Baesweiler: Ausgrabungsarbeiten: Bau der L 50n ist ins Stocken geraten

Baesweiler : Ausgrabungsarbeiten: Bau der L 50n ist ins Stocken geraten

Geht’s endlich weiter? Die Stadt Baesweiler und mit ihr vor allem die Einwohner Setterichs warten auf die Fortsetzung der Bauarbeiten der Umgehungsstraße L 50n. Nachdem am 17. März des vergangenen Jahres der Spatenstich erfolgt war, ist zumindest ein Brückenbauwerk (Überführung des Wirtschaftsweges Raiffeisenstraße) in Teilen mitten im Feld hochgezogen worden.

Die Straße — Bauherr ist der Landesbetrieb Straßen.NRW — wird seit vielen Jahren gerade in Baesweiler herbeigesehnt — und das aus mehreren Gründen. Sie soll als Ortsumgehung des Stadtteiles Setterich genutzt werden und wurde erstmals im Flächennutzungsplan Baesweilers 1974 — also vor 44 Jahren — erwähnt. Nach einer Umweltverträglichkeitsstudie erfolgte die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 2005. Seit 2008 liegt, so nennt das der Landesbetrieb, „bestandskräftiges Baurecht“ vor. Der Neubau dieses 2,07 Kilometer langen Streckenabschnittes führt von Baesweiler-Setterich bis Aldenhoven-Siersdorf.

Bauerlaubnis nicht komplett

Ernst Gombert, Diplomingenieur bei Straßen NRW, sagt: „Durch den Bau dieser Straße, als Ortsumgehung Setterichs gedacht, werden Setterichs innerörtliche Straßen entlastet und wird die Verkehrsqualität im Netz verbessert.“ Als Fortsetzung der L 225 soll die Umgehung „ein wichtiger Autobahnzubringer zur A 44 sein, der die Oberzentren Aachen und Mönchengladbach verbindet“.

Die Strecke wird mit einem Kreisverkehr nahe der jetzt noch mit Ampelanlage ausgestatteten Kreuzung Haupt-/Aachener-Straße/Adenauerring begonnen. Zum Schutz der vorhandenen Wohnbebauung am Adenauerring soll entlang der L 50n eine Lärmschutzwand errichtet werden. Diese Wand soll 322 Meter lang und vier Meter hoch sein und wird nach den bisherigen Planungen mit einer Fußgänger- und Radfahrschleuse ausgestattet. Die Umgehung endet der an der in der Nähe Siersdorf gelegenen L 50/Schmiedstraße (in Höhe des ehemaligen Kraftwerks), die in der Verlängerung zur A 44 führt.

Warum der Fortgang der Arbeiten seit dem Spatenstich ins Stocken geriet, begründet Projektleiter Gombert: „Die Brücke liegt, salopp formuliert, in den letzten Zügen. Aber auf einer Fläche in der Nähe des Adenauerringes wurden Teile einer ehemaligen Römerstraße gefunden.“ Diese Ausgrabungsarbeiten müssten zunächst „abgeschlossen werden, damit wir weitermachen können“. Der nächste Schritt dort ist die Einebnung des Geländes, bis der Straßenbau übernehmen kann.

Recht schwierig gestalten sich indes noch nicht abgeschlossene Eigentumsverhandlungen. „Wir müssen noch in einigen Bereichen die Bauerlaubnis einholen“, sagt Gombert und räumt ein, dass die Verhandlungen zum Teil „schwierig sind“. Geht es doch schließlich auch um Entschädigungsforderungen für die Eigentümer.

Zuversichtlich ist Gombert, dass mit „dem Bau des Kreisverkehrs sowie mit der ganzen Strecke Mitte diesen Jahres begonnen werden kann“. Wo die Unternehmen — die Maßnahme unterliegt komplett einer Ausschreibung — mit den Straßenarbeiten beginnen, liegt nach Aussage des Diplomingenieurs „im Ermessen der einzelnen Firmen. Deshalb können wir das noch nicht so genau sagen“. Aber feste Vorstellungen hat der Fachmann, wann das erste Auto offiziell den Straßenabschnitt befahren darf: „Mitte 2019. Und das wäre dann ein tolles Ergebnis.“

Wie gehen Betroffene Anwohner mit der bisherigen Maßnahme um, für die das Land NRW fünf Millionen Euro veranschlagt hat? „Wenn man sieht, was hier im Zentrum, vor allem über die Hauptstraße immer noch so durchfährt, kann man froh sein, dass es endlich da drüben weitergeht“, erkennt Rentner Franz Schmitz Fortschritte. „Es war ja mal so, dass der Adenauerring als Umgehungsstraße gedacht war und als solche auch gebaut wurde.“ Diese Funktion habe sich aber längst durch rege Neuansiedlungen von selbst überholt.

Entlastung für die Anwohner des Adenauerrings kann sich Walter Kassmannshuber (68) „gut vorstellen“. Der Alsdorfer mit Verwandtschaft im Settericher Klostergarten gibt aber andererseits zu bedenken, „hoffentlich kommt nicht zu viel an Lärm von der neuen Straße rüber, wenn die mal richtig in Betrieb ist“.

Landwirt Willi Schumacher wird mit seinem Betrieb und einem angrenzenden Wohnhaus sehr nahe an der L 50n liegen. Schumacher — er betreibt Ackerbau und hält einen Wirtschaftsbetrieb für Milchvieh — ist nicht gut auf den Bauherrn zu sprechen. „Ich bin von den Verantwortlichen des Betriebes Straßen NRW doch sehr enttäuscht.“ Ihm stößt vor allem auf: „Wir müssen weiterhin um unsere Ersatzflächen kämpfen, die bis heute noch nicht komplett ausgewiesen sind“.

Der 48-Jährige moniert: „Vor einem Jahr wurde mit den Bauarbeiten begonnen, aber die Flurbereinigung ist immer noch nicht vorgenommen worden“. Er hätte sich gewünscht, „dass wir fairer behandelt worden wären“. Er fügt als Betreiber des nächstgelegenen Hofes der L 50n ein wenig verbittert an, „mehr Unterstützung für uns Anwohner wäre sehr hilfreich gewesen. Ich habe auch in den Gesprächen mehr Freundlichkeit vermisst“.

Nun hoffen Schumacher und auch andere Landwirte des Bereiches, dass man endlich Angebote bekommt „und wir nicht mehr um unsere Ersatzflächen kämpfen müssen“. Willi Schumacher unterstreicht aber auch: „Der Stadt Baesweiler kann man dafür keine Vorwürfe machen. Ich sehe auch, dass sie sich sehr lange für die Realisierung dieser Straße eingesetzt hat, aber für die jetzigen Probleme nichts kann.“

(mas)
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