Alsdorf: Asylbewerber: Alsdorfer beweisen ihre Anteilnahme

Alsdorf: Asylbewerber: Alsdorfer beweisen ihre Anteilnahme

Zuversicht und Stolz, gemeinsam innerhalb eines Tages eine Mammutaufgabe gestemmt zu haben, lagen am Donnerstagabend in der Dreifachturnhalle des Berufskollegs in Kellersberg in der Luft. Der Bodenbelag ausgerollt und abgeklebt, 150 Feldbetten aufgebaut, Stühle und Hygienesets an jedem Platz.

Dank der Kleiderkammer von St. Castor hingen nebenan sogar schon die ersten Jacken auf der Stange. Einen Tag später wird die Zahl der Flüchtlinge nach oben korrigiert, auf 160. Erwartete Ankunft: von Freitagabend bis Sonntag.

Bürgermeister Alfred Sonders hatte zum Infoabend eingeladen, um den aktuellen Sachstand zur Flüchtlingsunterkunft mitzuteilen. So mischten sich unter die noch unter Zeitdruck arbeitenden, überwiegend ehrenamtlichen Mitarbeiter der sozialen Hilfsdienste, unter Beamte der Stadt und eingebundene Vereine viele Bürger. Am Ende waren es weit über hundert.

Sonders dankte den Helfern, umriss Lage und Ablauf. Gesamtsituation: Neben den Flüchtlingen in der Erstaufnahme kämen nächste Woche 40 Menschen, die dauerhaft blieben. An die 400 würden es am Ende sein, schätzt Sonders.

Ablauf in der Notunterkunft: Die Flüchtlinge sollen zunächst in der Gymnastikhalle erfasst werden: Foto, kleiner Ausweis, Bändchen ans Handgelenk. „In der kommenden Woche findet der Wechsel von ehrenamtlichen auf hauptamtliche Kräfte statt“, so Sonders. Alsdorfer Ärzte führen einen Gesundheitscheck durch, weitere Untersuchungen erfolgen nach Bedarf im Krankenhaus, gegebenenfalls auch Impfungen.

Eine Sicherheitsfirma ist rund um die Uhr präsent, um sowohl in der als auch rund um die Halle für geordnete Verhältnisse zu sorgen. Das Catering übernimmt das Team Amadeus von der Stadthalle. Toast, Tee, Wasser, Obst und abends eine einfache warme Mahlzeit stehen auf dem Speiseplan.

23 Dolmetscher haben sich gemeldet, viele von der Jugendorganisation Die Falken, daneben laut Schulleiter Thomas Becker ein paar Schüler des Berufskollegs, die erst moserten, auf Parkplätze vor der Tür verzichten zu müssen (weil hier das Catering aufgebaut wird), dann aber ihre Hilfe angeboten haben. Nebenbei: Die Schüler dürfen jetzt kostenlos die Parkplätze des Tierparks nutzen.

Die Liste der Unterstützer ist inzwischen lang: Rund 20 Anwohner haben sich als Begleiter für Flüchtlinge gemeldet. Die Firmen Beromin und Dreco spenden Duschzeug, Seife, Waschmittel, eine Waschmaschine und einen Trockner, die Buchhandlung Thater Buntstifte und Papier für Kinder. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (SKF) will die Kleiderannahme und -sortierung koordinieren, Annahmestelle ist das von der Aachener Firma Hess und Partner kostenlos zur Verfügung gestellte Ladenlokal in der Otto-Wels-Straße 18 b (montags bis mittwochs 17 bis 19 Uhr).

Die Fragen der Anwohner beim Infoabend zeugten von großem Verständnis. So appellierte eine Bürgerin, es nicht bei Sachspenden bewenden, sondern den Flüchtlingen auch menschliche Zuwendung zukommen zu lassen. Sonders begrüßte das, wies aber darauf hin, dass man nicht ohne Absprache mit der Stadt auf das Gelände darf. Anfragen koordiniert Irene Gillißen, Telefon 02404/50445, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr.

Vereinzelt hatten sich Hetzer unter die ansonsten sehr gut informierten Bürger gemischt, die auf sehr plumpe Art die Stimmung zu kippen versuchten. Die Aussage einer Frau, die Polizei dürfe bei Konflikten nicht eingreifen, wies Sonders ebenso entschieden wie über diese Lüge entsetzt vom Tisch. Unterm Strich stand aber eines im Vordergrund: die Anteilnahme. Und jede Hilfe ist willkommen.

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