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Interview mit designiertem CDU-Bürgermeisterkandidaten Pierre Froesch

Der Erbe von Linkens in Baesweiler? : „Ich werde meinen eigenen Weg gehen“, sagt Pierre Froesch

Vor kurzem hat der Vorstand der CDU Baesweiler ihren Mitgliedern den Leiter des städtischen Ordnungsamts, Pierre Froesch, als Bürgermeisterkandidat für die Kommunalwahlen im September 2020 vorgeschlagen. Unser Redakteur Karl Stüber sprach mit Froesch über Motivation und Ziele.

Eigentlich war doch alles prima: Amtsleiter in der Verwaltung und daheim Familienvater. Warum wollen Sie sich und Ihrer Familie das zeitintensive Wahlamt des Bürgermeisters antun?

Froesch: In den fast 28 Jahren, die ich in den unterschiedlichsten Bereichen beschäftigt bin, hatte und habe ich intensiven Kontakt zu den verschiedensten Menschen hier in Baesweiler, was mir sehr großen Spaß macht. So habe ich über die Jahre immer mehr Verantwortung übernommen. Gerade als Ordnungsamtsleiter „stehe ich mitten im Leben“ unserer Stadt. Neben meinen Aufgaben im Rathaus nehme ich im Wechsel Rufbereitschaftsdienst wahr und bin auch nachts und an den Wochenenden bei außergewöhnlichen Vorkommnissen vor Ort. Darüber hinaus sind mit meinem Amt viele Abendtermine verbunden. Es gibt also auch derzeit für mich viel zu tun.
Hinzu kommt, dass ich privat ohnehin gerne Veranstaltungen unserer Vereine besuche, oftmals gemeinsam mit meiner Frau oder der gesamten Familie. Ich würde also nicht davon sprechen, wie Sie es formulieren, dass ich mir da etwas „antun“ will. Im Gegenteil. Es ist für mich ein Zeichen größter Wertschätzung, dass die CDU mich als Kandidaten vorschlägt. Ich würde das Amt des Bürgermeisters sehr gerne übernehmen, mit einer starken CDU im Stadtrat, um die sehr gute Arbeit von Dr. Willi Linkens und der CDU der letzten Jahrzehnte mit Kontinuität fortzusetzen, aber auch insbesondere unsere Stadt positiv weiterzuentwickeln und neue Akzente zu setzen.
Ich weiß, dass ich hierbei auf gute und qualifizierte Teams in Verwaltung und Politik setzen kann und als Fußballfan weiß ich, dass es immer auf die Mannschaftsleistung ankommt. Natürlich haben wir das sehr intensiv innerhalb der Familie besprochen. Meine Frau und meine Tochter stehen voll und ganz hinter dieser Entscheidung.

Hatten Sie die Gelegenheit, zu größeren Behörden zu wechseln und mehr Geld zu verdienen?

Froesch: Diese Möglichkeit hätte sich mir in der Vergangenheit mehrfach geboten. Nicht nur in der Region. Wenn es mir nur darauf angekommen wäre, mehr Geld zu verdienen, wäre ich nicht in Baesweiler geblieben.

Warum sind Sie diesen Rufen nicht gefolgt?

Froesch: Wir fühlen uns auch als Familie in Baesweiler sehr, sehr wohl und identifizieren uns total mit unserer Stadt. Es geht uns gut. Ich habe mich daher immer gerne dafür entschieden, in Baesweiler zu bleiben und hier Verantwortung zu übernehmen. Das habe ich zu keinem Zeitpunkt bereut. Was nützt es, wenn man sich anderswo nicht wohl fühlt und die Arbeit keinen Spaß macht. Baesweiler ist meine Heimatstadt für die ich mich mit allem, was ich habe, einsetze. Außerdem kann man vor Ort sehr viel bewegen und sieht unmittelbar die Auswirkungen. Durch die vielen Bürgerkontakte weiß man schnell „wo der Schuh drückt“. Ich liebe diese kurzen Wege und die Mentalität von uns Baesweilern.

Was macht das spezielle Lebensgefühl in Baesweiler aus?

Froesch: Ich bin „ein Kind“ unserer Stadt, habe mein gesamtes Leben in Baesweiler verbracht. In allen Lebensphasen habe ich mich in Baesweiler immer wohl gefühlt. Das wünsche ich mir auch für unsere Bürgerinnen und Bürger. Wir sind eine große Gemeinschaft, aber dennoch haben die Dörfer ihre Eigenständigkeit. Ich fühle mich in allen Stadtteilen wohl, weil man immer herzlich aufgenommen wird. Man kennt sich. Baesweiler bietet viel. Baesweiler bietet Lebensqualität.

Als Bürgermeisterkandidat der CDU sind Sie zugleich deren Spitzenkandidat, also Aushängeschild für die Wahl zum Stadtrat. Haben Sie eigene programmatische Vorstellungen oder werden Sie das Wahlprogramm der Union übernehmen?

