Alte Sprache begeistert Schülerinnen am Heilig-Geist-Gymnasium

Heilig-Geist-Gymnasium : Alte Sprache begeistert Schülerinnen

„Deus, deus meus ad te de luce vigilo.“ Mit diesen Worten beginnt der Psalm 63 aus dem Gebetsbuch von Kaiser Maximilian aus dem Jahr 1513. Auf Deutsch bedeutet dies: „Gott, mein Gott, ich wache vom ersten Tageslicht auf dich hin.“ Die Übersetzung dieses einen Verses zeigt, dass selbst wenn man der lateinischen Sprache mächtig ist, eine sinnvolle Übertragung ins Deutsche nicht einfach ist.

Die Zusammenhänge sind abstrakt und obwohl es ein Psalm aus der Bibel ist, sucht man vergeblich nach einer ähnlichen Stelle in der Einheitsübersetzung, da es unzählige Überlieferungen gibt.

Fünf Schülerinnen des Würselener Heilig-Geist-Gymnasiums haben sich davon allerdings nicht abschrecken lassen. Gemeinsam mit ihrem Leistungskurs-Lehrer Timo Ohrndorf haben sie im Auftrag des Geschichtskreises der Pfarre St. Sebastian in Würselen die Psalmen 63 und 67 aus dem Gebetsbuch von Kaiser Maximilian übersetzt. Anna Johnen, Hannah Kellenter, Julia Odak, Tabea Odak und Celina Finken wollten sich zusätzlich zum Lateinunterricht dieser spannenden Herausforderung stellen und haben sich sieben Mal in ihren Freistunden getroffen, um an den Psalmen zu arbeiten. Der geschichtliche Zusammenhang und die Übersetzungsarbeit an einer anderen Textart als die, die sie im Unterricht behandeln, habe die Schülerinnen motiviert, mitzumachen.

„Es war wirklich nicht leicht!“, bestätigte Ohrndorf. „Das Latein aus dieser Zeit ist anders als das ‚klassische‘ Latein aus der römischen Antike wie in Texten von Cicero oder Ovid. Zahlreiche Vokabeln wurden ‚christianisiert‘ und mit manch einer grammatikalischen Regel nahm man es nicht mehr so genau. Das machte es für uns natürlich schwieriger, da es nicht nur eine sture Übersetzungsarbeit war. Wir wollten dieses Heiliggebet in seinem Charakter angemessen und unter Berücksichtigung des damaligen historischen Kontextes in die heutige Sprache übertragen“, fügte er an.

Neben den inhaltlichen Schwierigkeiten gab es aber zuvor noch eine ganz andere: „Wir mussten erstmal die Schrift entziffern lernen“, erklärte Anna. Denn die Schülerinnen hatten eine originalgetreue Nachbildung der Psalmen erhalten, die den Text aus der frühen Zeit der Buchdruckerkunst abbildet. Ohrndorf erklärte die Problematik: „Die Buchstaben wurden damals mit Lettern auf Pergament gedruckt. Damit die Druckzeilen aber immer genau ausgefüllt waren, wurden teilweise Endungen weggelassen oder Zeichen als Abkürzungen verwendet.“

Nach einer zeitintensiven Arbeitsphase konnten die Schülerinnen trotz aller Herausforderungen dem Geschichtskreis von St. Sebastian eine sinnvolle und angemessene Übersetzung der beiden Psalmen aus dem Gebetsbuch vorlegen. Doch nicht nur die Kleingruppe fleißiger Übersetzterinnen machte über das Heilig-Geist-Gymnasium hinaus auf sich aufmerksam.

Beim NRW-weiten Fremdsprachenwettbewerb der Alten Sprachen, dem „Certamen Carolinum“ räumten ebenfalls drei Schülerinnen aus Würselen richtig ab:

Martha Birken und Tabea Odak aus der Q2 sowie Christina Nagy aus der Q1 waren drei von neun Finalisten, die sich in allen drei Runden des Wettbewerbs behaupteten. In der ersten Runde wurde eine 15-seitige Facharbeit geschrieben. Über 100 Latein- und Griechisch-Schüler aus ganz NRW nahmen an dieser Aufgabe teil. Etwas mehr als ein Drittel erreichte die zweite Runde, in der eine Latein- oder Griechischklausur geschrieben werden musste.

„Nach dieser Übersetzungsklausur dachten wir alle, das war’s!“, verriet Martha. Doch die drei kamen wider Erwarten in die Finalrunde, in der sie über ein selbstgewähltes Thema referieren und sich einer Jury mit kritischen Fragen sowie mehreren Einzelgesprächen stellen mussten. Die Schülerinnen überzeugten durch die Aktualität der ausgewählten Themen und dem Bezug zur Gegenwart. Der Jury gefielen die Ausführungen so gut, dass alle drei in verschiedenen Kategorien Preise abräumten: Tabea gewann ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Christina darf das HGG im nächsten Jahr in Italien beim „Certamen Ciceronianum“ auf europäischer Ebene vertreten. Zudem bekam sie den Preis der Stiftung „pro lingua Latina“. Martha gewann den Preis des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes NRW. „Wir haben uns sehr über den Erfolg gefreut“, sagte Christina. Doch es wäre niemals möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung durch die engagierten Fachlehrer.

(hei)