Alsdorf: Alsdorfs Bauamtsleiterin Renate Schaal geht in den Ruhestand

Alsdorf: Alsdorfs Bauamtsleiterin Renate Schaal geht in den Ruhestand

Nein, den großen Rummel möchte Renate Schaal nicht. Am liebsten gar keinen. Aber wenn man wie sie so lange im Bauamt der Stadt Alsdorf — zuletzt als Leiterin — gearbeitet und maßgeblich das heutige Stadtbild mitgeprägt hat, kommt man eigentlich um ein paar würdigende Worte nicht herum.

So auch geschehen im jüngsten Stadtentwicklungsausschuss, der für Renate Schaal der letzte sein sollte. Denn am 11. Dezember hat sie ihren letzten Arbeitstag. Ganz so leicht fällt ihr der Abschied nicht, daraus macht sie auch keinen Hehl.

„Ich habe mich immer am rechten Platz gefühlt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Vermittlerin zwischen den Bürgern, den übergeordneten Behörden und der Politik alles im Auge zu behalten, jeden zu seinem Recht kommen zu lassen und vor allem: auch den Prozess bis zum Ende verfolgen zu können, das habe ihr immer die meiste Freude bereitet. „Deshalb hätte ich mich in einem Planungsbüro auch nicht wohlgefühlt“, erzählt sie.

Das Aufregendste: Mitsubishi

Vergleicht man die Karte vor ihrem Dienstantritt in Alsdorf — also vor dem 1. Juni 1988 — mit einem aktuellen Stadtplan, so wird deutlich, wie sehr sich das Antlitz der Stadt verändert hat. Den Müschekamp gab es noch nicht, ganz zu schweigen vom Industriepark oder dem neugestalteten Annagelände.

„Das Aufregendste war für mich sicherlich die Mitsubishi-Ansiedlung“, überlegt Schaal. „Weil ich da auch gerade mal drei Jahre hier im Haus war.“

Der damalige Zeitgeist — die Zeche schließt, alles muss nun den Bach runter gehen — habe sie stark in Erinnerung. „Alle dachten, da käme eine Autofirma“, sagt Schaal und lacht. Chip-Produktion hatte kaum einer auf dem Schirm.

Aber Mitsubishi sollte nur eine kurze Episode bleiben, das Unternehmen wanderte wieder ab. Geblieben sind die parkähnliche Struktur des Gewerbegebiets und hinzugekommen eine Vielzahl anderer Firmen. „,Arbeiten im Park‘ war das Motto, das uns das Land vorgegeben hatte“, erläutert Schaal. Mit Eleonore Prömpers (Amt für Planung und Umwelt) hatte sie damals geschwungene Wege, die Achse zu Hoengen und auch ein Fließ geplant. „Das war sehr interessant.“

Nicht zuletzt, weil sie sich selbst gerne in der Natur aufhält. Vom Grün einmal abgesehen, habe die Landesregierung damals ihr Möglichstes für eine schnelle Ansiedlung des Konzerns getan. So schnell war selten ein Bebauungsplan über die Bühne gegangen.

Für den Rahmenplan „Anna“ hatte Schaal dann mit ihren Kollegen die Vorentwürfe gestaltet — die Stärke und auch ein bisschen die Passion der Amtsleiterin: städtebauliche Entwürfe von Hand zeichnen. Land, EBV und Stadt saßen in einer Projektgruppe zusammen. Für den Grünpark wurde dann ein Architektenwettbewerb ausgelobt. „Für den Altlastenhügel“, sagt Schaal und lacht. „Nein, natürlich sind da keine Altlasten drunter. Wochen-, monatelang haben die Lkw den Boden abtransportiert. Der wurde gereinigt, eine Folie eingezogen und dann wieder aufgeschüttet.“

Busch und Anna-Gelände

Dass nicht jedes Projekt preisverdächtig war, daraus macht Schaal keinen Hehl. „Manche Pläne sind zum Glück in Schubladen verstaubt. Ich weiß noch aus meiner Stolberger Zeit, dass es Ideen gab, die Altstadt abzureißen und riesige Straßen zu bauen. Oder hier, hinter dem Rathaus, war mal sieben- oder achtgeschossiger Wohnungsbau geplant.“ Das sei wohl dem Zeitgeist der 70er geschuldet gewesen.

Und welche „Baustellen“ hinterlässt Renate Schaal ihrem noch nicht feststehenden Nachfolger? „Das Wohngebiet Busch ist das größte in den nächsten Jahren.“ Und auch das restliche Anna-Gelände sei eine der wichtigen Aufgaben, die anstehen.

Man könnte meinen, bald sei auch der letzte Zentimeter von Alsdorf zugepflastert. Renate Schaal kann solche Gedankengänge gut nachvollziehen: „Alsdorf hat als Stadtgebiet eine recht kleine Fläche. Da wird es für Grünflächen eng.“

Die Siedlungsstruktur stamme aber noch aus Vorkriegszeiten, und die Halden bildeten eine natürliche Begrenzung des potenziellen Siedlungsraums. „Aber es ist schon richtig. Bald können wir nicht mehr viel bauen.“ Und vieles von dem, was schon steht, trägt die Handschrift von Renate Schaal. Ein schöner Nebeneffekt ihres Berufs, findet sie: etwas Bleibendes zu schaffen.

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