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Alsdorf: Auffanggesellschaft soll Mitarbeiter qualifizieren

Alsdorf : Auffanggesellschaft soll Mitarbeiter qualifizieren

Die Produktion läuft weiter, doch die Stimmung in der Belegschaft sei „völlig am Boden”, berichtete Renesas-Betriebsratsvorsitzender Detlef Herpers am Mittwoch.

Mit Hochdruck werden die Gespräche über einen Sozialplan für die 520 Mitarbeiter der Hoengener Chipfabrik aufgenommen, die am 30. September geschlossen werden soll. Der Start der offiziellen Verhandlungen unter Mitwirkung der Gewerkschaft ist für nächste Woche terminiert.

Am Morgen saßen Betriebsrat und IGBCE gemeinsam am Tisch, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Was die Absicherung der Beschäftigten betrifft, die „echte Existenzängste” hätten, so Bezirksleiter Detlef Loosz, soll das Schwergewicht nicht unbedingt auf finanzielle Leistungen gelegt werden.

Vielmehr werde die Installierung einer „Auffanggesellschaft” geprüft, um „Perspektiven zu bieten”. Diese könnte Mitarbeiter bis zu zwei Jahre weiterbeschäftigten und qualifizieren, um sie fit zu machen für alternative Arbeitsplätze in anderen Unternehmen.

Erste Kontakte mit in Frage kommenden Einrichtungen wie der Aachener Beschäftigungsgesellschaft seien geknüpft, spricht Loosz von einem „gangbaren Weg”.

Dabei sollen auch die Agentur für Arbeit und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises eingebunden werden, so der Gewerkschafter weiter. Die Kosten für ein solches Hilfsprojekt müssten aus Mitteln des Sozialplans finanziert werden, so Loosz.

Kein Protest

An konkrete Protestmaßnahmen gegen die so urplötzlich verfügte Schließung werde derzeit nicht gedacht, bestätigten Loosz und Herpers. Dies sei im Augenblick „Blödsinn”, ergänzte der Gewerkschafter.

Falls es indes bei den Verhandlungen „hakt, muss man neu überlegen”. Loosz berichtete zudem von Firmen, die bereits eine Übernahme von Auszubildenden angeboten hätten.

Unter Federführung der Landesgesellschaft für Wirtschaftsförderung (GfW), die in Tokio über ein Büro verfügt, soll nach Angaben des SPD-Landtagsabgeordneten Hans Vorpeil eine Initiative der örtlichen Akteure „über alle Parteigrenzen hinweg” gestartet werden, um den japanischen Mutterkonzern „nach dem großen Vertrauensverlust wegen nicht eingehaltener Zusagen in die Pflicht zu nehmen und an seine Mitverantwortung für eine vernünftige Nachfolgenutzung der Immobilien zu erinnern”. Es dürfe nicht angehen, den Komplex „an den Meistbietenden” wegzugeben.

Die Forderungen von Loosz und Vorpeil werden von SPD-Stadtverbandschef Jürgen Neesen unterstützt, der von einer „Mindest-Wiedergutmachung” des Konzerns nach dem „Tiefschlag für die Stadt und die gesamte Region” spricht.