Günter Pesler über die Weimarer Republik

Die Weimarer Republik : Demokratie ohne Demokraten

Woran ist die Weimarer Republik (1919-1933) gescheitert? Mit dieser Frage setzt sich eine vierteilige Vortragsreihe auseinander, welche der Geschichtsverein Baesweiler in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) Nordkreis derzeit anbietet.

VHS-Leiterin Jana Blaney begrüßte in der Baesweiler Burg Günter Pesler vom Geschichtsverein, der sich als kompetenter Referent des Abend, im dritten Teil der Reihe mit dem Thema „Die Weimarer Republik – Zwischen Beharrung und Fortschritt“ befasste.

Das Fazit: Die Weimarer Republik war zwar die erste parlamentarische Demokratie auf deutschem Boden, aber es mangelte ihr – abgesehen von der SPD und zeitweilig dem Zentrum – an überzeugten Demokraten. Die Demokratie war zwar der Kampfboden, die Interessen der eigenen Klientel (Arbeiterschaft, Katholiken, Schwerindustrie etc.) voranzutreiben, aber für viele der Akteure kein Zweck an sich, welchen man in Notzeiten verteidigt hätte.

Pesler setzte sich mit der Rolle der Zentrums-Partei bei der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten auseinander und räumte mit einigen weitverbreiteten Mythen auf: Beispielsweise, dass Hitler eine Marionette der Industrie und des Kapitals gewesen sei. Diese hätten ihre Zuwendungen auf mehrere Parteien der Weimarer Republik „gestreut“, nur einzelne Industrielle wie Fritz Thyssen hätten vornehmlich auf die Karte „Adolf Hitler“ gesetzt.

Auch der Mythos von der „Nicht-Anfälligkeit“ des deutschen Arbeiters für die NSDAP bekam Kratzer. Zwar seien die Nazis vor allem eine Sammlungsbewegung des kleinen Mittelstandes und der Bauernschaft gewesen, doch mit zunehmender Zeit der Massenarbeitslosigkeit sei die NSDAP auch attraktiv für Arbeiter geworden. Dies zeigten auch die Wahlergebnisse im Kreis Aachen und in Baesweiler in den Niedergangsjahren der Weimarer Republik ab 1930.

Ebenfalls stellte Pesler infrage, dass die Jugend in der Weimarer Republik eher unpolitisch gewesen sein soll. Vielmehr wies er nach, dass bezüglich neuer Mitglieder und „stolzer“ Wahlergebnisse zum Ende der Weimarer Republik die Jugend den Nazis einen starken Auftrieb verschaffte.

Nach diesem Vortrag darf man gespannt sein auf den letzten Teil der Reihe. Hier wird Günter Pesler in einigen Monaten berichten, wie es zum Übergang von der Weimarer Republik hin zur Nazi-Diktatur kam und warum diese Entwicklung so schnell und reibungslos vor sich ging.

Eine weitere interessante Frage soll dann auch einer Klärung zugeführt werden: Sind Weimarer Verhältnisse auch heute in Deutschland möglich?

(jope)