Würselen: Ausstellung im Rathaus: Berichte über die Flucht machen betroffen

Würselen: Ausstellung im Rathaus: Berichte über die Flucht machen betroffen

Diese Ausstellung geht unter die Haut: „Zwischen den Fronten. Frauen auf der Flucht von und nach Europa“, ist bis Montag, 21. November, im Foyer des Rathauses zu sehen. Dabei zeigen 15 großformatige Plakate die Geschichte und Geschichten von Frauen und Mädchen zwischen den Fronten.

„Flucht ist kein neues Phänomen. Tatsächlich begegnen uns Flucht und Vertreibung als globales historisches Phänomen seit Beginn der Menschheitsgeschichte“, sagte Silke Tamm-Kanj, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen, die gemeinsam mit dem Förderverein Asyl Würselen die Ausstellung in die Düvelstadt geholt hat.

„Zwischen den Fronten befinden sich Frauen und Mädchen. Die Fronten sind oft unsichtbar. Ihre Fluchtgründe, wie ihre Situation, sind vielschichtig. Frauen fliehen wegen Unterdrückung und Verfolgung aus politischen und religiösen Gründen. Aber auch Genitalverstümmelung oder Vergewaltigungen sind weitere Gründe, die Frauen zur Flucht zwingen“, sagte Silke Tamm-Kanj, die auf die Angst, den ständigen Begleiter von Frauen auf der Flucht verwies. „Angst vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, Hunger und Krankheit, dem Verlust von Angehörigen und einer ungewissen Zukunft.“

Als Zeitzeugen waren Gisela Voigt und Mevlida Bradaric gekommen. Gisela Voigt erzählte von ihrer Angst im 2. Weltkrieg, als die Russen sie aus ihrem Geburtsort östlich der Oder mitnahmen. „Mein Vater konnte den Bauern zu Hand gehen, deshalb ging es uns gut“, erzählte die 76-Jährige, die über ihren Neuanfang in Deutschland sprach. „Wir hatten gar keine Schwierigkeiten mit der Integration in Würselen“, erklärte Gisela Voigt mit einem Lächeln auf den Lippen. Gelächelt hat auch Mevlida Bradaric, die 1992 aus ihrer Heimat wegen des Balkankrieges mit ihren drei Kindern flüchtete.

„Als wir hörten, dass ein Bus nach München fährt, brachte mein Mann mich und die Kinder, 9 Jahre, 7 Jahre und 6 Monate, zum Bus, damit wir in Sicherheit sind. Er blieb zurück.“ In diesem Moment stockte ihre Erzählung und nicht nur ihre Augen füllten sich mit Tränen. Jedem Zuhörer blieb die Angst der Flucht nicht verborgen. Von dieser Angst ist in der Ausstellung, die Annelene Adolphs, Geschäftsführerin des Europavereins mit Sitz in Eschweiler, entwickelt hat, immer wieder zu lesen, denn „Zwischen den Fronten“ greift die Schicksale von Frauen und Mädchen auf. Dabei ordnet die Ausstellung die Themenkreise zunächst dem historischen Kontext seit der Antike zu, in den die einzelnen Frauenschicksale eingebunden sind. Bis zum 21. Jahrhundert schlägt die Ausstellung „Zwischen den Fronten“ den Kreis.

(ny)