Würselen: Aus für Restaurant im Rathaus Würselen am Morlaixplatz

Würselen : Aus für Restaurant im Rathaus Würselen am Morlaixplatz

Das Ende kommt plötzlich: Das Rathaus-Restaurant „Zitadelle“ am Würselener Morlaixplatz muss zum 31. Juli schließen. Auf Vorschlag der Verwaltung hat der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen, die Option auf Kündigung des Pachtvertrags innerhalb von drei Monaten zu ziehen.

So muss der Pächter den Betrieb, der im Erdgeschoss des Rathauskomplexes untergebracht ist, mit dem 31. Juli einstellen, wie Bürgermeister Arno Nelles auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte. „Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, zumal die Pächterfamilie dort jahrelang sehr gute Arbeit geleistet hat“, bedankt sich Nelles ausdrücklich.

Er hofft, dass bis zur Schließung des Betriebs die Gäste dem Restaurant und dem Betreiber treu bleiben. Entschieden widerspricht er dem Eindruck, dass der Pachtvertrag mit Blick auf die wachsende gastronomische Konkurrenz in der Innenstadt zurückzuführen ist. „Es steht uns nicht zu, den Verlauf des Wettbewerbs zu beeinflussen“, sagte der Bürgermeister.

Auslöser für die Aufkündigung sei die in die Jahre gekommene funktionstechnische „Infrastruktur“. Elektrik und Brandschutz entsprechen nicht mehr den Vorgaben. Eine entsprechende Sanierung würde die Stadt eine „hohe sechsstellige Summe“ kosten. „Das würde das Geschäftsmodell Restaurant aber nicht abwerfen können“, verweist Nelles darauf, dass eine entsprechende Erhöhung der Pacht zur Refinanzierung (Zins und Tilgung) der Investition nicht erwirtschaftet werden könnte.

So wird der Betrieb ab 1. August ruhen. „Ansonsten laufen wir Gefahr, dass uns die Gewerbeaufsicht das Restaurant schließt.“ Klar sei, dass der Betrieb bis dahin noch läuft und erst dann überlegt wird, wie die Innenausstattung zurückgebaut wird. Sicher sei, dass dort nicht wieder ein Restaurant entstehen soll.

Es gibt laut Nelles verschiedene Optionen, diese Räume im Rathausgebäude anders zu nutzen. Am liebsten würde er die Flächen dazu nutzen, Teile der Verwaltung zu entflechten und neu aufzustellen. So könnten dort rund ums Einwohnermeldeamt bürgernahe Serviceleistungen zusammenfasst werden. Hier könnten unter anderem VHS-Büro, Behinderten- und Seniorenbeauftragte unterkommen.

Aus Sicht des Verwaltungschefs biete das Vorteile für Mitarbeiter wie Bürger. Der im Rathaus Ratsuchende könne auf schnelle Bedienung setzen, die Verwaltungskollegen in den Fachdiensten würden sich — im großen Umfang von Publikumsverkehr entlastet — besser auf komplexere Aufgaben konzentrieren. Sie würden nur bei Bedarf eingeschaltet. Nelles spricht von einem zweistufigen Bearbeitungsverfahren.

Laut Bürgermeister gebe es auch andere Überlegungen. Mit Blick auf die anstehende Sanierung des Kulturzentrums Altes Rathaus und des alten Bahnhofs und dem damit verbundenen hohen Bedarf, Einrichtungen anderweitig unterzubringen, könnte das ehemalige Restaurant als „Ausweichmöglichkeit“ genutzt werden. Allerdings sei dort kein Platz für einen großen Saal.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte der Vorsitzende der Kulturstiftung Würselen, Achim Großmann, dass es hier schon einen ersten Austausch gegeben habe. Für Kulturarchiv und Geschichtswerkstatt sei die zentrale Lage sehr gut. Voraussetzung sei allerdings eine „professionelle Lösung“ unter Berücksichtigung der Archivrichtlinien, die sicherlich nicht so einfach umzusetzen und zu finanzieren seien.

Aus Reihen der Politik war zu hören, dass dieses Konzept mit einem kleinen Bürgercafé gut abgerundet werden könnte.

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