Baesweiler: Baesweiler bleibt beim Sperrmüll sperrig: Online-Angebot verweigert

Baesweiler: Baesweiler bleibt beim Sperrmüll sperrig: Online-Angebot verweigert

Der Weg an den Straßenrand führt in Baesweiler nicht über das Internet. Wer seinen Sperrmüll vors Haus stellen will, der muss zuvor eine Karte ausfüllen, eine Briefmarke aufkleben und sie absenden. Ganz klassisch, auf die altmodische Art.

Online einen Termin beantragen, wie es längst in allen übrigen Kommunen möglich ist, in denen die Regioentsorgung die Abfuhren erledigt? Nicht in der Löwenstadt! Und das wohl auch nicht in absehbarer Zeit.

Im jüngsten Umwelt- und Verkehrsausschuss hat Stephanie Pfeifer, Sprecherin der Regioentsorgung, neben einem allgemeinen Blick auf die Entwicklung von Abfuhrzahlen einen besonderen auf das Thema Sperrmüll gelenkt. Und was das betrifft, ist Baesweiler noch nicht so wirklich fortschrittlich. Dort hält man an einer Art Gutscheinsystem fest. Mit dem Gebührenbescheid erhält jeder Hausbesitzer eine nummerierte Postkarte, mit der er einmal im Jahr eine kostenlose Abfuhr seines Sperrmülls beantragen kann.

Besitzer von Mehrfamilienhäusern erhalten je nach Anzahl der Wohnungen die entsprechende Menge Karten, die sie dann an die Mieter weitergeben. Ein System, das funktioniert. Auf Papier. Doch sobald jeder Mieter selbst online eine Abfuhr beantragen könnte, würde es schwierig. Denn die einzelnen Namen sind bei der Regioentsorgung nicht erfasst. Das derzeitige EDV-System des Unternehmens und die Baesweiler Gutschein-Lösung — sie sind einfach nicht kompatibel.

„In ein, zwei Jahren werden wir ohnehin unsere Software umstellen“, sagt Stephanie Pfeifer auf Nachfrage unserer Zeitung. Dann könne man wohl auch eine Lösung für Baesweiler finden, damit dort Online-Anmeldungen möglich werden. Gefragt sind die aber schon jetzt. Pfeifer: „Viele Bürger haben das Bedürfnis, online anzumelden.“ Siehe etwa Herzogenrath, wo man zwar auch noch per Karte melden kann, das aber kaum einer tut. Im vergangenen Jahr standen dort 355 Meldungen auf Papier 2972 Online-Anträge gegenüber.

Eine mögliche — kurzfristig umsetzbare — Lösung: Das Limit aufheben und Abfuhren kostenlos so oft ermöglichen, wie die Bürger das wünschen. So geschieht es in Alsdorf und auch in Herzogenrath und Würselen, wo zusätzlich auf den Wertstoffhöfen eine Annahme von Sperrmüll möglich ist. Unproblematisch ist das jedoch nicht, oder, wie Stephanie Pfeifer formuliert: „ein zweischneidiges Schwert“. Einerseits hoffen die Kommunen, die die Begrenzung aufgehoben haben, darauf, dass so weniger Sperrgut als wilder Müll am Straßenrand landet. „Da gibt es auch gute Erfahrungen.“ Andererseits kann es Neid schüren.

Pfeifer: „Es gibt sicher Menschen, die es nicht einsehen werden, dass der Nachbar sich häufig günstige Möbel kauft und die alten ständig im Sperrmüll entsorgt.“ Denn die erhöhte Zahl der Abfuhren schlägt sich letztlich in den Abfallgebühren nieder, die auf alle Einwohner umgelegt werden. Diesen Weg scheint man in Baesweiler nicht gehen zu wollen. Begrenzung: ja — aber online bitte auch. Also: eher warten. Oder vielleicht auch nicht, denn womöglich gibt es noch eine Alternative. Derzeit ist auf dem Recyclinghof zwar in Sachen Sperrmüll zwar nur die Annahme von Elektroschrott möglich, aber das muss nicht so bleiben. „Wir könnten die Planung eines Umbaus in unseren Wirtschaftsplan einstellen.“ Denn für den Sperrmüll muss mehr Raum her.

Anbaufläche gibt es an dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück aber nicht, auf dem derzeit vor allem Grünschnitt landet. Stephanie Pfeifer schwebt vor, stattdessen in die Höhe zu planen. Mit Abwurframpen und höheren Containern ließe sich mehr Raum gewinnen — ähnlich wie auf der großen Deponie in Warden.

Rechnen kann sich eine Investition in die bauliche Aufwertung des Recyclinghofs durchaus. Denn dort kann der Sperrmüll sehr viel feiner in seine Bestandteile „zerlegt“ werden. Am Straßenrand wird bloß nach Sperrmüll und Holz getrennt. Mehr ist logistisch weder mit Blick auf die Fahrzeuge noch auf das Personal drin. Pro Tonne Sperrmüll müssen für die Entsorgung 177,92 Euro kalkuliert werden, pro Tonne Holz sind es 19,45 Euro. Wird der Sperrmüllanteil auf einem Recycling- oder Wertstoffhof genauer getrennt, reduzieren sich die Kosten. So fallen für Hartplastik nur 29,75 Euro pro Tonne an, für Flachglas sind es 41,65 Euro und für Metall gibt es sogar Geld: rund 180 Euro pro Tonne sind es derzeit.

Den grundsätzlichen Wunsch, eine Aufwertung des Recyclinghofs zu prüfen, nahm Stephanie Pfeifer aus dem Ausschuss mit. Ebenso die Bitte, die Öffnungszeiten zu überdenken. Derzeit ist die Abgabestelle dienstags, donnerstags, freitags und samstags geöffnet. Statt des Dienstags oder des Donnerstags sollte der Montag zum Öffnungstag werden, zeigten sich die Fraktionen einig. Damit Grünschnitt vom Wochenende zeitnah entsorgt werden kann. Diese Möglichkeit sollte sich einrichten lassen — schließlich führt der Weg nicht übers Internet.

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