Baesweiler: Baesweiler will keine eigene Feuerwache einrichten

Baesweiler: Baesweiler will keine eigene Feuerwache einrichten

Die Ausnahme ist im Grunde schon eher die Regel. Seit 1996 müsste Baesweiler eigentlich eine hauptamtliche Feuerwache haben. Weil die Stadt ordentlich wächst. Kreisangehörige Kommunen mit mehr als 25.000 Einwohnern sollen laut Gesetz über den Feuerschutz und die Hilfeleistung NRW (FSHG) professionelle Wehrkräfte vorhalten.

Und Baesweiler hat mittlerweile mehr als 28.000 Bürger. Doch Hauptamtler würden Geld kosten, und nicht gerade wenig. Deshalb wird die Stadt bei der Bezirksregierung jetzt erneut einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung stellen. Mit guter Aussicht auf Erfolg.

Dass die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr auch weitere fünf Jahre ausreichend sein werden, um den Brandschutz in der Stadt zu gewährleisten, steht für Ordnungsamtsleiter Pierre Froesch außer Frage. „Da haben wir sehr, sehr gute Argumente!“

Aufgelistet in einem ordentlichen Stapel Papier, der in den vergangenen Wochen und Monaten zusammengetragen worden ist. Einsatzzahlen, Alarmzeiten, haufenweise Statistiken, die Anzahl der Fahrzeuge und anderem technischen Gerät und noch vieles mehr — es ist ein Berg an Zahlen zusammengekommen.

Alle fünf Jahre muss der sogenannte Brandschutzbedarfsplan erstellt werden. Das gilt grundsätzlich, in allen Städten. Doch im Baesweiler Fall ist die Akribie besonders groß, weil der Plan unterm Strich auch ein Empfehlungsschreiben ist.

Wie teuer eine hauptamtliche Wache die Stadt käme, hat der stellvertretende Wehrführer Dirk Grein zwar noch nicht exakt nachgerechnet, „aber da kommt ordentlich was zusammen. Neun Mann pro Schicht wären dafür nötig. Drei Schichten müssten es sein, dazu noch eine Reserveschicht“, kalkuliert er. Geld, das die Stadt sich auch aus seiner Sicht ohne weiteres sparen kann. Weil es 174 Aktive in der Freiwilligen Feuerwehr gibt.

Eine hohe Zahl, die seit vielen Jahren stabil ist. „Never change a winning team“, sagt er und lacht. Nachwuchssorgen? Gibt es in Baesweiler nicht. Die Jugendfeuerwehr hat aktuell 38 Mitglieder und die Erfahrung zeigt, dass viele von ihnen später zu Aktiven werden.

Allein in diesem Jahr sind wieder fünf eingetreten, 18 Personen aus Baesweiler sind demnächst für einen Grundlehrgang angemeldet. Grein: „Es gibt andere Kommunen, die nur gemeinsam auf solch eine Lehrgangsstärke kommen.“

Sieben Dörfer hat Baesweiler, in sechs davon gibt es Gerätehäuser der Feuerwehr, Loverich und Floverich haben ein gemeinsames. „Ausgestattet sind alle auf technisch hohem Niveau“, unterstreicht Pierre Froesch. Zwei neue Löschfahrzeuge sind jüngst erst bestellt worden.

Besonders wichtig im Bedarfsplan: Die Ausrückzeiten können eingehalten werden. Brennt etwa eine Wohnung im zweiten Stock und gelten dort Personen als vermisst, müssten acht Minuten nach dem Alarm neun Helfer am Einsatzort sein. Fünf Minuten später müssen 13 weitere hinzugekommen sein.

Grein: „Das klappt bei uns.“ Auch tagsüber, in der kritischen Zeit. Kritisch deshalb, weil von den 174 freiwilligen Helfern „nur“ 55 in Baesweiler arbeiten, also im Ernstfall kurze Anfahrtszeiten haben.

Vor fünf Jahren hatte die Bezirksregierung den Bedarfsplan nach gründlicher Prüfung abgenickt, vor zehn Jahren gab es gleich zwei Mal einen unangekündigten Probealarm, um die Truppe zu testen. Tagsüber musste sie am Ringofen ausrücken, abends noch einmal am ITS. „Wir waren schnell genug“, sagt Grein und ist zuversichtlich, dass bei einer Prüfung erneut der Fall wäre.

Der Rat hat den Bedarfsplan in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, alle Fraktionen fanden höchstes Lob für die Arbeit der Ehrenamtler. Nun bekommt zunächst Kreisbrandmeister Bernd Hollands das gut 100-seitige Werk. Er wird dann eine Art Empfehlungsschreiben aufsetzen, das mit dem Plan an die Bezirksregierung geschickt wird. „Er betont immer wieder, dass wir in Baesweiler eine sehr gut aufgestellte Wehr haben“, sagt Dirk Grein. Und das werde der Stadt weiterhin eine hauptamtliche Wache ersparen.

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