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Die Netten Koketten: „Geben Sie Acht – alles andere ist riskant“

Die Netten Koketten : „Geben Sie Acht – alles andere ist riskant“

Die eine elegant am Klavier, die andere frech und direkt – das sind die Netten Koketten. Sie begeistern auch in Baesweiler.

Mitten im Konzert hielt Valerie Barth einen Moment inne. Um ein Geständnis abzulegen: „Ich bin so nervös“, sagte die junge Frau am Klavier. Die Begründung ließ die professionelle Sängerin gleich folgen: „Hier sind so viele Leute, die ich kenne ...“ Schließlich spielte Barth in ihrer Wahlheimatstadt. Dort, im dörflichen Baesweiler, ist sie sesshaft geworden. Nun durfte sich Valerie Barth gemeinsam mit ihrer Bühnenpartnerin Charlotte Welling vor fast ausverkauften Reihen im Kulturzentrum der Burg präsentieren. „Die netten Koketten“ traten im Rahmen der Reihe „Kultur nach Acht“ in der Alten Scheune auf.

Mit einem Programm, das musikalisch seinen Schwerpunkt in den 1920er Jahren fand. In diesem Genre sind die netten Koketten zu Hause. „Geben Sie Acht – alles andere ist riskant“, forderten die Musikerinnen, die seit Jahren einem bundesweiten Publikum in der Sparte Comedy bekannt sind.

Nach dem netten Geständnis von Valerie Barth waren dann doch einige Besucher überrascht, dass eine „Tochter Baesweilers“ mit glockenreiner Stimme faszinierte.

Die goldenen 20er des vergangenen Jahrhunderts: Hier bewegte sich das Duo zwischen Tucholsky, Comedian Harmonists, Friedrich Holländer und anderen Größen der Zeit. Mal poetisch, mal frech, lustig und auch melancholisch – aber vor allem mit Leidenschaft. Eingangs bat Charlotte Welling, ausgebildete Schauspielerin und Sängerin, noch darum: „Es gibt heute nichts zu essen. Also fordern Sie es auch nicht. Denn oft schon hat man uns als nette Kroketten angekündigt.“ So wandelte das Duo auch mal im „kleinen Schwarzen“ zwischen den Themen Liebesbeziehungen und ihre Tücken, um dann auch den „anderen Mann“ von Tucholski singend zu zitieren. „Irgendwo auf der Welt, gibt’s ein kleines Stückchen Glück“: Da durfte das komplette Publikum in drei Chören mitsingen. Und das taten die Menschen nach anfänglichem Zögern dann auch ganz zart.

Geständnisse reihten sich an diesem Abend geradezu aneinander. Auch, als Charlotte Welling besang, wie sie sich ihren Traummann vorstellt. „Ein Neandertaler!“ Wild und ungezähmt soll er sein. So waren sie halt, die Wünsche seinerzeit, in den Goldenen Zwanzigern. Und in den nächsten Tagen wird Valerie Barth wohl damit rechnen müssen, in ihrer Wahlheimatstadt angesprochen zu werden: „Sie sind doch die Blonde von den...!“

(mali)