Bau der Umgehungsstraße L50n Richtung Siersdorf schreitet voran

Entlastung für Setterich : Die Landesstraße 50n findet ihren Weg

Wie? Wann? Warum? Setterich bekommt eine Ortsumgehung

Die zwei Kilometer lange Umgehungsstraße L50n zwischen Setterich und Siersdorf nimmt Formen an. Im Juni startet der Bau des Kreisverkehrs.

Schwere Lkw rollen über die Trasse der L 50n, auf der bereits die Frostschutzschicht als stabiler Untergrund für die Fahrbahn aufgebracht worden ist. Sie fahren langsam, um nicht zu viel Staub aufzuwirbeln. Die Laster transportieren Material ab, denn an der Einmündung der neuen Umgehungsstraße in die existierende Landesstraße 50 auf Höhe des Umspannwerks (ehemals Standort eines Steinkohlekraftwerks) zwischen Setterich und Siersdorf muss noch die Zufahrt im Erdreich „modelliert“ werden.

Ein schwerer Bagger trägt Mutterboden ab und belädt die Dreiachser. Am anderen Ende berichtet ein Anwohner des Adenauerrings von Staubbelästigungen. Ein weiterer wischt stoisch seinen mit Dreck bedeckten Wagen am Straßenrand ab.

„Kleintierdurchlässe“

Darauf angesprochen, verweist Ernst Gombert, Projektleiter beim Landesdienst Straßen.NRW als Auftraggeber, auf das Bauunternehmen, das bei Bedarf zum Einsatz eines Wasserwagens eigentlich verpflichtet sei. Die Arbeiter haben eine Art Basislager in Sichtweite eingerichtet und sind dort ansprechbar.

In einer großen Kurve angelegt: Der Verlauf der Trasse der L 50n bei Setterich vom Adenauerring bis zur bestehenden Landstraße Richtung Siersdorf ist aus der Luft gut erkennbar. Foto: Manffred Kistermann/MANFRED KISTERMANN

In der Tat lässt sich bei aller Umsicht angesichts der (bisherigen) Trockenheit Staub letztlich nicht vermeiden. Allerdings sind nahe der Wohnbebauung die gröbsten Erdarbeiten bereits erledigt, so Gombert. Nun folgt der „Feinschliff“. Drei weitere Schichten müssen aufgetragen werden: die bituminöse Tragschicht (circa 14 Zentimeter mächtig), die Bindeschicht (etwa acht Zentimeter) sowie die dünnere Asphaltschicht.

Seltsame Betonteile in Baukastenform sind am Rande der Trasse aufgereiht. Gombert löst das Rätsel. Es handelt sich um vorgefertigte Teile von „Kleintierdurchlässen“, die noch eingebaut werden müssen, um Hase, Vetter Kaninchen, Igel, Dachs und Konsorten das Unterqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Durch entsprechende Zäune werden die Tiere zu den Gängen geleitet. Ob der Fuchs erkennen wird, dass sein Futter durch diese hohle Gasse kommen muss? Mal eine andere Form von Fuchsjagd wäre das. Ein Restrisiko bleibt also für die Nutzer der Durchlässe.

Projektleiter Ernst Gombert vom Landesdienst Straßen NRW inspiziert eines der Bohrlöcher, durch die die Entwässerung des Oberflächenwassers erfolgen soll. Foto: Karl Stüber

Ein Stück weiter ragen seltsame Erdkegel aus einem frisch angelegten Regensammelbecken. Sie sind nummeriert. Auch hier sorgt der Projektleiter für Aufklärung. Es handelt sich um mehrere Meter tiefe Bohr- bzw. Sondierungslöcher des Kampfmittelräumdienstes. Mit spezieller Messtechnik wollen die „Jäger“ nicht explodierter Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg herausfinden, ob noch unliebsame Überraschungen tiefer im Erdreich stecken. Zur Entwässerung des Oberflächenwassers müssen wasserundurchlässige Schichten durchbohrt werden. In zwölf Meter Tiefe kann das Nass dann problemlos versickern.

Gut für Feldvögel

Im landschaftspflegerischen Begleitplan sind Kompensationsmaßnahmen auf rund 100.000 Quadratmetern aufgelistet. Unter anderem werden Heckenstrukturen mit Obstbäumen entlang von Wirtschaftswegen angelegt werden, die Heckenbrütern und Steinkauzen zugute kommen sollen. Acker-
flächen, die aufgrund ihrer Lage für Landwirte nicht mehr wirtschaftlich genutzt werden können, da sie von der Straße diagonal geteilt werden, sollen extensiviert werden, gut insbesondere für Feldvögel.

Die L 50 n mündet auf Höhe des Umspannwerks zwischen Setterich und Siersdorf (ehemals Steinkohlekraftwerk) in die bestehende Landstraße 50. Foto: Karl Stüber

Einen Fuß-/Radweg wird es laut Gombert entlang der neuen Umgehungsstraße nicht geben. „Eine Führung des Radverkehrs wie auch der Fußgänger ist über das neue zum Teil parallel verlaufende Wirtschaftswegenetz möglich.“ Für Landwirte, Radler und Fußgänger wurde bereits eine Brücke für einen Wirtschaftsweg gebaut.

Wenn die Straße im Herbst fertig ist, wird eine etwa 322 Meter lange und vier Meter hohe Lärmschutzwand entlang des Adenauerrings ab der Einmündung in die alte B 57 gebaut. „Der wird begrünt“, sagt Ernst Gombert.

Was aussieht wie kleine Bunker sind Betonelemente für „Kleintierdurchlässe“, die es Hase, Igel und Co. erlauben, unter der neuen Straße durchzuschlüpfen. Foto: Karl Stüber

Bereits im Juni wird mit dem Bau des Kreisverkehrs begonnen, der dort die Kreuzung nebst Ampelanlage ersetzen soll, um den Verkehrsfluss dort noch zu verbessern.

Hohe Netzfunktion

Ziel der Gesamtbaumaßnahme ist nicht nur eine Entlastung Setterichs vom Durchgangsverkehr, sondern auch eine Verbesserung der Verkehrsqualität. „Die L 50n wird als Fortsetzung der L 225 eine hohe Netzfunktion haben“, steht in der Projektbeschreibung. „Über die L 136 ist sie als anbaufreie Trasse ein wichtiger Autobahnzubringer zur Autobahn 44, die die Oberzentren Aachen und Mönchengladbach verbindet.“

Für den die Trasse kreuzenden Wirtschaftsweg wurde bereits eine eigene Brücke gebaut. Foto: Karl Stüber
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