Alsdorf: Alsdorfer Weber einst sehr aktiv

Alsdorf: Alsdorfer Weber einst sehr aktiv

Wenn die Vorbereitungen abgeschlossen sind, geht es eigentlich ganz schnell mit dem Weben, findet Christa Druschke. Die Herzogenratherin hat orange Fäden in ihren Webstuhl eingelegt und webt mit flinken Griffen Gästehandtücher auf dem hölzernen Arbeitsgerät, das in Neuseeland hergestellt wurde.

Mit Josef König hat sie vor über 15 Jahren das außergewöhnliche Hobby für sich entdeckt und stellt seitdem Handtücher, Deckchen und Kleidung in unterschiedlichsten Materialien wie Wolle, Leinen oder Seide her. Zeitweise spinnt sie sogar an einem Spinnrad die Wolle für die zu webenden Stücke.

Um einen Einblick in ihre Hobby zu geben, sind Christa Druschke und Josef König zum Tag des offenen Denkmals nach Alsdorf in das Fördermaschinenhaus auf dem Anna-Gelände gekommen und haben sowohl ihren kleinen Webstuhl, als auch das Spinnrad mitgebracht. Beides führt Christa Druschke gerne vor und erklärt den Mechanismus. Sie ist damit der Einladung von Silvia Schupp und Matthias Otte von der Unteren Denkmalbehörde nach Alsdorf gefolgt.

Silvia Schupp war es, der die Tradition der Weber in Alsdorf, Hoengen und Warden in Schriften aufgefallen war. „Diese Stadtteile haben sich im 18. Jahrhundert mit Weberei und Spinnerei beschäftigt”, erzählt sie. Mit der Unterstützung von Rudolf Bast und Karl-Bernd Ghislain vom Geschichtsverein Alsdorf, dem Diplom-Textilingenieur Walter Tillmann aus Viersen, Herbert Beckers, Heinz Schüller, Gottfried Nießen, Albert Krämer und Norbert Rohrig von der Stadt Herzogenrath sowie Gerda Scholtens und Doris Keller, die teilweise Unterlagen zur Verfügung stellten, gewannen die Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde immer tiefere Einblicke in die damaligen Webertätigkeiten in Alsdorf und Umgebung. „In manchen Haushalten standen bis zu zehn Webstühlen”, erzählt Silvia Schupp.

Die Besucher staunen

Zwischen 1860 und 1870 wurde die Leinenweberei industrialisiert und die Samtbandweberei fand als „Hausindustrie” einen Aufschwung. „Insbesondere die Samtbandweberei mit Ornamenten”, ergänzt Silvia Schupp, denn die Verzierung war eine Besonderheit, die Maschinen nicht leisten konnten.

Um einen Überblick über die gewonnenen Einblicke zu ermöglichen, hat Matthias Otte verschiedene Plakate entworfen. Mit einer Beschreibung der Webertätigkeit und einem historischen Überblick gewinnen auch die Besucher einen Eindruck. „Ich wusste gar nicht, dass in Alsdorf so eine breite Webertätigkeit bestand”, ist die Besucherin Johanna Mertens erstaunt und liest aufmerksam die vielen Berufsbezeichnungen, die unter anderem in den Urkunden genannt wurden: Samtbandweber, Samtweber, Bortenwirker, Samtbandwirker, Weber, Posemantierer, Caffamacher oder Textor.

Die fertige Ware wurde bis nach Krefeld und Viersen gebracht, „wahrscheinlich nahmen die Weber auf dem Rückweg das Rohmaterial mit”, sagt Silvia Schupp. Vermutungen nach soll es auch in Übach-Palenberg und Geilenkirchen Annahmestellen für fertige Webereiarbeiten gegeben haben, doch die Behördenmitarbeiter konnten hierzu keine Belege finden. Dennoch waren sie sehr erfolgreich und haben viele Namen jener herausgefunden, die im Bereich der Weber- und Spinnerei tätig waren.

„Allerdings”, räumt Silvia Schupp ein, „kann man nicht mit Sicherheit sagen, dass keine Doppelnennungen dabei sind, wegen der teils unterschiedlichen schreibweise. Eine Gemeinsamkeit zeigt sich allerdings bei einem Großteil der Namen: Sie sind männlich. „Auch wenn es vermutlich meistens die Frau gewesen ist, die zuhause am Webstuhl saß, wurde die Tätigkeit dem Mann zugeschrieben”, erläutert Silvia Schupp.