1. Lokales
  2. Nordkreis
  3. Alsdorf

„Wohnen am Weiher“: Alsdorf legt sein Filetstück in die Pfanne

Baugebiet „Wohnen am Weiher“ : Alsdorf legt sein Filetstück in die Pfanne

In Ofden beginnt die Bebauung von 61 Grundstücken. Die Entwicklung im Ortsteil soll sich auf die ganze Stadt auswirken. Theodor-Seipp-Straße wird im November wieder geöffnet.

Zu hoffen bleibt, dass Aberglaube unter den Bauherren nicht allzu verbreitet ist. Denn sonst bliebe ihnen kaum etwas anderes übrig, als den plötzlichen Wetterumschwung am Freitagvormittag als bitterböses Zeichen für das Neubaugebiet „Wohnen am Weiher“ zu deuten.

Als die Gäste einer kleinen Feierstunde, zu der die Stadt eingeladen hatte, sich auf den Weg nach Ofden machten, herrschte noch schönstes Herbstwetter. Doch beim Eintreffen vor Ort peitschte der Regen nur so über die Baustelle und weichte den Boden auf. Nur gut, dass irgendein kluger Mensch vorher auf die Idee gekommen war, ein Zelt aufzubauen. Das war bald rammelvoll mit Menschen, während von draußen der Oktoberwind wie wild an den Zeltwänden riss.

Acht Millionen Euro investiert

Anlass des Termins war die vollendete Erschließung des Baugebiets, was bedeutet: Der schöne Name „Wohnen am Weiher“ kann ab sofort nach und nach mit Leben gefüllt werden. Auf fünf Hektar Fläche sind 61 Grundstücke ausgewiesen worden, die meisten von ihnen werden mit freistehenden Einfamilienhäusern bebaut, vier mit Doppelhaushälften. Acht Millionen Euro sind in die vorbereitenden Arbeiten auf dem Gelände geflossen. Träger der Maßnahme ist die Alsdorfer Bauland GmbH, die eine gemeinsame Tochter der Stadt und der Sparkassen Immobilien GmbH ist. Neben den Häusern gehört auch ein Heizwerk zum Komplettpaket, das der Stolberger Energieversorger EWV errichtet und die Siedlung mit Fernwärme versorgen wird.

Durch die Lage im Grünen zwischen Weiher und Tierpark bei gleichzeitiger guter Anbindung an die B57 kann das Baugebiet ohne Übertreibung als das Filetstück betrachtet werden, wenn es um die Schaffung von Wohnraum in Alsdorf geht. Und das Filetstück, um im Bild zu bleiben, kommt jetzt in die Pfanne. Die Macher rechnen damit, dass in zwei bis drei Jahren alle Bauherren fertig sind.

„Wir haben uns als Stadt zunächst schwer getan“, erinnerte sich Bürgermeister Alfred Sonders an die Anfänge des Projekts. „Es ist nicht einfach, wenn ein Schulstandort, an dem so viele Erinnerungen der Bürger hängen, von der Landkarte verschwindet.“ Man sei aber schließlich zu der Überzeugung gelangt, mit dem Abriss des Gymnasiums „ein gutes Stück Zukunft“ für Alsdorf zu schaffen – und diese Ansicht wird nach Eindruck von Sonders mittlerweile auch von den meisten Ofdenern geteilt, wohingegen anfangs noch Skepsis geherrscht habe.

Dennoch wird den Anwohnern in den kommenden Jahren noch einiges an Geduld abverlangt werden. Baustellen bedeuten Lärm, Dreck und Schwerlastverkehr. Immerhin konnte Sonders mitteilen, dass die Sperrung der Theodor-Seipp-Straße voraussichtlich am 8. November aufgehoben wird.

Genau wie die übrigen Nordkreiskommunen profitiert auch Alsdorf von seiner Lage im Aachener Speckgürtel. In der Hochschulstadt können selbst Gutverdiener sich Bauland oft nicht mehr leisten. Doch das ist nicht der einzige Grund dafür, dass die Grundstücke  am Weiher schnell verkauft waren, ist der Geschäftsführer der Sparkassen Immobilien GmbH, Dietmar Röhrig, überzeugt. Auch dass Alsdorf nach und nach von seinem Bergbauimage wegkomme und in der Region etwa für Stadthalle und Energeticon bekannt sei, spiele eine wichtige Rolle. Generell beobachtet der Immobilienexperte, dass die Menschen auf der Suche nach Eigentum längst nicht mehr so sehr auf ihren angestammten Wohnort festgelegt seien wie noch vor einigen Jahren.

„Wohnen am Weiher“ ist auch im Zusammenhang mit dem in Blickweite entstehenden Wohnpark zu sehen, wo ein privater Investor 157 Eigentumswohnungen schafft. Dort wurde zuvor die Realschule abgerissen. Beide Projekte zusammen werden den Ortsteil grundlegend verändern. „Ofden hat stark unter seiner Überalterung gelitten“, weiß Bürgermeister Sonders. Die erwarteten Neu-Ofdener werden das ändern – mit entsprechendem Einfluss auf die Infrastruktur. Bei der Stadt ist man optimistisch, dass sich bald ein Supermarkt in Ofden ansiedeln wird, was ohne den Wohnpark und das Baugebiet mit einiger Sicherheit nicht geschehen würde.

Doch die Entwicklung in Ofden soll sich auch auf Alsdorf insgesamt auswirken, insbesondere auf die Sozialstruktur.  Die Grundstücke, die alle schon verkauft sind, haben in der Spitze 265 Euro pro Quadratmeter gekostet und sind damit die teuersten in Alsdorf. Das bedeutet, dass die Neu-Ofdener nicht nur relativ jung sein werden, sondern auch recht gut situiert. Alsdorf hat die höchste Dichte an Sozialwohnungen in der Städteregion, in Alsdorf-Mitte bezieht jeder Vierte Transferleistungen. Die Entwicklung im unweit gelegenen Ofden soll dazu beitragen, diese „eklatante Schieflage“, wie Sonders es nennt, zu begradigen.

Als sich am Freitag um die Mittagszeit die letzten Gäste aus dem Zelt verabschiedeten und hinaustraten auf das zukünftige Wohngebiet, herrschte übrigens wieder strahlender Sonnenschein, sogar noch schöner als vorher. Vielleicht hatte der Himmel somit ja doch ein Vorzeichen geliefert. Bald wird man es genauer wissen.