Würselen: „Alte Mühle“ soll zur Wohnadresse werden

Würselen: „Alte Mühle“ soll zur Wohnadresse werden

Die Morgensonne schimmert durch die Bäume, Spaziergänger führen ihre Hunde Gassi, ansonsten herrscht Stille rund um die „Alte Mühle“ im Wurmtal zwischen Würselen und Kohlscheid. Das war nicht immer so.

Zu unzähligen Festen ist hier einst aufgedeckt worden, das schmucke Anwesen war eine gediegene Adresse für Geburtstage, Kommunionfeiern und Hochzeiten. Ein gutbürgerlicher Restaurationsbetrieb mit angeschlossenem Hotel. Prominente Reiter haben hier im Zuge des CHIO genächtigt. Und die Kicker von Schalke 04 — als Aachens Alemannia noch in der Bundesliga Tore jagte. Mit dem Tod des damaligen Besitzers Wolfgang Langohr schloss das Restaurant mit dem gemütlichen Kaminzimmer und den Tagungsräumen im Mai 2013 seine Pforten. Ebenso das 34 Betten bietende Hotel.

Im Schaukasten hängen immer noch die Speisenkarten. Ein Blick durchs Fenster offenbart Kaffeekännchen, Tellerstapel, Servierplatten und Suppenschalen — zur Bestandsaufnahme aufgereiht auf weiß gedeckten Tischen.

Auf 1,2 Millionen Euro war der Verkehrswert des insgesamt 7500 Quadratmeter großen Areals in idyllischer Natur ursprünglich angesetzt worden, ein Zwangsvollstreckungstermin Anfang November 2013 blieb ergebnislos.

Jetzt aber hat die „Alte Mühle“ einen neuen Besitzer. Und prompt keimen die Gerüchte über dessen angeblichen Pläne für das Anwesen in abgeschiedener Lage. Die Nachricht, ein „Swinger-Club“ solle hier etabliert werden, verbreitete sich in Windeseile. Auf einschlägigen Internetseiten wird dies auch erwartungsvoll diskutiert: Im Aachener Raum einen zweiten Club dieser Art zu haben, wäre doch „sehr interessant“, heißt es hier unter anderem.

Doch eine Nachfrage unserer Zeitung bringt Ernüchterung auf diesem Sektor: Denn vor wenigen Tagen hat der neue Besitzer bei der Stadtverwaltung am Morlaixplatz einen Antrag zur Umwandlung des Gastronomiebetriebs in zehn Wohneinheiten eingereicht, wie Bernd Schaffrath, Sprecher der Stadt Würselen, darlegt. Die „Alte Mühle“ liegt im Außenbereich gemäß § 35 Baugesetzbuch und im Naturschutzgebiet Wurmtal.

„Die Pläne werden baurechtlich durchleuchtet, zudem brand-schutz- und abwassertechnisch geprüft“, erläutert der Technische Beigeordnete Till von Hoegen ein ganz normales Prozedere. Auch das Untere Denkmalamt wird beteiligt. Womit für die historischen Mauern ein neues Kapitel beginnt.

Mehr von Aachener Zeitung