Würselen: Am Würselener Markt: Anwohner von Jugendlichen schikaniert

Würselen: Am Würselener Markt: Anwohner von Jugendlichen schikaniert

Sie sind sauer. Die Anwohner der Neuhauserstraße, der Kaiserstraße, der Friedrichstraße, der Bissenerstraße und des Markes. „Jugendliche randalieren. Sind laut. Sind unverschämt. Vor ihnen sind wir nicht sicher“, sagt eine erboste Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden will. „Erst kürzlich ist meine Haustüre eingetreten worden“, sagt die Rentnerin und hat Angst, steht ihr Name in der Zeitung, dass sie mit weiteren Schikanen zu rechnen hat.

Nachdem die Anwohner jahrelang Ruhestörungen erlebt hatten, mal die Polizei gerufen hatten und auch mal nicht, erwarten sie jetzt Hilfe von Bürgermeister Arno Nelles. „Jeden Donnerstag, Freitag und Samstag zwischen 22\.30 und 24 Uhr treffen sich überwiegend junge Leute unter dem Stadtdach und feiern auf den Bänken neben dem Büdchen ihre Aufwärmpartys, bevor sie in die Disco gehen.

Das zurückgelassene Schlachtfeld, bestehend aus Flaschen, Plastikbechern und Essensresten hat dazu geführt, dass sich mittlerweile eine Rattenkolonie gebildet hat“, haben die Anwohner in einer Beschwerde über die Lärmbelästigung am Würselener Markt niedergeschrieben. 102 Unterschriften haben sie gesammelt. Jetzt erwarten sie, dass sie gehört werden. Vor allem vom Bürgermeister.

Bis hin zur Sachbeschädigung

„Zwischen 3 und 5 Uhr kommen die Jugendlichen lärmend und grölend von der Disco zurück. Dann gibt es meistens Treffen auf dem Schulhof hinter der Grundschule Friedrichstraße oder auf der Mauer vor der Schule sowie im Wartehäuschen der Aseag.

Da sich unter den Jugendlichen fast immer mehrere befinden, die besonders aggressiv sind, kommt es zu Verschmutzung der Hauseingänge und Scheiben rund um den Markt, bis hin zur Sachbeschädigung“, lautet die Anklage der Anwohner, die wegen des Lärms im Schlaf gestört werden. „Von Nachtruhe im entferntesten Sinn kann keine Rede sein.“

So ist sich die Anwohnerin, die nicht genannt werden will, sicher, „wir haben in den letzten Jahren mindestens 100 mal sowohl die Polizei, als auch das Ordnungsamt benachrichtigt, ohne Erfolg.“ Ersten Erfolg hatte die nachhaltige Beschwerde der Anwohner jetzt, denn das Ordnungsamt der Stadt Würselen zeigt ab 18 Uhr eine stärkere Personalpräsenz.

„Seit dem 11\. September versehen bis zu vier Mitarbeiter ihren Dienst im Bereich des Marktes, um Ruhestörungen entgegenzuwirken. Ergebnisse der Auswertung liegen noch nicht vor und werden derzeit ausgewertet“, erklärt Stadtpressesprecher Bernd Schaffrath auf Nachfrage. Die Anschuldigung der Anwohner lautet: „Bei lautstarken Streitigkeiten unter den Jugendlichen, traf die Polizei meist erst nach 20 bis 30 Minuten ein.“

Das steht in den Protokollen der Polizei etwa anders. „Meistens gingen bei uns Anrufe ein, die sich wegen Randalierer beschwerten, die Baustellenschilder umgeworfen haben. Unsere Reaktionszeiten lagen zwischen 7 Minuten und 25 Minuten“, sagt Polizeisprecherin Iris Wüster. Warum dauerte es schon mal länger, bis die Polizei kam? „Weil wir zeitgleich zu höherwertigen Einsätzen gerufen wurden.“

Die Anwohner wollen schlafen, wollen in ihrer Ruhe nicht gestört werden, wollen keine Angst haben müssen, dass Scheiben eingeschlagen werden, wollen, dass sich die Stadt einmischt, „denn wir sind schließlich Steuerzahler“, erbost sich die Rentnerin. Bürgermeister Arno Nelles indes wirbt für Verständnis und für ein friedvolles Miteinander.

„Als Bürgermeister bin ich natürlich nicht davon angetan, was sich an Wochenenden im Umfeld von manchen Diskotheken und Freizeiteinrichtungen abspielt. Hier wird offensichtlich eine Menge Frust abgeladen. Das ist nicht nur bei uns in Würselen feststellbar. Andernorts sind die Probleme teilweise noch viel größer. Das entlässt uns natürlich nicht aus der Verantwortung.

Wir dürfen dabei aber nicht außer Acht lassen, dass es sich nicht um irgendwelche Jugendlichen handelt, es sind unsere eigenen Kinder und Enkelkinder. Auch wenn wir bedenken, dass auch wir selber nicht immer Engel waren, ist der Respekt vor den Werten anderer Menschen deutlich zu gering. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, hier gegenzusteuern. Als Erstmaßnahme zeigen wir als Ordnungsbehörde auf jeden Fall vor Ort Präsenz, um zu deeskalieren“, antwortet der Bürgermeister.

Das klappt nicht. Schon wieder ist die ehemalige Geschäftsfrau um 4\.30 Uhr wach geschellt worden. Es reicht ihr. Die Dame ist außer sich und will ihre Ruhe haben.

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