Würselen: Arsen und Blei unter Würselener Pflaster

Würselen: Arsen und Blei unter Würselener Pflaster

Die Stadt Würselen reiht sich auch in die Liste der Geschädigten durch das Geilenkirchener Bauunternehmen Tholen ein. Mit Schwermetallen kontaminiertes Baumaterial wurde sowohl beim ersten Abschnitt des Ausbaus der Kaiserstraße (Parkhotel bis Bahnhofstraße) im Jahre 2004 sowie bei der Umgestaltung des Marktes 2007 verwendet.

Darüber informierte der Technische Beigeordnete Till von Hoegen in öffentlicher und detaillierter in nichtöffentlicher Sitzung des Ausschusses für Technik, Gebäude und Flächenmanagement.

„Es besteht keine Gefahr für Anwohner und Verkehrsteilnehmer und kein akuter Handlungsbedarf das belastete Material aus dem Untergrund herauszuholen“, betonte von Hoegen auf Anfrage unserer Zeitung. „So lange das Material abgedeckt ist, passiert gar nicht. Da es sich nun aber um eine Altlastenverdachtsfläche handelt, muss das allen Versorgern mitgeteilt werden, die dort Rohre und Leitungen reparieren.

Denn bei derartigen Baustellen sind nun Sicherheitsvorkehrungen nötig, um Kontakt des Materials mit Haut und Schleimhäuten zu vermeiden. Außerdem muss das ausgehobene Material als Sondermüll entsorgt werden“, erklärte von Hoegen.

Staatsanwalt ermittelt weiter

Während die Stadtverwaltung anfangs noch davon ausgegangen sei, nicht zu den Betroffenen zu zählen, sagt der Technische Beigeordnete, „sind wir dennoch der Sache weiter auf den Grund gegangen“. Es seien Proben genommen worden. Dabei habe sich herausgestellt, dass als Bettungsmaterial für die Pflasterung entgegen der Ausschreibung nicht eine Brechsandsplitt-Mischung, also ein natürlicher Rohstoff, eingebaut worden sei. Stattdessen sei eine Metallhüttenschlacke vermischt mit Sand eingebracht worden.

„Unsere Akten sind in Kopie der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft zu Verfügung gestellt worden, die zurzeit wegen arglistiger Täuschung ermittelt. Unser Rechtsamt ist mit der Sache beschäftigt. Außerdem ist die Stadt in Kontakt mit anderen betroffenen Kommunen“, erklärte der Beigeordnete.

Das Bettungsmaterial soll unter anderem Kupfer, Blei, Zink und Arsen enthalten. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sowie das Landeskriminalamt (LKA) ermitteln seit Monaten. Eingeschaltet wurde auch die Stabstelle Umweltkriminalität des NRW-Umweltministeriums. Die Mönchengladbacher Staatsanwältin Claudia Hensen bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Ermittlungen und Auswertungen dauern an.“

Auch das Gelände einer Schule in Moers sei nach jüngsten Erkenntnissen betroffen. In der Region wurde das belastete Baumaterial auch in Stolberg, Eschweiler, Baesweiler, Geilenkirchen, Wegberg und Hückelhoven analysiert. Auf einer Baustelle in Grevenbroich-Kapellen war es erstmalig entdeckt worden. Sachverständige stuften das Baumaterial als „Abfall“ ein. Die Schwermetallgehalte seien so hoch, dass es nicht wiederverwertet werden dürfe.

Nach Angaben des Bauunternehmens Tholen wurde das gleiche Material wie in Grevenbroich-Kapellen auch in anderen Kommunen eingesetzt. Es sei für den Tiefbau seit Jahren von einem Krefelder Recycling-Betrieb bezogen worden.

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