Alsdorf: Anti-Mobbing-Tag an der Realschule Alsdorf

Alsdorf: Anti-Mobbing-Tag an der Realschule Alsdorf

Mit solch heftigen Resultaten und Reaktionen hatte die Schülervertretung (SV) der Realschule und Aufbaurealschule in Alsdorf-Ofden nicht gerechnet. Das Thema Schulmobbing hatten sie in den Stundenplan hineingehoben und dieses jahrgangsstufen- und altersgerecht vorbereitet und an einem Tag umgesetzt.

Dass sie mit diesem Thema richtig lagen, das zeigte sich bereits bei den Fünft- und Sechstklässlern. „Ein Mädchen hat heftig zu weinen angefangen, ein anderes hat im Anschluss gleich die Hilfe von der Schulsozialarbeiterin gesucht“, erzählt SV-lerin Melis Tükel.

Auch wenn nur wenige Jahre zwischen den Schülervertretern und den Fünftklässlern liegen, sind sie doch erstaunt, wie groß der Unterschied zwischen den Generationen ist. Fehlenden Respekt und Disziplin haben sie bei den einstigen Knirpsen der Grundschule ausgemacht: „Das hat mich schon überrascht. Wir waren noch ganz anders. Ich frage mich aber auch, warum wir nicht sehen, was bei den Fünftklässlern los ist“, sagt Melissa Nelessen. Zumindest in einer fünften Klasse geben alle Schüler an, Mobbing zu kennen, beziehungsweise schon einmal von Betroffenen — Tätern wie Opfern — gehört zu haben.

Wobei: „Mobbing wird natürlich mittlerweile anders ausgelegt. Dazu gehören auch einfache Beleidigungen“, erklärt Shaha Neziri. Bei „richtigem“ Mobbing werden Einzelpersonen über einen gewissen Zeitraum fertiggemacht, definieren die SV-ler. Und: Das Thema betrifft nicht alleine ihre Realschule, vielmehr sei das ein schulimmanentes Problem, haben sie im Austausch mit SV-Vertretern bei einer Tagung erkannt.

Während das Klassen- oder Schulmobbing vornehmlich ein Phänomen in den unteren Jahrgangsstufen ist, haben Siebt- und Achtklässler mehr Probleme mit dem Cyber-Mobbing. Einigung herrscht bei den überwiegend 16-jährigen Schülervertretern, dass Internet- und Handykultur maßgeblich die Entwicklung des Mobbings forciert hätten: „Schon Fünftklässler verschicken mit dem Handy Fakebilder. Die wissen gar nicht, was sie damit anrichten“, sagt Melis Tükel. Über ein Handy verfüge schließlich jeder, und ein Handy sei ein Statussymbol. Die Entwicklung der technischen Geräte und Möglichkeiten betrachten alle kritisch.

Eine weitere Erkenntnis der Schüler: „Oft hat man keine Wahl, sich aus dem Mobbing heraus zu halten. Wenn man nicht mit mobbt, wird man selbst zum Opfer.“

Hilflos ausgeliefert

Die Neunt- und Zehntklässler wurden mit Filmen auf das sensible Thema eingestimmt: „Homevideo“ und „Knallhart“ verdeutlichen die Gefahr des Internets, zeigen die Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit, ist man erst einmal Opfer eines Mobbings geworden.

Schülersprecherin Sofia Durukhshan fasst am Ende die Ergebnisse dieses von der SV initiierten Tages an der Realschule zusammen: „Es ist schwierig, gegen Mobbing etwas zu unternehmen. Die Streitschlichter können — besser als Lehrer — Einfluss auf die Mitschüler nehmen. Man muss Betroffenheit wecken, aber auch die Eltern mit in die Verantwortung nehmen. Die sollten nicht glauben, dass ihre Kleinen immer so brav sind, wie sie tun.“ Sofia hofft, dass auch die Nachfolger in der Schülervertretung weiter dran bleiben an dem Thema und dass noch weitere Aktionstage folgen werden.

Zufrieden mit dem Ablauf und über die Erkenntnisse aus der SV-Aktion zeigten sich auch SV-Lehrer Sebastian Radermacher und Schulleiter Peter Lambertz: „Zum einen zeigt sich, dass Schulsozialarbeiter an einer Schule wichtig sind. Zum anderen hat dieser Tag uns auch noch einmal deutlich gemacht, wo Probleme liegen. Die Ergebnisse der SV betrachte ich als ein Aufbruchzeichen. Wir werden die Erkenntnisse auswerten und in der Lehrerkonferenz überlegen, wie wir darauf noch intensiver reagieren können“, sagte Lambertz.

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