Baesweiler: Ausstellung in der Abtei Rolduc: Augen gewähren Blick hinter die Kulissen

Baesweiler: Ausstellung in der Abtei Rolduc: Augen gewähren Blick hinter die Kulissen

Kunst duldet keinen Stillstand. Sie lebt von der kreativen Entwicklung eines jeden Künstlers und der Ausformung des ureigenen Stils. Dies zeigt sich in den neuen großflächigen Bildern der Baesweiler Künstlerin Dr. Magda Imm.

Nach wie vor sind es Frauengesichter, die sie faszinieren. Doch malt sie diese mittlerweile sehr viel großflächiger als vorher. Maße wie 1,50 mal 1,20 Meter sind da nicht ungewöhnlich. Öl- und Acrylfarben verleihen den Gesichtern einen besonders intensiven Ausdruck.

Am liebsten benutze sie Acryl, verrät die Künstlerin. „Ich bin ungeduldig“, gibt sie zu. „Acryl kommt mir da sehr entgegen. Denn es trocknet schneller als Ölfarbe.“ Als Betrachter fühlt man sich magisch angezogen von ihren Bildern. Nicht umsonst heißt die neue Ausstellung mit Kunstwerken von Magda Imm in der Abtei Rolduc im niederländischen Kerkrade „Emotion“. In Frauengesichtern lassen sich Emotionen erkennen. Jedes Gesicht drückt etwas anderes aus: Melancholie, Sehnsucht, Vertrautheit, Traurigkeit, Enttäuschung, Ausgeglichenheit etwa. Magda Imm ist fasziniert von dieser Vielfalt. Warum sie keine Männergesichter malt? „Sie sind einfach nicht so ausdrucksstark“, sagt sie. „Im Gegensatz zu Frauen lassen die meisten Männer Emotionen nämlich nicht zu.“ „Pokerface?“ „Ja, eine Beschreibung, die den Nagel zuweilen auf den Kopf trifft“, lacht Magda Imm. „Dies gilt aber auch zuweilen für Frauengesichter, in denen sich kaum Emotionen widerspiegeln.“

Schon als Mädchen gemalt

Dies sei eine Erscheinung der heutigen Zeit. „Alles muss perfekt sein, Schwächen und Emotionen zu zeigen, gilt als unprofessionell.“ Eine Folgeerscheinung der vermeintlichen Spaßgesellschaft, die Menschen vorgaukelt, alles sei „super easy“. Doch Augen gewähren einen Blick hinter die Fassade. Sie können Geschichten erzählen. Magda Imm erinnert in diesem Zusammenhang an den kürzlich verstorbenen britischen Astrophysiker Stephen Hawking. „Er kommunizierte mit den Augen. Darin lag eine Emotion, die zu Tränen rühren konnte“, sagt sie.

Die Baesweilerin malt, seit sie als kleines Mädchen — damals noch in Rumänien — Stifte geschenkt bekam. „Kunst gehörte bei uns dazu, solange ich mich zurück erinnern kann“, sagt sie. Schon ihre Großmutter und Mutter malten mit Leidenschaft, Magda Imms Tochter Katrin ebenfalls: ein Familienerbe eben. „Mit nur wenigen Strichen lässt sich vieles ausdrücken. Deshalb sind Bilder immer auch beseelt“, sagt die Künstlerin. Es sei wichtig, Kindern von klein auf bei der Entfaltung ihrer künstlerischen Gestaltungsfähigkeiten zu unterstützen. „Dazu gehört auch das Vermitteln von Kunstgeschichte. Dies ist notwendig, wenn man Bilder und die Entwicklung des Künstlers verstehen will“, erklärt Magda Imm. Jedes Kind habe Kapazitäten. Wichtig sei, dass es Erfahrungen machen dürfe, ohne dafür bewertet zu werden. Dass es gute Arbeitsmaterialien an die Hand bekommt, dass Eltern Museumsbesuche ermöglichen. Interesse lässt sich sehr früh wecken“, sagt die Künstlerin. Natürlich würde sie es begrüßen, wenn auch Eltern mit Kindern ihre Ausstellung besuchen — idealerweise auch Schüler im Rahmen des Kunstunterrichtes.

Die Einführung in die vom „Kunsthaus 15“ präsentierte Ausstellung in der Abtei Rolduc übernimmt bei der Vernissage am Samstag, 14. April, die Aachener Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges. „Es sind starke, selbstbewusste Frauen, die dem Betrachter entgegenblicken“, sagt sie. „Magda Imm nutzt einen unendlichen Form- und Farbreichtum, um das große Spektrum der Darstellungsmöglichkeiten von Emotionen durchzuspielen.“

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