Nahverkehr: Der Bürgerbus soll Baesweiler vereinen

Nahverkehr : Der Bürgerbus soll Baesweiler vereinen

Wird Baesweiler das nächste Erfolgsmodell der Bürgerbusvereine? In rund 140 Kommunen in NRW sind Ehrenamtler unter dem Motto „Bürger fahren für Bürger“ dort unterwegs, wo reguläre Busverbindungen zu unrentabel sind oder Dörfer von den Verkehrsbetrieben links liegen gelassen werden.

Die Vereine stellen dann einen vom Regierungsbezirk abgesegneten Fahrplan auf, organisieren Kleintransporter und fahren die Routen.

Davon profitieren besonders Kinder und Senioren, schilderte Rolf Peuster, Geschäftsführer von Pro Bürgerbus NRW e.V., in der Baesweiler Burg im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche. Nachhaltig warb Peuster, der selbst in Wipperfürth als Fahrer unterwegs ist, für das Konzept, das vor 30 Jahren aus den Niederlanden nach Deutschland geschwappt ist. Lediglich ein Verein habe seitdem den Betrieb wieder eingestellt, in vielen anderen Orten wurde der Betrieb dagegen erheblich ausgeweitet, berichtete er.

Auch in Baesweiler gibt es dafür, vorrangig in den außenliegenden Stadtteilen, Bedarf. Der Bürgerbusverein könne selbst entscheiden, welche Routen er anbietet, sei nach der Absegnung durch den Regierungsbezirk jedoch auch verpflichtet diese Fahrten durchzuführen und nicht als direkte Konkurrenz zu Bus- und Taxibetrieb aufzutreten. Preislich seien die Vereine jedoch frei - sie können sich aber auch an den bestehenden Tarifen orientieren und - gefördert mit 1000 Euro - Tickets des Nahverkehrs in NRW akzeptieren.

Sponsoren können helfen

Dazu können auch Sponsoren dabei helfen, die Kosten für die anzuschaffenden Transporter zu stemmen. Zusätzlich findet eine Förderung durch das Land NRW statt. Sorgen um bürokratische Hürden versuchte Peuster schnell aus dem Weg zu räumen: Pro Bürgerbus stelle alle nötigen Formulare und Satzungen zur Verfügung, an den interessierten Personen lege es dann den Verein zu gründen, ein Fahrzeug zu kaufen, den Bedarf zu ermitteln, die Fahrer gesundheitlich regelmäßig zur Überprüfung zu schicken und Sponsoren zu finden, damit der Betrieb beginnen kann. „Da braucht es einfach Eigeninitiative, und jemand muss den Hut auch aufnehmen“, betonte Peuster.

Dass das funktioniere sei auch in Linnich ersichtlich, wo seit 22 Jahren erfolgreich ein Bürgerbus verkehrt. Zusammen mit Annika Waßmuth, Klimaschutzmanagerin der Stadt Baesweiler, soll dorthin auch eine Exkursion unternommen werden, um Eindrücke zu sammeln. Besonders die Anbindung der äußeren Ortsteile - Beggendorf, Loverich, Floverich, Puffendorf - an das Stadtzentrum und die Linien in die Nachbarkommunen könnte so verbessert werden.

Hoffen auf „Vereinsmentalität“

„Dass eine Alternative her muss, ist klar“, betonte auch Waßmuth, die im Rahmen des Zukunftsnetz Mobilität den Baesweiler Bürgern weitere Transportmöglichkeiten bieten möchte. Dabei hofft sie besonders auf die „Vereinsmentalität“ in Baesweiler, um Unterstützer zu finden. Wilfried Menke, Vorsitzender im Stadtausschuss für Verkehr und Umwelt, will nun das Heft in die Hand nehmen: Interessierte Ehrenamtler oder Anregungen für den künftigen Fahrplan nimmt er unter 0151/10825689 und menke-b@t-online.de entgegen. Im Rahmen der Mobilitätswoche hatte sich die Stadt Baesweiler auch für die Fußgänger etwas ausgedacht: An den Fußgängerampeln entlang der Aachener Straße wurden kleine Quizkarten aufgehangen, die mit Fragen über den Verkehr in der Stadt Baesweiler oder kleinen Funfacts aus der Welt der Mobilität die Wartezeit auf die Grünphase verkürzen sollten.

Kleines Quiz

Mit kleinen Straßenmalereien wurde auf das kleine Quiz aufmerksam gemacht, bei dem es zum Beispiel um die Anzahl der Autos in Baesweiler oder die Besonderheit Tipperary-Hill-Ampel in New York geht. Die Antwort wartet jeweils auf der anderen Straßenseite - doch bereits einen Tag nach dem Start war schon Vandalismus zu sehen.

So wurde beispielsweise an der Fußgängerampel auf Höhe der Haltestelle Parkstraße der Kabelbinder an der Quizkarte durchgeschnitten, so dass diese bereits im Gebüsch lag.

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