Froesch: Wir arbeiten derzeit gemeinsam an unserem Wahlprogramm, aber natürlich bringe ich viele eigene Vorstellungen mit ein. Aus meiner derzeitigen Funktion heraus ist mir natürlich das Thema Sicherheit besonders wichtig. Als Familienvater lege ich zudem großen Wert darauf, dass Familienthemen ein wesentlicher Bestandteil sind. Wir werden aber auch gute Ideen für junge Leute, Seniorinnen und Senioren und Menschen mit Behinderung entwickeln. Schließlich ist Baesweiler eine Stadt, in der sich alle Generationen wohl fühlen sollen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir den ÖPNV weiter voran bringen müssen. Hierzu hat die CDU bereits im Juli einen sehr wichtigen, umfassenden Antrag gestellt. Untrennbar vom ÖPNV ist das Thema Klimaschutz und Radverkehr zu sehen. Weitere wichtige Themen sind: Förderung des Ehrenamtes, Bürgernähe und insbesondere der Dialog mit dem Bürger, soziale Themen, denn es geht nicht allen Menschen in unserer Stadt gut, sowie Schulen und Digitalisierung. Bei allen Themen und noch so guten Ideen ist es jedoch unerlässlich, dass wir die finanzielle Handlungsfähigkeit unserer Stadt erhalten und selbst bestimmen können, was wir tun. Das wäre bei einem Haushaltssicherungskonzept, das viele Städte in NRW haben, nicht mehr möglich. Baesweiler soll auch künftig die Stadt mit den niedrigsten Abgaben (zum Beispiel Grundsteuer, Gewerbesteuer) in der Region sein. Das ist aber jetzt auf keinen Fall eine abschließende Aufzählung. Wie gesagt: Wir arbeiten derzeit am Wahlprogramm.

Angesichts des bundesweiten Trends könnte die AfD im neuen Stadtrat vertreten sein. Wie würden Sie als Vorsitzender des Stadtparlaments damit umgehen?

Froesch: Eine Kommunalwahl ist keine Bundestagswahl. Wir werden am Abend des 13. September sehen, welche Parteien künftig in unserem Stadtrat vertreten sein werden. In der derzeitigen Konstellation im Rat gehen alle Fraktionen respektvoll miteinander um. Das gefällt mir und das wünsche ich mir auch für die Zukunft.

Gemessen am Handlungsmuster von Western ist stets der Sheriff der bessere Bürgermeister, weil er sich der Bedrohung des Allgemeinwohls auf der Straße stellt. Wie viel Ordnungsamtschef würde im Bürgermeister Froesch stecken?

Froesch: Auch, wenn ich als Leiter des Ordnungsamtes oft „auf der Straße“ bin: Als Sheriff wäre ich ungeeignet. Beim Vogelschuss habe ich mal spaßeshalber ein Gewehr in die Hand genommen. Da haben die Schützenbrüder die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen. Ich glaube auch nicht, dass ich mich lange auf einem Pferd halten könnte. Aber wir sind ja hier auch nicht im wilden Westen. Sicherheit, das habe ich eben schon gesagt, ist für mich ein ganz wichtiges Thema. Auch wenn wir im Vergleich zu den Städten in der Region niedrige Kriminalitätszahlen haben (der ehemalige Polizeipräsident hat immer gesagt: „Ihr habt Zahlen, wie in Kalterherberg“), würde ich mir mehr Polizeipräsenz vor Ort, gerade auch in den Abend- und Nachtstunden, wünschen. Sicherheit lässt sich aber nicht nur an Kriminalitätszahlen fest machen.
Dazu gehört auch Verkehrssicherheit, für Eltern beispielsweise ein sicherer Schulweg für die Kinder. Und für Sicherheit in unserer Stadt sorgt auch die Freiwillige Feuerwehr mit hoch qualifizierten Feuerwehrfrauen und -männern, die auf ehrenamtlicher Basis zu jeder Tages- und Nachtzeit einsatzbereit sind. Dafür bin ich sehr dankbar. Und auch dafür, dass es uns gelungen ist, die Rettungswache hier in Baesweiler zu erhalten.

Erste Reaktionen beim Bäcker oder Anstehen im Lottoladen waren: Ach, der ist ja von Willi erzogen, der macht genauso weiter. Oder: Die Fußstapfen sind zu groß...

Froesch: Ich arbeite seit vielen Jahren mit Willi Linkens zusammen, habe unheimlich viel von ihm gelernt. Was Willi Linkens in den fast 35 Jahren für Baesweiler getan hat, ist einzigartig.
Ich bin aber nicht Willi Linkens und möchte auch nicht an Willi Linkens gemessen werden. Ich werde meinen eigenen Weg gehen und gar nicht erst versuchen, Willi Linkens‘ Fußstapfen zu betreten. Er hat tatsächlich auch größere Füße als ich, so dass man meine Fußstapfen in seinen gar nicht sehen würde. Auch er hat aber vor knapp 35 Jahren seine ersten Fußstapfen in Baesweiler gesetzt und damals war die jetzige sehr positive Entwicklung unserer Stadt, die zum großen Teil mit seinem Namen verbunden ist, so auch noch nicht vorhersehbar. Diese Entwicklung will ich weiter vorantreiben, mit eigenen Schwerpunkten, ohne dabei lediglich Dinge zu wiederholen.