Baesweiler/Heinsberg: Auf den Rübenfeldern der Region unterwegs

Baesweiler/Heinsberg: Auf den Rübenfeldern der Region unterwegs

Auf seinem roten Rübenroder ist er schon von Weitem auf dem Feld zu erkennen. Wie so viele andere Landwirte, ist auch er gerade mit der Ernte der Zuckerrüben beschäftigt. Achim von Ameln bewirtschaftet circa 80 Hektar Land in Puffendorf. Neben Zuckerrüben auch Winterweizen und Raps.

Nach der eher schlechten Getreideernte macht die diesjährige Proberodung noch Hoffnung auf eine Rekordernte bei den Zuckerrüben. Von Ameln sieht die Einbußen bei seiner Weizenernte aber eher gelassen: „Bei mir war es nicht so tragisch wie bei vielen anderen Bauern in Deutschland“, sagt er. Doch auch sein Winterweizen habe unter dem sehr trockenen letzten Jahr gelitten. Die Rüben hingegen hätten die Trockenheit überraschend gut überstanden und tiefer wurzeln können. Skeptisch bleibt er trotzdem. „Es sind noch vier Monate, bis die Ernte abgeschlossen ist, die Rüben müssen also die Witterung im Herbst noch überstehen und wenn der Regen, der bis jetzt gefehlt hat, noch kommt, sehen die Aussichten nicht mehr so rosig aus“, erklärt der Landwirt.

Diesmal ist er nicht auf seinem eigenen Feld unterwegs und auch nicht auf seiner eigenen Maschine. In einem Maschinenring hat er sich mit mehreren Landwirten in der Region zusammengeschlossen. Der Grund: Moderne Maschinen sind für einzelne Betriebe oft viel zu teuer. So können die vom Maschinenring gestellten Geräte gemeinsam genutzt werden, auch wenn das bedeutet, hin und wieder die Rüben eines anderen Landwirts auszuheben. Die Zuckerrüben, die er heute in Heinsberg rodet, werden bereits morgen zur Fabrik gebracht, wobei das Abholen ein anderes Team übernimmt.

Weil von Ameln in der Rübenkampagne erst später an der Reihe ist, hat er auf seinem eigenen Feld noch nicht angefangen zu roden „schließlich sollen die Rüben nicht zu lange liegen bleiben, das beeinträchtigt die Qualität“, sagt er. Bis Ende Januar werden die gesamten Rüben dann verarbeitet und verladen.

Dass er mal in der Landwirtschaft landen würde, hat für den 44-jährigen von Ameln eigentlich schon immer festgestanden. Es liegt quasi in seinen Genen. Die Geschichte seines Hofes geht bis zu seinen Großeltern zurück. Die wievielte Generation an Landwirten in seiner Familie von Ameln repräsentiert, weiß er nicht, da er kein Familienstammbuch besitzt. Er ist sich aber sicher, dass die Historie vermutlich noch über seine Urgroßeltern hinausgeht. Heute ist er der einzige aus seiner Familie, der noch Landwirtschaft betreibt.

Dennoch hat der Landwirt sich auch schon in einem anderen Bereich ausprobiert. Vor fünf Jahren kam ihm die Idee, Apps zu entwickeln. Eigentlich wollte er einfach nur das Programmieren, das er zuletzt in der Schule als Unterrichtsfach hatte, auffrischen. Geworden sind daraus zwei Apps für den landwirtschaftlichen Gebrauch, die mittlerweile beide im Apple-AppStore erhältlich sind. Zwei weitere seien gerade in Arbeit, im Moment fehle jedoch die Zeit sie fertigzustellen.

Heute will es mit der größeren Technik allerdings eher weniger klappen. „Mist. Die Maschine ist aus der Reihe gegangen“, sagt von Ameln verärgert und muss erneut ansetzen. Und auch die „Feldkontrolle“ bleibt ihm nicht erspart. Der Kollege, dem das Feld gehört, schaut kurz vorbei und beobachtet unauffällig, ob seine Rüben denn auch korrekt ausgehoben und abgeladen werden.

Sorgen bereitet dem Landwirt aus Baesweiler das Auslaufen der Europäischen Zuckermarktordnung. Ab dem 30. September unterliegt die europäische Zuckerrübenanbaumenge keiner Mengenbeschränkung mehr. Dadurch kann der endgültige Rübenpreis nur schwer abgeschätzt werden. Von Ameln geht aber von einem gleichbleibenden Niveau der produzierten Menge von Zuckerrüben aus. „Darüber hinaus bleibt nur zu hoffen, dass die Zuckerfabrik den Zucker zu einem guten Preis verkauft“, merkt er an.

„Man muss den Beruf schon mögen“, sagt er in Anspielung auf das Risiko, das die Landwirtschaft nun mal immer mit sich trägt. Die Kulturen müssen immer auf die Wetterlage ausgerichtet werden, wodurch die Erträge oft schwer abzuschätzen sind. Die Rübenkampagne der letzten Jahre habe aber immer ordentliche Resultate hervorgebracht. „Bis auf ein Jahr, in dem an Weihnachten 30 Zentimeter Schnee lagen“, erinnert er sich. Denn die Rübenernte läuft von September bis Dezember, Frost oder Schnee erschweren die Arbeit.

Trotz alledem liebt Achim von Ameln seinen Beruf. Die Arbeit im Freien sei es, die ihn über die kleinen Hindernisse hinwegsehen ließe.

Das Feld ist fertig gerodet und die Rüben sind abgeladen. Von Ameln ist schon gespannt, wie die Rübenernte dieses Jahr bei ihm ausfallen wird, immerhin machen die Zuckerrüben ein Viertel seiner Fläche aus. Im April wird dann von Neuem gesät. Und gehofft.

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