Erstkommunionfeier vor Ort zu opfern, wie von Kritikern alternativ vorgeschlagen, komme nicht in Frage. Immerhin würden im Schnitt acht Prozent der Katholiken der Pfarrei Messen besuchen. Für diese müssten die Angebote aufrecht erhalten werden, da sie ansonsten zu Erstkommunionfeiern wohl kaum Platz in der Kirche finden würden, hieß es. „Ich verstehe den Schmerz der Leute, die ihre Angebote vor Ort erhalten wissen möchten“, so der Pfarradministrator. Allerdings müsse die Großpfarrei handlungsfähig bleiben und dürfe sich nicht verzetteln. An die kritischen Schützenbrüder gewandt, hieß es seitens des Pastoralteams, diese seien natürlich eingeladen, weiterhin die Kinder zu begleiten, dann aber eben zu den zentralen Feiern. In eindrucksvoller und dankenswerter Weise würden gerade die Schützen ihren Glauben bezeugen. Man hoffe, dass diese weiterhin Vorbild für die Heranwachsenden bleiben.

Wie steht es um personelle Stärkung oder zumindest Ausgleich seitens des Bistums Aachen? „Wir haben großen Mangel in allen pastoralen Berufen“, machte Weishaupt da wenig Hoffnung. Zur Kritik an fehlendem Austausch mit der Basis vor der Entscheidung zu zentralen Erstkommunionfeiern bekräftigte Weishaupt die bisherige Linie: Gerne hätte das Pastoralteam die Situation mit dem eigentlich zuständigen Laiengremium, dem Rat der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG-Rat), besprochen, der gemäß kirchlichem Recht Anteil an der Leitung der Pfarrei habe. Leider sei allerdings auf Grund des Kandidaten- und Interessenmangels aus Beggendorf, Baesweiler, Loverich, Floverich, Oidtweiler, Setterich und Puffendorf eine Wahl und damit das Gremium selbst nicht zustande gekommen, spielte das Pastoralteam schon in einem zweiten Brief den Ball in die Hälfte seiner Kritiker zurück.

GdG-Rat neu konstituieren

Im Herbst wolle man diesen Rat neu konstituieren. Das sei eine gute Chance, sich in die Arbeit einzubringen. Dort könnten solche und andere Fragen besprochen werden. Möglicherweise komme man mit dem Gremium zu einer Lösung, so dass ab 2022 wieder dezentrale Erstkommunionfeiern möglich werden. Für 2021 sei die Entscheidung aber bereits gefallen.

Übrigens:Bei Fertigstellung dieses Beitrags zählte die am 1. Juli von dem 1. Vorsitzenden der St. Willibrordus-Schützenbruderschaft, Daniel Koch, gestartete Online-Petition mit der Forderung „Erstkommunion in jedem Dorf der Stadt Baesweiler“ 369 Unterstützende. Damit waren bereits 74 Prozent des Sammelziels 500 erreicht. Diese Petition richtet sich nicht nur an die Pfarrei St. Marien, sondern auch an den Baesweiler Bürgermeister Dr. Willi Linkens.

Der stellte allerdings auf Nachfrage klar, dass gemäß strikter Trennung von Staat/Stadt und Kirche (Säkularisierung) diese Petition keine Relevanz für die Kommune bzw. den Stadtrat hat – bis auf die den Kritikern zustehende Willensbekundung. Das Pastoralteam sei hier Adressat. Linkens sei überzeugter Katholik, der weiterhin gerne Erstkommunionfeiern in den Dörfern sehen möchte, und habe die Bitte der Kritiker aufgenommen und gegenüber dem Regionaldekan thematisiert, aber die Entscheidung sei Sache der Kirche. „Ich kann ja leider auch nicht einen Priester besorgen.“

Hier der Link zur Petition: www.openpetition.de/petition/online/erstkommunionfeiern-in-jedem-dorf-der-stadt-baesweiler

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