Baesweiler: Inhaber von "Zur Alten Schmiede" wirft das Handtuch

Insolvenzverfahren läuft : Traditionsgaststätte „Zur Alten Schmiede“ wird verkauft

Insolvenzverwalter Kay Heinrich Simon aus Aachen kennt sich in der Gaststätte Zur Alten Schmiede in Baesweiler bestens aus. Nicht dass er dort schon als Stammgast gelten würde, aber zumindest einmal hat er schon der Inhaber-Familie Gandelheid aus der Patsche geholfen.

Das war im Jahr 2016. Nun wurde er erneut vom Amtsgericht Aachen zum Insolvenzverwalter bestellt. Aber diesmal geht es nicht mehr ums Retten des Betriebs, sondern ums Abwickeln, wie Simon auf Nachfrage unserer Zeitung sagte.

Inhaber Heinz-Rudolf Gandelheid habe ihm schon im ersten Gespräch klipp und klar gesagt, dass er den Betrieb nicht mehr weiterführen wolle. Nun steht also der freie Verkauf der Immobilie an, wofür es gute Aussichten gebe, wie der Insolvenzverwalter sagte. Die Immobilie sei nach seinen Feststellungen nicht überschuldet, so dass genug „Masse“ da sei. Damit scheint das Ende der Traditionsgaststätte besiegelt zu sein, es sei denn, dass der Käufer dort die Gastronomie weiterführen will.

Vor drei Jahren wurde mit Simons noch in letzter Minute die Zwangsversteigerung des Objekts abgewendet. Vorangegangen war ein ausgelaufener Baukredit, hieß es. Es ging um die Refinanzierung eines Saalanbaus. Letztlich soll die Zinsbelastung nicht mehr leistbar gewesen sein. Die Immobilie wurde unter Zwangsverwaltung der Gläubigerbank gestellt. Am Ende einigte man sich. Der Betrieb ging von Mutter auf Sohn Heinz-Rudolf Gandelheid über und der Gastronomiebetrieb weiter. Bis vor einigen Wochen.

10. Oktober Gläubigertreff

Diesmal stand die Baesweiler Traditionsgaststätte vor dem Aus, weil ihr buchstäblich der Saft für den Betrieb abgedreht worden war. Das war im Mai. Über Monate war der Energiebezug nicht bezahlt oder abgebucht worden, da kappte das Versorgungsunternehmen die Zufuhr. Wer das zu verantworten hat, darüber gehen die Meinungen von Inhaber und Energieversorger auseinander. Gandelheid jedenfalls wollte das eigentlich gerichtlich auf den Prüfstand stellen lassen, wie er zuletzt gegenüber unserer Zeitung sagte. Das war im Juni.

Die aufgelaufenen Ansprüche des Energieversorgers konnte Gandelheid nicht mehr aufbringen und meldete Insolvenz an. Einen anderen Versorger hatte er so schnell nicht finden können. Und ohne Strom kann der Gastronomiebetrieb nicht fortgeführt werden, angefangen von der Kühlung bis hin zur Beleuchtung.

Das Amtsgericht Aachen eröffnete das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Gandelheid wegen Zahlungsunfähigkeit am 19. Juli um 10.04 Uhr. Die Entscheidung wurde vorschriftsgemäß auf der Internetseite des Gerichts veröffentlicht. Zugleich wurden Insolvenzgläubiger aufgerufen, ihre Forderungen bis 5. September beim Insolvenzverwalter anzumelden. Es geht um „Sicherungsrechte an beweglichen Sachen oder an Rechten des Schuldners“.

Umgekehrt wurden Dritte, die ihrerseits gegenüber dem Schuldner noch offene Rechnungen zu begleichen haben, aufgefordert, dieses Geld nur noch an den Insolvenzverwalter zu zahlen.

Der Termin zur Gläubigerversammlung steht bereits fest. Man trifft sich am Donnerstag, 10. Oktober, um zehn Uhr im Gebäude des Amtsgerichts Aachen, Adalbertsteinweg 92, 1. Etage, Sitzungssaal D 1.409. Die Tagesordnung steht fest. Zum einen geht es um die Person des Insolvenzverwalters und die Einsetzung und Besetzung des Gläubigerausschusses. Mit der „Zwischenrechnungslegung“ wird ein erster Kassensturz gemacht. Geld, gegebenenfalls Wertpapiere und „Kostbarkeiten“ wollen hinterlegt sein. Und es muss über die Frage entschieden werden, wie der Fortgang des Verfahrens aussehen soll. Der Weg dürfte angesichts des Verzichts der Fortführung durch den Inhaber klar sein. Es steht die „Veräußerung des vorhandenen Anlagevermögens des Betriebs des Schuldners und der in seinem Eigentum stehenden Immobilien Aachener Straße 240 und 155 a in Baesweiler“ als wichtiges Thema an.

Chance auf Neuanfang

Was passiert, wenn niemand den Termin wahrnimmt? Der Hinweis des Gerichts ist unmissverständlich: „Die Zustimmung zu besonders bedeutsamen Rechtshandlungen gilt als erteilt“, wenn die Versammlung nicht beschlussfähig ist oder kein stimmberechtigter Gläubiger erscheint. Das heißt: Der Insolvenzverwalter hat entsprechend freie Hand.

Und auch das steht auf der Homepage des Amtsgerichts Aachen: Gandelheid seinerseits hat die Restschuldbefreiung beantragt, die er erlangen kann, wenn er seinen Obliegenheiten in dem Verfahren nachkommt und keine Versagungsgründe vorliegen.

Diese Option hat der Gesetzgeber wohlweislich geschaffen – als Chance für einen Neuanfang. Den dürften ihm viele wünschen, die gute Erinnerungen an die Familienfeste in der Alten Schmiede hegen, ganz zu schweigen von den vielen Vereinen und Initiativen, die dort ihre Versammlungen und Veranstaltungen hatten. Die Alte Schmiede blickt auf eine über 150 Jahre währende Geschichte zurück..

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