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RMK-Reihe „Medizin für Bürger“: Selbstbestimmung auch in den letzten Stunden

RMK-Reihe „Medizin für Bürger“ : Selbstbestimmung auch in den letzten Stunden

Die Reihe des Rhein-Maas Klinikums „Medizin für Bürger“ hat jetzt die Möglichkeiten der Palliativmedizin und Hospizdienste zum Thema gehabt.

Zugegeben: Es gibt schönere Themen. Aber das Ende – Tod und Sterben – gehört nun einmal zum Leben wie dessen Start, die Geburt. Der Umgang mit einem würdigen Ende eines irdischen Lebens war so auch das Thema in der Reihe „Medizin für Bürger“ des Würselener Rhein-Maas-Klinikums (RMK): „Palliativmedizin – selbstbestimmtes Leben, auch bei schwerer Erkrankung“ lautete der Titel der Veranstaltung, die in der Kraftzentrale des Johannes-Rau-Kultur- und Bildungszentrums in Alsdorf stattfand.

Referentin Dr. Andrea Roth-Daniek, Chefärztin der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin am RMK, nahm dem Thema gleich zu Beginn den Schrecken – was nicht zwingend notwendig war, war doch die überwiegende Zahl der Veranstaltungsbesucher „vom Fach“, also im Hospizdienst oder als ehrenamtliche „Sterbebegleiter“ tätig. „In der Palliativmedizin geht es nicht alleine um das Sterben, sondern um die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten in ihren letzten Tagen, und auch um die Begleitung der Angehörigen“, erläuterte die Medizinerin. Natürlich würde in einer Palliativ-Station „mehr gestorben als in anderen Stationen“: 90 Prozent der Patienten seien Tumorpatienten, die nicht mehr auf Heilung hoffen dürften, zudem am Nervensystem Erkrankte (ALS), HIV-Infizierte, bei denen das Vollbild Aids ausgebrochen sei (nur noch selten), oder Endzustände chronischer internistischer Erkrankungen (Herzschwäche, Lungenerkrankungen).

Gemäß der Philosophie der Ärztin, Krankenschwester und Sozialarbeiterin, Cicely Saunders,  die als die Begründerin sowohl der modernen Hospizbewegung als auch Pionierin der Palliativmedizin gilt, arbeite man in dem Spezialgebiet: „Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Es gelte also nicht die Lebensverlängerung um jeden Preis – „Ergibt  eine weitere onkologische Behandlung Sinn?“ –, sondern die Erhaltung oder Steigerung der Lebensqualität in den letzten Tagen oder Stunden. „Was für den einen ein Urlaub in der Karibik hohe Lebensqualität bedeutet, ist für den anderen etwa die gemeinsame Zeit mit dem Enkelkind oder eine gemeinsame Zigarette mit den beiden Söhnen“, berichtete Roth-Daniek von realen Fällen in der Klinik am RMK. „Lebensqualität bestimmt also jeder Mensch selbst und ist abhängig von der Lebensphase.“

Die Lebensphase in einer Palliativklinik durch Symptomkontrollen oder eine umfassende und ganzheitliche Betreuung hoch zu halten, sei die vornehmliche Aufgabe ihres medizinischen Bereiches, betonte die Chefärztin. Dies beinhalte eine körperliche, soziale, psychische und spirituelle Dimension. Gegebenenfalls auch ein vernünftiges Entlassmanagement.

Häusliche Versorgung

Dazu gehöre die Sicherstellung der häuslichen Versorgung durch einen ambulanten Hospizdienst oder weitere ärztliche Betreuung, wenn der Patient auf Wunsch den stationären Aufenthalt nicht mehr wünsche. Hierzu berichteten Stephanie Eßer, Leitende Koordinatorin der Aachener Caritasdienste, und der Alsdorfer Hausarzt, Palliativmediziner und Psychotherapeut Dr. Wilhelm Flosdorff, von den Möglichkeiten zum selbstbestimmten Leben zu Hause bis zum Ende. Auch hierbei sei eine umfassende Betreuung möglich – durch Mediziner, Pflegedienste, Therapeute, aber auch ehrenamtlichen Mitarbeiter. „Diese sind speziell ausgebildet, sind verlässliche Begleiter, gute Zuhörer“, so Flosdorff. „Ambulante Hospizarbeit richtet sich an alle Menschen. Den begleiteten Personen entstehen keine Kosten“, klärte Stephanie Eßer auf. Selbstbestimmung enthält also auch die Wahl, die letzte Lebenszeit in einem Hospiz oder zu Hause zu verbringen. Ein tröstlicher Gedanke für viele Menschen am Ende ihres irdischen Lebensweges.

(hob)