Bebauungsplan 113 wird in Baesweiler Fachausschuss diskutiert

Seniorenheimprojekt : Hirschkäfer „verteidigt“ seine Heimat in Baesweiler

„Maikäfer, flieg!“ ist ein trauriges Lied und handelt von der Vertreibung aus Pommern. Das soll aber nicht für die Stadt Baesweiler gelten. Und was dem Maikäfer recht ist, soll dem Hirschkäfer billig sein, verspricht die Stadtverwaltung für die Population an der Stegerhüttestraße/Schugansgasse. So gesehen würde der Hirschkäfer seine Heimat erfolgreich verteidigen können.

Dort soll zwar ein Seniorenheim mit 90 Pflegeplätzen nebst 13 Wohnungen entstehen, der Hirschkäfer soll aber am Standort und in der direkten Umgebung seine Heimat behalten, wie Technische Dezernentin Iris Tomczak-Pestel sagte. Der Stand der Dinge (vorgezogene Beteiligung) wird in der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Mittwoch, 19 Uhr, im Rathaus Setterich umfassend vorgestellt (Stellungnahmen von Behörden und Einrichtungen/Verbänden) und auch einen Tag später im Stadtrat, 18 Uhr, am selben Ort thematisiert, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens betont.

Die weiteren Verfahrensschritte werden erläutert, denn nun soll neben den Anwohnern, die das Vorhaben in Schreiben und Gesprächen kritisiert haben, die allgemeine Öffentlichkeit mit Anregungen und Bedenken zu Wort kommen.

Mit Städteregion abgestimmt

Bezüglich Hirschkäfervorkommen soll laut Tomczak-Pestel in Abstimmung mit einem Biologen und der Städteregion der Lebensraum möglichst gering belastet und zudem ausgebaut werden. Vorgegeben sei, mindestens fünf Brutgruben anzulegen, in denen Biomasse (Sägemehl, Altholz etc.) eingebracht wird, um der seltenen Tierart gerecht zu werden. „Zwei davon sollen auf dem Gelände des Seniorenheims angelegt werden, weitere im Umfeld, so zum Beispiel im Bereich Friedhof.“ Auf dem Gelände des nahen Gymnasiums könnte eine Totholzpyramide errichtet werden, eine Art Insektenhotel, zugeschnitten auf den in seiner Erscheinung imposanten Hirschkäfer.

Biologiestudent Christian Molls, der sich in seiner Abschlussarbeit mit der Population befasst und aus Baesweiler stammt, sieht das Konzept indes kritisch: „Das Habitat sollte erhalten bleiben, wie es ist.“ Wenn das Bauvorhaben nicht mehr abzuwenden sei, sollten zumindest „die Brutstätten mit einem deutlichen Vorlauf errichtet werden, so dass diese vor Baubeginn nachweislich angenommen wurden.“

Dezernentin Tomczak-Pestel versichert, dass die Gruben mit eigenen Kräften, also dem Bauhof, einfach anzulegen seien.

Molls bietet „bei passendem Wetter“ (trocken und warm) am Samstag, 15. Juni, „eine Führung durch das bedrohte Gebiet an der Stegerhüttestraße/Schugansgasse“ für Interessierte“ an, von 21 bis 23 Uhr. Treffpunkt ist am Wendehammer Stegerhüttestraße. Dann soll auch der Bebauungsplan 113 mit dem Projekt Seniorenheim Thema sein.

Die umfangreichen Unterlagen zum Großprojekt des Investors CMS Consulting GmbH & Co. KG aus Köln sind ab sofort im Ratsinformationssystem der Stadt für jedermann einsehbar: https://ratsinfo.baesweiler.de/. Die enstprechenden Gutachten, so auch das zum Thema Verkehrsbelastung, haben nicht mehr den Status eines Vorentwurfs, sondern eines Entwurfs, wie Tomczak-Pestel sagt. Das Emmissionsgutachten werde noch überarbeitet. Erst mit dem Satzungsbeschluss würden die Gutachten ihre (End-)Gültigkeit erreichen, allein schon, um bis dahin noch offen für Änderungen/Ergänzungen aufgrund der Beteiligung der Öffentlichkeit zu sein, wie der Bürgermeister hervorhob: „Das eigentliche Hauptverfahren beginnt ja noch.“

Linkens stellte noch einmal klar, dass für das Seniorenheim kein anderer Standort im Stadtgebiet infrage komme, um den allseits anerkannten Bedarf und die Dringlichkeit zeitnah zu erfüllen. Mit der grundsätzlichen Zweigeschossigkeit (mit Ausnahme eines „zurückspringenden“ Staffelgeschosses) und der Unterkellerung eines nur kleinen Bereichs soll der Baukomplex gut auf das Grundstück passen, sagt Tomczak-Pestel.