Herzogenrath: Ausstellung „Scales“ zeigt Natur und Kunst im fließenden Übergang

Herzogenrath : Ausstellung „Scales“ zeigt Natur und Kunst im fließenden Übergang

„Die Entwicklung einer Form schafft immer neue Möglichkeiten“, sagt Odine Lang. Die Künstlerin zeigt seit dem Wochenende ihre Ausstellung „Scales“ im Forum für Kunst und Kultur Herzogenrath im Eurode-Bahnhof. Schon im Eingangsbereich verblüfft ein Exponat die Besucher: Es ist ein Guckkasten, der den Blick auf ein Pilzgeflecht zeigt.

Die Aachenerin Odine Lang, die ihr Atelier in Kohlscheid hat, holt sich ihre Inspiration aus der Natur, beschäftigt sich mit allen lebenden Strukturen. Eine wissenschaftliche Ausbildung hat die Künstlerin nicht, obwohl sie sich mit den zoologischen Begrifflichkeiten und den lateinischen Bezeichnungen perfekt auskennt.

Von frühester Kindheit an begeistert sie sich für die Natur und für das Zeichnen. Geschickt spielt sie mit den lateinischen Namen der Flora und Fauna, was den Werken einem authentischen Charakter verleiht. Der Übergang zwischen Natur und Kunst, zwischen Artefakt und Fundstück aus der Natur ist oft fließend.

Im großen Saal zeigt sich eine überdimensionale Blattzelle. Gipsobjekte imitieren den Blütenstaub. Die titelgebenden Werke der Reihe „Scales“ sind 64 Drahtobjekte, die Schmetterlingsflügelschuppen nachahmen. „Betrachtet man diese unter der Lupe, ergeben sich fantastische, vielfältige Formen“, erklärt die Künstlerin. Sie hat schon in Kinderzeiten ein eigenes Herbarium, eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen angefangen, als sie begann zeichnerisch die Flora und Fauna zu erfassen.

Das Bauprinzip und die Konstruktionsformen von Pflanzen und Kleinstlebewesen faszinieren sie bis heute und regen sie zu meisterhaften und vor allem außergewöhnlichen Kunstwerken an. Papierschnitte aus handgeschöpftem Papier mit Kaffee und Schellack überzogen wirken auf den Betrachter wie echte, getrocknete Blätter.

Im kleinen Saal ist das überdimensionale Modell einer Lindenblüte der Hingucker. Die einzigen gerahmten Arbeiten sind die Werke unter dem Obertitel „Hermit“. „Wie Einsiedlerkrebse und anderes kleines Getier muten diese frei erfundenen Wesen aus Linol und echten Fundstücken aus der Natur an“, erklärt Odine Lang.

Wie der Aachener Kunstkritiker Dr. Dirk Tölke erklärt, schafft Odine Lang durch genaue Beobachtung von Naturprodukten lebendige Werke. Die Ästhetik der Formwelten schärfe den Blick der Betrachter und lasse Analogien zwischen den Bauprinzipien von Pflanzen, Insekten und anderen Tieren zu. In seiner Einführung zur Vernissage ging Dr. Gunter Schaible von der IHK Aachen auf die vielfältigen Erfolge von Odine Lang ein.

Die Liste der Auszeichnungen der 1972 in Göttingen geborenen Künstlerin ist lang. Sie studierte Grafik-Design in Hannover sowie Kunst und Design in Braunschweig, hatte verschiedene Lehraufträge. Bis nach Kuba stellte sie ihre Arbeiten bereits aus.

Grafik, Objekte und Installationen sind bis 17. Februar 2018 zu sehen. Die Ausstellung ist dienstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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