Würselen: Auffällige Jugendliche von der schiefen Bahn abbringen

Würselen: Auffällige Jugendliche von der schiefen Bahn abbringen

„Wir sind auf dem richtigen Weg!“ ermutigte die Sprecherin der SPD-Fraktion, Eva-Maria Voigt-Küppers (MdL), in der konstituierenden Sitzung des Jugendhilfeausschusses das Jugendamt, die präventive Arbeit fortzuführen, um junge Menschen vor der schiefen Bahn zu bewahren oder sie davon abzubringen.

Erfreut zeigte sie sich, dass die Anzahl der Beschuldigten in 2013 auf das Niveau von 2011 gesunken ist. „Wir werden auch künftig vorbeugend tätig sein“, versicherte der beratende Polizeibeamte Franz Schmitz. Es gebe Stellen in Würselen, wo noch mehr hingeguckt werden müsse, mahnte das beratende Mitglied Christian Hohmann an.

Jugendpfleger und Sachbearbeiter Hans Brings hatte den Tätigkeitsbericht der Jugendgerichtshilfe für das Jahr 2013 vorgelegt. Insgesamt wurde gegen 184 junge Menschen — 140 männlichen und 44 weiblichen Geschlechts — aus dem Stadtgebiet ermittelt. 153 von ihnen besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit, 19 von ihnen waren anderer Nationalität. Bei den weiteren zwölf wurde die Nationalität nicht bekannt.

Es wurden insgesamt 257 Ermittlungsverfahren angestrengt, in denen 303 Strafvorwürfe verhandelt wurden. Bei 55 wurde das Ermittlungsverfahren nach einer Mahnung eingestellt, 50 Verfahren nach Erledigung einer Auflage. 152 Ermittlungsverfahren wurden im Rahmen einer Hauptverhandlung abgehandelt. Bei den Verfahren, die im Rahmen einer Hauptverhandlung oder mit Auflagenerfüllung beendet wurden, wurde die Zahl der Verfahren, die durch die erfolgreiche Durchführung eines Täter-Opfer-Ausgleiches beendet wurden, mehr als verdoppelt.

Meistens Eigentumsdelikte

Bei insgesamt 303 Strafvorwürfen entfielen mehr als die Hälfte der Fälle (55,8 Prozent) auf Eigentumsdelikte. Es folgten mit 22,4 Prozent Delikte mit Körperverletzung. 12,6 Prozent der Strafvorwürfe beschäftigten sich mit Verkehrsstrafsachen. Die restlichen 9,2 Prozent der Strafvorwürfe waren im Bereich von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und sonstiger Delikte angesiedelt. Im Vergleich zu 2012 blieben die Strafvorwürfe im Bereich Eigentumsdelikte konstant, geringfügig nahmen sie im Bereich Körperverletzung zu. In den Bereichen Straßenverkehr und Betäubungsmittelgesetz war ein leichter Anstieg der Delikte zu vermerken. Brings‘ Fazit: „Somit ergeben sich keine nennenswerten Veränderungen zu den Vorjahren.“

Im Rahmen der Zusammenarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Jugendgerichtshilfe in der Städteregion Aachen bot das Jugendamt Würselen auch in 2013 ihrem Klientel wieder die Teilnahme an neun unterschiedlichen ambulanten Maßnahmen an. Ihre Inhalte richteten sich nach den individuellen Problemlagen der Klienten. Im Jahre 2013 belegten Klienten der Jugendgerichtshilfe der Stadt insgesamt 59 mal solche Maßnahmen.

Nicht nur in Bezug auf die Organisation der Täter-Opfer-Ausgleiche erwies sich der vom „Verein zur Förderung der Jugendhilfe Würselen“ verwaltete Opferfonds auch in 2013 wieder als hilfreich. Die zeitnahe Entschädigung der Opfer führt laut Brings dazu, den Rechtsfrieden wieder herzustellen und das Opferleid zu mindern. Aus dem Opferfonds wurden rund 1700 Euro in Form von Schmerzensgeldern und Wiedergutmachung von Schaden ausgezahlt. In Form eines Darlehens wurden die Zahlungen getätigt. Diese wurden überwiegend durch die Ableistung gemeinnütziger Arbeiten getilgt. Hierbei waren pro abgeleisteter Arbeitsstunde ein Tilgungsbetrag von fünf Euro veranschlagt. Hier wurden im vergangenen Jahr 89 Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet.

Die bereits gute Zusammenarbeit zwischen der Jugendgerichtshilfe der Stadt und dem Staatsanwalt vor Ort, Joachim Bolder, wurde erfolgreich fortgeführt.

Die Jugendgerichtshilfe Würselen beteiligte sich auch in 2013 an dem Projekt „Gelbe Karte“, den sogenannten Diversionstag. Diese Aktion hat zum Ziel, den Gesamtprozess des Strafverfahrens zu beschleunigen und die jungen Menschen in enger zeitlicher Nähe eine unmittelbarer Reaktion auf ihre Tat erfahren zu lassen.

Der Täter-Opfer-Ausgleich hat sich als sinnvolles Instrument der sozialen Konflikt-Aufarbeitungen zwischen Tätern und Opfern erwiesen. Eingebunden ist die Jugendgerichtshilfe in das Netzwerk „Jugendhilfe und Schule“. Entwickelt wurde von ihm ein Handlungskonzept bei Cybermobbing für Schulen und Jugendeinrichtungen. Beteiligt hat sich Würselen auch 2013 am Arbeitskreis „Klient Sexualstraftäter“.

(ehg)
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