Würselen: Auch in Martin Schulz‘ Heimat wird GroKo diskutiert

Würselen : Auch in Martin Schulz‘ Heimat wird GroKo diskutiert

Für CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt mag der Disput innerhalb der SPD um das mühevoll ausgehandelte Positionspapier als Basis für eine mögliche Fortsetzung der Großen Koalition nur ein „Zwergenaufstand“ sein. Aber die Debatte hat in der Partei eine eigene Dynamik gewonnen.

Auch im SPD-Stadtverband Würselen, der politischen Heimat von SPD-Frontmann Martin Schulz, ringen zwei Lager um die Frage, ob man erneut den Schulterschluss mit CDU/CSU suchen soll. Max Zitzen, der vor kurzem zum neuen Stadtverbandsvorsitzenden gewählt worden ist, bestätigt dies auf Nachfrage unserer Zeitung. Bei der nächsten Vorstandssitzung würden das Sondierungspapier, das auch Schulz mit ausgehandelt hat, und die weitere Strategie der SPD Themen sein.

Zitzen gilt als neues Gesicht der altehrwürdigen Sozialdemokratie in der Düvelstadt. Die Verjüngung des Vorstands wurde von der Würselener SPD als „Generationswechsel“ gefeiert. Der 25-Jährige ist zugleich Juso-Unterbezirksvorsitzender. Er und andere junge Genossen haben vor wenigen Monaten ein 25-Punkte-Papier mit kontroversen Thesen in Umlauf gebracht, die sich mit der Krise der Sozialdemokratie befassen. Das hat aber erst einmal nichts mit der aktuellen Debatte um eine GroKo zu tun, betont er.

Zitzen vermag nicht abzuschätzen, welche Kräfte sich letztlich durchsetzen. „Am Ende wird der Mitgliederentscheid stehen“, sagt er. Er persönlich sehe die Große Koalition kritisch. Das hat er mit dem Chef der Jusos auf Bundesebene, Kevin Kühnert, gemeinsam. „Die GroKo würde zur weiteren Stärkung vor allem des rechten Randes führen“, befürchtet Zitzen. Als Student der Volkswirschaft sehe er zudem leider keinerlei Hinweis auf notwendige Umverteilung. Für die kommunale Eben kann er allerdings dem jetzt vorliegenden Positionspapier durchaus positive Aspekte abgewinnen.

Das sieht auch der Vorsitzende des SPD-Fraktion im Würselener Stadtrat so. Christoph Küppers sagt: „Das Positionspapier trägt die Handschrift von Martin Schulz.“ Viele Wahlprogrammpunkte in Sachen Gerechtigkeit ließen sich dort finden. „Die SPD hat in den Sondierungsgesprächen viel erreicht.“ Küppers nennt als Beispiele Anspruch auf offene Ganztagsbetreuung, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus („Das ist gerade für uns in Würselen wichtig“) und die Unterstützung des Baus von Kindertagesstätten. „Es ist gut, dass der Bund jetzt die Kommunen direkt unterstützen soll.“ Auch die in Aussicht genommene (Wieder-)Einführung der Parität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bei den Beiträgen für die Krankenversicherung sei positiv. „Für mich als Kommunalpolitiker sind das wichtige Schritte.“

(-ks-)
Mehr von Aachener Zeitung