Alsdorf: Autorin will das Leben Blinder hautnah vorstellen

Alsdorf: Autorin will das Leben Blinder hautnah vorstellen

Was alles auf sie zukommen wird, weiß Sabine Scheithauer nicht. Das war schon bei „Schweigeschluss“ so, dem ersten Buch der Alsdorfer Autorin. In dem hatte sie Geschichten veröffentlicht, die andere Menschen ihr geschickt hatten. Fantasien und Sehnsüchte, Lebensbeichten und intime Geständnisse — all solche Dinge. Nun plant sie ein Buch, das ebenfalls Einsendungen von anderen bündeln soll.

Doch diesmal nur von Menschen, die entweder sehbehindert oder blind sind. „Ich will zeigen, wie diese Menschen leben, wie sie fühlen“, sagt sie.

Eine andere Welt zeigen

Beim zweiten Buch arbeitet sie nicht allein. Im Frankfurter Verein „Lesen & Kultur für alle“ hat sie einen Kooperationspartner gefunden. Oder besser: Dessen Vorsitzende Felicitas Göbel hatte nach der Lektüre von „Schweigeschluss“ die Alsdorferin kontaktiert. „Sie fand die Idee gut, durch so ein Buch Menschen gleichsam zum Schreiben und zum Lesen zu bringen — eben Kultur für alle zu machen“.

Und warum sollen es diesmal Blinde sein? Scheithauer: „Weil wir das Leben in einer Welt vorstellen wollen, die die wenigsten Menschen wirklich kennen.“ Wie erleben blinde Menschen ihre Umwelt wie finden sie sich in ihr zurecht? Was haben sie in ihrem Leben erreicht, wovon träumen sie?

All das soll vorgestellt werden - vorausgesetzt, sie kann Menschen dazu ermuntern, solche Dinge aufzuschreiben. Sie ist zuversichtlich, dass das klappt. „Das ist doch eine gute Gelegenheit, zu zeigen, was man trotz eines Handicaps auf die Beine stellen kann.“

In Blindenschrift soll das Buch zunächst nicht erscheinen, denn vor allem Sehende sollen ja in diese „andere Welt“ eintauchen. Ein Hörbuch schwebt Sabine Scheithauer allerdings vor — und das soll von Menschen eingesprochen werden, die selbst blind sind. Im Grunde plant die Alsdorferin nicht nur ein Buch.

Wenn genug Material zusammenkommt, soll es ein Kinderbuch mit Geschichten von Kindern bis zwölf Jahren geben, ein Jugendbuch für die bis zu 18-Jährigen und eines für Erwachsene. „Hinter meinem Augenlicht“ soll die Reihe heißen.

Auf das Ergebnis gespannt

Auch im Internet und bei Blindenvereinen und -organisationen will sie fleißig für das Schreiben werben, auch durch den Frankfurter Verein könnte sich die Reichweite erhöhen. „Ich bin gespannt, was diesmal zusammenkommt“, sagt sie.

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