Baesweiler: „Baby Montesson“ und die Partnerschaft Baesweiler-Montesson feiern 25.

Baesweiler: „Baby Montesson“ und die Partnerschaft Baesweiler-Montesson feiern 25.

Die Partnerschaftsurkunde war kaum ein paar Stunden unterzeichnet, die Feierlaune riesengroß. Als vor 25 Jahren Baesweilers Freundschaft mit Montesson auch auf französischer Seite besiegelt worden war, ist unser Mitarbeiter Sigi Malinowski — wie so oft — ganz dicht dran am Geschehen gewesen.

Bloß konnte er nicht so lange in Frankreich bleiben, wie gedacht. Denn seine Anna Julia wollte fünf Wochen zu früh auf die Welt. Und wurde so zum „Baby Montesson“.

Für Papa Sigi begann recht unverhofft eine ziemlich wilde Rückfahrt. „Die Mutter meiner damaligen Lebensgefährtin hatte bei meiner Gastfamilie angerufen: ‚Kannst du kommen? Es geht jetzt schon los!‘“ Wehe, wenn die Wehe kommt — und der werdende Vater 450 Kilometer weit weg ist. Was Hilfsbereitschaft bedeutet, hat Sigi Malinowski seinerzeit erfahren. Denn er war nicht selbst mit dem Wagen angereist, sondern wie die meisten der gut 300-köpfigen Delegation aus Baesweiler mit dem Reisebus gekommen. Und der sollte erst ein paar Tage später wieder fahren.

Glück für ihn, dass Bernard Massiot, bei dem er Quartier bezogen hatte, sofort anbot: „Komm, ich fahr‘ dich nach Deutschland!“ Und zwar mit Vollgas! Die Distanz, die in normalem Tempo in etwa vier Stunden zu schaffen ist, bretterte das Duo im Renault in knapp drei Stunden runter. „Kann sein, dass da ein wenig Rotwein mit im Spiel war“, sagt Sigi Malinowski heute — schließlich habe man seinerzeit ein paar Flaschen auf die Partnerschaft geleert. . .

Jedenfalls kamen sie heil am Aachener Klinikum an — und es sollte noch ein paar Stunden dauern, bis die Tochter dann tatsächlich da war. So lange wartete der Fahrer aber nicht. Er schüttelte die Hand zum Abschied — und düste gleich wieder zurück. Au revoir? Das gab es nicht. „Ich habe ihn leider nie wiedergesehen“, sagt Sigi Malinowski. Ein paar Briefe gab es anfänglich zwar, aber irgendwann ist der Kontakt dann eingeschlafen. Bis heute war er nicht mehr in der Partnerstadt.

Das „Baby Montesson“ — wie Anna Julia Hauser seinerzeit in der Zeitung „getauft“ wurde — war auch noch nicht dort. Das will sie nachholen. Nur wenige Stunden jünger zu sein als die Unterschrift unter dem Partnerschaftsvertrag — das begleitet sie immerhin schon ihr Leben lang. Immer wieder mal erinnert sich in Baesweiler einer an die Geschichte vom „Baby Montesson“ — und als seinerzeit der „Place de Montesson“ eingeweiht wurde, war das nicht mehr ganz so kleine „Baby“ Ehrengast.

„Ich will gern mal in diese Stadt“, sagt Anna, deren Lehramtsstudium in Gießen so langsam auf die Zielgarde einbiegt. Am Gymnasium will unterrichten. Allerdings nicht Französisch — selbst wenn ihr das in die Wiege gelegt wurde.

Am vergangenen Wochenende — als Anna in Baesweiler Geburtstag feierte — knallten auch in Montesson wieder die Korken. Gut 60 Besucher aus Baesweiler feierten dort das Jubiläum beim Carmenfest in der Stadt. Denn die Partnerschaft ist bis heute quicklebendig geblieben.

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