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Herzogenrath: Auf den mahnenden Zeigefinger verzichtet

Herzogenrath : Auf den mahnenden Zeigefinger verzichtet

Ganz neu war das für Joonas Andersson eigentlich nicht. Er kennt das Gefühl, bei einem Wettbewerb erfolgreich zu sein. Bereits im vergangenen Jahr räumte der Gymnasiast aus Herzogenrath beim Literaturwettbewerb der Euriade mit einem Essay ab. Damals belegte er den zweiten Platz. Jetzt legte er ordentlich nach.

Und schaffte den Sprung auf die oberste Stufe des Siegertreppchens.
Auch wenn er beim Wettbewerb zum Thema „Demos & Tyrannos” unter 200 Einsendern herausstach, hält er den Ball gerne flach. Ja, das Schreiben mache ihm schon sehr viel Spaß, aber nein, Routine sei das nicht. Und Hobby könne man das nicht nennen, jedenfalls verfasse er nicht gewohnheitsmäßig Geschichten. Doch wenn er es tut, dann sind sie in der Regel sehr gut. Seine „Gedanken eines KZ-Häftlings” brachte er in einer ungewöhnlichen Briefform zu Papier. „Mir kam es dabei nicht auf einen anklagenden Ton oder politische Wertung an”, sagt der gebürtige Finne, „mir ging es allein um die Darstellung der Gefühlswelt.”

Intensiv vorbereitet

Diese Herangehensweise imponierte der Jury, die in ihrem Urteil den besonderen Schreibstil des 17-Jährigen lobte. Der zahlte sich auch finanziell aus. Neben der Urkunde sprangen 175 Euro für Joonas heraus, dazu gab es zwei Karten für den Besuch eines niederländischen Theaterstücks. „Auch wenn ich da vielleicht kein Wort verstehen werde, möchte ich gern hingehen”, sagt er.

Auf das Schreiben hatte Joonas sich intensiv vorbereitet und einen guten Teil seiner Herbstferien geopfert. „In meinem Frankreich-Urlaub habe ich mir Gedanken zur Umsetzung gemacht, dann habe ich zwei Tage lang geschrieben.” So sehr hat er sich konzentriert, dass er um ein Haar den Abgabetermin verpasst hätte.

Auch Naturwissenschaften machen ihm Spaß

Die Identifikation mit seiner Figur fiel ihm indes nicht schwer. Er ist Zeuge Jehovas, „die wurden im Zweiten Weltkrieg ja ebenfalls unterdrückt und verfolgt”, sagt er.

Ob er sein Talent später auch beruflich nutzen will, weiß er noch nicht, denn auch die Naturwissenschaft macht ihm großen Spaß. Die Teilnahme an einem weiteren Literaturwettbewerb sei indes nicht ausgeschlossen. Dafür sorgt eventuell Schulleiter Reinhard Granz, der große Stücke auf das Talent des Schülers hält. „So etwas wird bei uns gerne gefördert”, meint er, und natürlich sei man stolz auf den Sieg. Er werde persönlich die Augen offenhalten, ob sich nicht vielleicht ein weiterer Wettbewerb für das junge Talent anbietet.

Nicht nur Joonas war erfolgreich

Doch nicht nur Joonas war erfolgreich. Auch ein weiterer Schüler des Herzogenrather Gymnasium wurde bei der Preisverleihung im Vaalser Museum „De Kopermolen” bedacht. Auf dem dritten Platz landete Felix Spira, der die elfte Jahrgangsstufe besucht.