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Baesweiler Standesbeamtin hat viel zu tun

Ja zum Partner und zur Zukunft sagen : Standesbeamtin Antonia Küppers freut über jede neue Eheschließung

Antonia Küppers hat jeden Arbeitstag viel mit Menschen und deren sehr persönlichen Angelegenheiten zu tun. Natürlich sind der Leiterin von Standesamt, Bürgerbüro und Friedhofsamt in der Stadtverwaltung Baesweiler Heirat und Geburt die liebsten „Personenstandsangelegenheiten“, um tätig zu werden.

Etliche Termine stehen schon fest. Die Alterstruktur der Heiratswilligen ist gemischt. „Es sind immer noch recht junge Menschen dabei, die sich trauen, aber es wird meist später geheiratet. Die meisten sind um die 30 Jahre alt.“ Das hat wohl mit der Dauer der Ausbildung zu tun und dem Wunsch, erst einmal beruflich Fuß zu fassen, bevor man sich bindet und eine Ehe eingeht. Aber es gibt auch einige Ältere, die sich erstmals zu einer Partnerschaft mit Brief und Siegel entscheiden, auch wenn sie vorher schon zwei- oder gar dreimal Pech hatten.

„Verlieben kann man sich immer“

„Verlieben kann man sich immer und jedem Alter“, sagt Küppers und lächelt. Auch das ist wohl ein Grund dafür, dass gerade die Vorbereitung einer Eheschließung und der „verwaltungstechnische Vollzug“ ihr Spaß machen. „Ich finde es gut, dass Menschen positiv in die Zukunft schauen, heiraten und Kinder haben wollen.“

Natürlich reicht das bloße Ja beider Partner allein nicht aus. Die Voraussetzungen zur Eheschließung wollen geprüft sein. Ohne Formulare geht es nicht ab. Die Anmeldung zur Eheschließung muss ordnungsgemäß angemeldet werden. Zuvorderst ist die Wohnortgemeinde zuständig. Aber die Liebe kennt natürlich keine Verwaltungsgrenzen. Nicht selten kommt einer der beiden „Kandidaten“ aus einer anderen Gemeinde. Oder aber es sind Baesweiler, die mittlerweile anderswo wohnen beziehungsweise gemeldet sind. Sie kehren zur Eheschließung aus familiären oder nostalgischen Gründen zurück. Dann wird die Meldekommune in die Vorprüfung einbezogen, was den Verwaltungsaufwand steigert. In solchen Fällen kostet die Anmeldung nicht mehr standardmäßig 40 Euro: Muss ein anderes (Wohnort-)Standesamt einbezogen werden, werden weitere 40 Euro fällig. Geht es um eine andere Staatsbürgerschaft, sind es wegen der umfangreicheren Vorarbeiten 60 Euro. Hier muss zur Eheschließung ein Ehefähigkeitszeugnis der Heimatbehörde beigebracht werden. Leider stellt nicht jedes Land so ein Zeugnis aus, so dass ersatzweise das zuständige Oberlandesgericht Köln über eine Befreiung von der Beibringung des Papiers entscheiden muss.

Zu den zu prüfenden Aspekten der Fähigkeit, eine Ehe- beziehungsweise eingetragene Partnerschaft eingehen zu können, gehört unter anderem die Frage nach elterlicher Sorge oder gerichtlich bestellter Betreuung. Der Familienstand muss exakt angegeben werden (ledig, geschieden, Ehe aufgehoben, verwitwet oder Lebenspartnerschaft aufgehoben). Auch wirtschaftliche Hintergründe gilt es zu berücksichtigen, so etwa, ob jemand einen Abkömmling hat, mit dem er in fortgesetzter Gütergemeinschaft lebt. Etwaige Verwandtschaften gilt es zu prüfen. Ein Kapitel für sich ist die Frage der Namensführung in der Ehe.

Nicht immer können beide Anwärter auf eine Eheschließung aus Termingründen beim Amt vorstellig werden, um die Eheschließung anzumelden. Hier wird dann eine Bevollmächtigung notwendig. Im Baesweiler Standesamt wird ein persönliches Gespräch angeboten. „Das dient dazu, dass ich von beiden einen Eindruck bekomme und auf Wünsche eingehen kann, was ich bei der Trauzeremonie sagen soll, damit das Ganze einen persönlichen Charakter bekommt“, sagt Küppers. Bisweilen sind die Vorstellungen sehr konkret, werden auch Schreiben oder Notizen abgegeben. Oft gilt es zu erwähnen, wie man sich überhaupt kennengelernt hat, wie der entscheidende Antrag gestellt worden ist. Manchmal wird ein Gedicht vorgetragen. „Es ist schon erstaunlich, wie viel Mühe sich gerade Männer machen, die entscheidende Frage zu stellen“, sagt Küppers, will aber aus Gründen der Diskretion nicht auf Beispiele eingehen. Manche lassen sich Zeit, um der standesamtlichen die kirchliche Trauung folgen zu lassen, wollen zweimal schön feiern können. Andere wiederum ziehen das an einem Tag hintereinander durch. Eine dritte Gruppe verzichtet auf Gottes Segen.

Etwas nachgelassen hat Küppers Erfahrung nach die Bevorzugung spezieller Datumskonfigurationen. Abweichend davon war wohl der 12.12.2012. „Da haben so viele heiraten wollen, dass auch Bürgermeister Dr. Willi Linkens und Ordnungsamtsleiter Pierre Froesch einspringen mussten.“

In der Regel werden Trauungen im Sitzungssaal des Baesweiler Rathauses vorgenommen, das auch als Trauzimmer dient. Es gibt also genügend Platz für Paar, Trauzeugen, begleitende Angehörige, Verwandte, Freunde, Bekannte und Kollegen. „Wir legen die Termine so, dass die Hochzeitsgesellschaften vor Ort noch etwas Zeit haben und sich nicht begegnen“, sagt sie. Es darf natürlich vor Ort gratuliert und schon mal angestoßen werden. Bei schönem Wetter nicht selten vor dem Rathaus. Nicht gerne gesehen werden Konfetti-Duschen und Reis-Schleudern. Die Reste muss der Hausmeister mühsam aufsammeln. Auf Wunsch wird das Jawort auch in der Burg abgenommen. In Ausnahmefällen kommt die Standesbeamtin aber auch ins Haus, bei Nottrauungen oder für Bettlägerige. „Ich darf aber nur an dem Ort trauen, an dem ich auch bestellt bin“, sagt Küppers. Mal eben in das Krankenhaus im Umfeld fahren, das geht nicht. Dann ist das Standesamt der Standortkommune zuständig. Einige wählen auch eine sogenannte „freie Trauung“. Nach der standesamtlichen folgt an einem frei gewählten Ort eine individuelle Feier, bei der ein Trauredner agiert. Dass Heiratswillige kurz vor Toresschluss doch noch kalte Füße bekommen und ersatzlos absagen, hat Küppers noch nicht erlebt, wohl aber Verschiebungen aufgrund von Krankheit oder Todesfällen in der Verwandtschaft.

Vor der Tür wartet bereits das nächste (vielleicht angehende) junge Paar, das mit der Standesbeamtin Antonia Küppers sprechen möchte. Und die beiden sehen schon jetzt sehr glücklich aus.