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Würselen: Alte Chronik des Dorfs wieder lesbar gemacht

Würselen : Alte Chronik des Dorfs wieder lesbar gemacht

Sie treffen sich wöchentlich, seit zweieinhalb Jahren: Annelise Rehwinkel, Fine Eschweiler und Eberhard Dümenil. Die drei Mitglieder des Heimatvereins Bardenberg haben die alte Chronik der früheren Bürgermeisterei Bardenberg aufbereitet.

Die in einer Mischung aus altdeutscher und Sütterlin-Schrift von den Bürgermeistern zwischen 1830 und 1933 dokumentierten Gegebenheiten und Ereignisse legen interessante Aspekte frei.

Von der Veränderung der Bevölkerungszahlen, den auch damals schon permanenten finanziellen Nöten der Gemeinde, den Entwicklungen des Straßenbaus, dem privaten Häuserbau bis zum Aufbau der Versorgungsnetze spannt sich der Bogen über die Kriege im 19. Jahrhundert und den Ersten Weltkrieg, Krankheitswellen, Unwetterschäden und Überschwemmungen, häufige schwerwiegende Unfälle und Brände an landwirtschaftlichen Gebäuden bis zum Vereins- und kirchlichen Leben. Dieses hochinteressante Spektrum eines ortsbezogenen Spiegels der Zeit ist von großem Wert.

Doch die Chronik ist von den Generationen der Nach-Sütterlin-Zeit fast nicht lesbar. Nicht nur die alte Schrift, sondern auch die eigene bis eigenartige Handschrift der Bürgermeister stellten eine Herausforderung dar. Nicht selten benötigten Experten für die Übersetzung einer Seite - der Fachmann spricht von Transkription - ganze zwei Stunden. Um das gesamte Volumen zu bewältigen, nahmen sich die Akteure nur selten Zeit für privaten Plausch.

Nicht nur das Know-How der älteren Generation war gefragt, auch moderne Technik kam zum Einsatz. Alle Dokumente wurden von Franz Josef Körfer mittels Fotokamera digitalisiert, um über einen per Laptop gesteuerten Projektor auf die Leinwand gebracht werden zu können, von der dann das Schriftdeuten im Team ausging. Auf einem zweiten tragbaren Computer wurden die entschlüsselten Texte dann von Fine Eschweiler in lateinischer Schrift erfasst, wobei im Bedarfsfall auch Edgar Schilde seine Schreibfähigkeiten einsetzte.

Nun wäre der Sinn der aufwendigen Aktion nicht erfüllt, wenn die Übersetzungen in den Ordnern des Heimatarchivs verschwinden würden. Themenbezogen werden daher die Leser der Bardenberger Heimathefte in der Zukunft einen Blick in die Vergangenheit werfen können, Dank der drei Transkriptions-Experten.

Explosionen auf der Grube Ath

Hier schon mal eine Kostprobe aus der von Bürgermeister Fuhrmann am 23. März 1862 verfassten Chronik des Jahres 1861: „In den Monaten Mai, Juni und Juli d.J. herrschte die Rötlerkrankheit sehr stark unter den Kindern; es starben mehrer Kinder an derselben und war auch der Schulbesuch sehr mangelhaft. Am 2. März erlitt bei einer Explosion zweier Kessel auf Grube Ath ein Maschinenwärter von hier schwere Verletzung, woran er am 10. März verstarb. Am 16. August fanden in Grube Ath in Folge einer Explosion schlagender Wetter zwei Kohlenhauer und ein Schlepper von hier ihren Tod.

Einem Beschlusse des Gemeinderates vom 19. Februar entsprechend ist durch Verfügung Königl. Regierung unterm 27. Februar 1861 zNr 5279 I, genehmigt worden, dass für die Ortschaften Niederbardenberg, Forstum und Wefelen die Peter- und Paul-Kirmes ausfalle und dafür die St.-Antonius-Kirmes, an welcher eine dreitägige Tanzbelustigung stattfinden könne, eintrete mit der Maßgabe, dass wenn der St.-Antonius-Tag auf einen Montag oder Dienstag fällt, die Tanzbelustigungstage mit dem vorhergegangenen Sonntage beginnend zu zählen seien.

Mit dem 1. September 1861 ist die Steinkohlengrube Furth durch Ankauf in den Besitz der Vereinigungsgesellschaft für Steinkohlenbau im Wurmrevier zu Kohlscheid übergegangen. Bei der am 3. Dezember abgehaltenen allgemeinen Volkszählung wurden die Konfessionen nach unter den hiesigen 2563 Einwohnern 2546 Katholiken, 8 Evangelische und 9 Juden gezählt.”