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Nach Kritik am Bebauungsplan: Gelände der Alten Brauerei in Beggendorf wird kleiner bebaut

Nach Kritik am Bebauungsplan : Gelände der Alten Brauerei in Beggendorf wird kleiner bebaut

Dem Baesweiler Bauausschuss gingen die Planungen für das ehemalige Brauerei-Gelände in Beggendorf zu weit. Sie waren zu massiv, hieß es. Die neue Fassung liegt nun vor.

Wie intensiv das Gelände der Alten Brauerei an der Lindenstraße in Beggendorf bebaut werden soll, war im Bauausschuss im August ausgiebig diskutiert worden. Den Ausschussmitgliedern ging der ursprüngliche Entwurf des Bebauungsplan 115 schlicht zu weit. Die massive Bebauung werde dem Dorfcharakter nicht gerecht. Nun wurde im Fachausschuss eine „abgespeckte“ Version der Baugruppe BKLS aus Aachen vorgestellt, die im Dialog mit der Stadtverwaltung Baesweiler auf Basis der Einwände seitens der Kommunalpolitik und der Beggendorfer Dorfgemeinschaft angepasst worden ist.

Technische Dezernentin Iris Tomczak-Pestel erinnerte daran, dass der Wunsch aufgekommen sei, mehr Freiflächen zwischen den zu bebauenden Abschnitten zu schaffen. Zudem war darauf gedrängt worden, die Höhe der Bebauung zu reduzieren. Anstelle der ursprünglich vom Investor vorgesehenen Dreigeschossigkeit war für eine maximal zweigeschossige Bauweise plus Dach plädiert worden. Zudem sollten sich die Dachneigungen an den im Umfeld stehenden Gebäuden orientieren. Teilweise sollten Flachdächer installiert werden.

„In all diesen Punkten hat es erhebliche Überarbeitungen gegeben“, fasste Tomczak-Pestel zusammen. So wurde die Zahl der Baufenster – also markierte Bereiche, in denen Gebäude errichtet werden dürfen – reduziert. Die Zahl der möglichen Wohneinheiten wurde abgeschmolzen. Die massive Wirkung der Baukörper soll durch einen gesteigerten Anteil an transparenten Fassadenflächen reduziert werden. Zudem sind laut Technischer Dezernentin nun Betriebe zur Beherbergung ausgeschlossen worden.

Im nun vorliegenden Entwurf des Bebauungsplans ist die Grundflächenzahl GRZ auf 0,6 begrenzt und darüber hinaus keine Überschreitung durch Garagen, Stellplätze und Nebenanlagen zugelassen (siehe Infobox). Die maximale Firsthöhe neuer Gebäude muss mindestens 50 Zentimeter unter der von Bestandsgebäuden in der Umgebung bleiben. Staffelgeschosse müssen demnach um mindestens einen Meter zurückgesetzt werden. In einem Teilbereich sollen Wohngebäude nach den Vorgaben des sozialen Wohnungsbaus geschaffen werden. Damit sind die Vorgaben weitgehend umgesetzt worden, wie Tomczak-Pestel resümierte. Mit diesem Konzept, so der Vorschlag der Verwaltung, soll nun in die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung „gegangen werden“.

Die CDU-Fraktion signalisierte einhellige Zustimmung, zumal mit Beggendorf zuvor Konsens hergestellt worden sei. Auch die SPD-Fraktion machte deutlich, diese Version des Bebauungsplans mittragen zu wollen. Seitens der Grünen – namentlich Rolf Beckers – wurde durchaus zu würdigen gewusst, dass der Plan deutlich überarbeitet worden ist. Das heiße aber nicht, dass man damit glücklich und zufrieden ist. Es bestehe noch Beratungsbedarf in der Fraktion, um dann in der Ratssitzung ein klares Votum abgeben zu können. Im Bauausschuss enthielten sich die Grünen der Stimme. Es gebe noch offene Fragen, zum Beispiel, ob das Areal von nur einem Investor bebaut werde oder das aufgeteilt werden soll.

Neben der Landwirtschaft betrieb dereinst die Familie Kochs im Kern von Beggendorf eine Brauerei.
Neben der Landwirtschaft betrieb dereinst die Familie Kochs im Kern von Beggendorf eine Brauerei. Foto: Karl Stüber

Zudem wurde danach gefragt, was in den einzelnen Baufenstern genau passieren soll – etwa Bau von Einfamilienhäusern. Weiterhin müsse überdacht werden, ob ein autofreies Wohngebiet in dem Ort angesichts der Unterversorgung mit Öffentlichen Nahverkehrsangeboten sinnvoll sei. Ausmaß der Tiefgarage und der Zugang zu den Baufenstern seien noch nicht klar.

Technische Dezernentin Tomczak-Pestel sagte dazu: „Wir wollen jetzt erst einmal einen Angebotsbebauungsplan schaffen. Der lässt aufgrund seiner rechtlichen Struktur nachher im Rahmen der Festsetzungen unterschiedliche Ausnutzungen zu.“ Derzeit gebe es nur einen Investor. Ob aber später das Baugebiet gesamtheitlich entwickelt oder Parzellen einzeln verkauft werden? Das sei theoretisch alles möglich. „Das können wir rechtlich nicht festsetzen. Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen.“ Innerhalb der Baugrenzen könne es wie bei jedem Bebauungsplan Grundstücksteilungen geben, wobei jeweils maximal zwei bis vier Wohneinheiten je nach Lage zulässig wären.

Die Autofreiheit sei durchaus ernst gemeint. Deshalb seien in der Tiefgarage auch Besucherparkplätze vorgesehen. Die Erschließung der Tiefgarage müsse sich in der tatsächlichen Bauplanung zeigen, dies könne aber aufgrund der technischen Vorgaben „nicht an zehn verschiedenen Stellen“ möglich sein. Letztlich werde sich das auf ein oder zwei Optionen reduzieren.

Das letzte Wort über die Offenlage des Entwurfs des Bebauungsplans hat der Stadtrat, der am Dienstag, 27. September, ab 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Setterich tagt.