Auch Herzogenrath setzt Security-Mitarbeiter im Freibad ein

Herzogenrath setzt auf Sicherheitspersonal : Massentumulte und drei Polizeieinsätze

Aggression in Freibädern ist zum großen Thema geworden in diesem Sommer. Besonders präsent in den Medien: die Krawalle im Essener Grugabad und im Düsseldorfer Rheinbad. Doch auch im Merksteiner Freibad hat es in der gerade begonnenen Saison bereits unschöne Vorfälle gegeben.

So am 19. Juni: Als der Zugang zum Bad wegen zu starken Besucheraufkommens geschlossen werden musste, drängten noch rund 300 Badewillige nach. Es kam zu Tumulten, die Gruppe drückte gegen Zaun und Tor, das schließlich aufsprang, jede Menge Leute strömten hinein. Als am Nachmittag erste Familien mit Kindern das Bad verließen, entspannte sich die Lage, weil neue Badegäste wieder zugelassen wurden. Da sei es dann, so berichtet der Erste Beigeordnete und Sportdezernent Hubert Philippengracht im Gespräch mit unserer Zeitung, zu Unmutsäußerungen darüber gekommen, dass man zu dieser Tageszeit überhaupt noch Eintritt zahlen musste. An anderer Stelle hatten Jugendliche derweil Teile des Zauns zerschnitten, um ins Bad zu gelangen.

Am besonders heißen vergangenen Wochenende musste gar mehrfach die Polizei gerufen werden, die mit verstärktem Aufgebot anrückte. Insgesamt hatte es drei größere Schlägereien gegeben. Ein Beteiligter sei blutend zum Schwimmmeister gekommen, wo sich herausgestellt habe, dass die Verletzung auf eine tätliche Auseinandersetzung zurückging. „Wir mussten Erste Hilfe leisten“, berichtet Uwe Mulitze, bei der Stadtverwaltung verantwortlich für Sport- und Bäderangelegenheiten. Worum es bei den Gefechten zwischen zwei Gruppen ging, habe sich nicht erschlossen. Teilweise, so war vor Ort zu hören, hätten sich die Kontrahenten mit Gürteln attackiert. „Wie das so ist“, so Mulitze: „Sobald die Polizei kommt, halten alle zusammen.“ Die Herkunft der überhitzten Gruppen lasse sich nicht eingrenzen. Darüber hinaus sei es zu einem handfesten Streit zwischen zwei Frauen gekommen.

Seit rund vier Jahren setzt Herzogenrath einen Sicherheitsdienst im Freibad ein, bislang eine zweiköpfige Streife präventiv an Wochenenden und besucherstarken Tagen. Heimliche Handyfotos und der ein oder andere Diebstahl waren da noch Anlass. Und Drängeleien, wenn sich am Kassenautomaten längere Schlangen bildeten. Um derartige Staus möglichst zu vermeiden, werden ein bis zwei zusätzliche Kräfte im Kassenhäuschen eingesetzt. „Dann ist immer schon viel Luft raus“, sagt Mulitze. Mit einem Fotografier- und absolutem Alkoholverbot hat die Stadt überdies reagiert.

Doch mit dieser Saison habe sich die Situation verschärft, sei die Stimmungslage generell sehr gereizt, komme es schnell zur Aggression. „Jetzt brauchen wir den Sicherheitsdienst wirklich, um die anderen Gäste zu schützen“, sagt Mulitze. Vier Leute würden nunmehr an starken Tagen eingesetzt, „und wir überlegen, ob wir das nicht noch aufstocken müssen“.

Im Freibad sei wie andernorts eine deutliche Tendenz zu Respektlosigkeiten gegenüber Amtspersonen festzustellen, der man entschieden begegnen müsse. Die Stadt ist entschlossen, „Flagge zu zeigen“, wie Hubert Philippengracht verdeutlicht: „Recht und Gesetz sind da, um eingehalten zu werden. Aber es verändert sich etwas, und da müssen wir als Gesellschaft reagieren.“

Andrang auf Security-Dienste

Unterdessen werde es immer schwieriger, geeignetes Sicherheitspersonal zu bekommen, da es an Hitzetagen bei weitem nicht nur in Freibädern heiß hergehen kann. Da gilt es, bei den Diensten frühzeitig Bedarf anzumelden, der für ein Freibad allerdings nur schwer vorausgesagt werden kann. Schließlich weiß man nie, wie sich das Wetter wirklich entwickelt. Denn, auch das ist eine Erfahrung von Uwe Mulitze und seinen Bäderkollegen: Bleiben die Temperaturen unter 30 Grad oder zeigen sich Wolken am Himmel, fällt der Drang ins kühle Nass sofort deutlich geringer aus.

Zu den wachsenden Kosten mit Blick auf den steigenden Personalbedarf vermag die Verwaltung noch keine Aussagen zu machen. Philippengracht: „Am wichtigsten ist uns, dass wir für Sicherheit sorgen.“

Das gilt gleichfalls im Wasser: Auch Herzogenrath hat – wie Kommunen bundesweit – Probleme, zusätzliche Schwimmmeister zu rekrutieren. Ausschreibungen seien erfolglos gewesen, sagt Philippengracht. Noch könne man eine ausreichende Präsenz gut ausgebildeter Rettungsschwimmer am Beckenrand nachweisen, neben dem städtischen Fachpersonal unter anderem durch studentische Honorarkräfte.

Doch wenn nur einer ausfällt, ist der Engpass da, „dann müssen wir mitunter später öffnen“. Denn der Betriebsleiter trägt große Verantwortung. So obliegt ihm letztlich auch die Entscheidung, ab wann mit Blick aufs Verhältnis von Personal zu Badegästen dichtgemacht werden muss.

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