Projekt "Eskape" der Städteregion Aachen

Vorstoß der Grünen im Alsdorfer Stadtrat : Mit Blick auf das Klima richtig bauen

Sind die Zeiten vorbei, in denen die Grünen bei Natur- und Umweltschutz anderen Parteien weit voraus waren? Mit dem Vorstoß, ganz im Sinne des Klimaanpassungskonzepts „Eskape“ der Städteregion Aachen auch Maßnahmen in Alsdorf umzusetzen, konnte Fraktionsvorsitzender Horst-Dieter Heidenreich im Stadtrat nicht überraschen.

Die Grünen wollten, dass Klimaanpassung und -schutz im Sinne des regionalen Eskape-Projekts „als Grundsatz in der Bauleitplanung“ für Alsdorf übernommen werden. Von ihnen eingereichte Vorschläge seien zu prüfen und diese und weitere Aktvitäten „in regelmäßigen Zeiträumen den Mandatsträgern vorzulegen.“

Die Einschätzung von Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) im Stadtrat lautete: „Der Antrag ist obsolet, weil die Verwaltung längst gehandelt hat.“ Heinrich Plum (SPD), stellvertretender Bürgermeister, schob nach: „Herr Heidenreich würde nie zugeben, dass die Verwaltung ihm zuvorgekommen ist.“

Technische Beigeordnete Susanne Lo Cicero-Marenberg verzichtete auf Emotionen und stellte klar, dass die Stadt Alsdorf am Eskape-Projekt beteiligt gewesen sei und sich auch aktiv wie andere Kommunen eingebracht habe. Und weiter noch: Ein Förderantrag zur Erstellung eines „Klimaschutzteilkonzepts“ sei bereits bewilligt. Bei Gesamtkosten von knapp 46.000 Euro gibt es rund 32.000 Euro vom Bund. Jetzt stehe die Auswahl eines Fachbüros an. Es läuft also schon einiges.

Es geht um existenzielle Dinge. Mit Blick auf extreme Wetterereignisse wie Dürre und Überflutung darf man zwar seine Zweifel haben, ob angesichts des Flächenverbrauchs und Umweltfrevels in anderen großflächigen Ländern, ja auch anderen Kontinenten das Kehren vor der eigenen kleinen Haustür die Trendwende bringt. Andererseits heißt es aber nachvollziehbar: Global denken, lokal handeln. Letztlich ist die Summe aller Aktivitäten entscheidend.

Die Grünfläche hinter dem Alsdorfer Rathaus (I.) soll kein Bürgerpark werden, wie von den Grünen vorgeschlagen wurde. Auch die Brache am Kinozentrum (r.) soll nicht frei bleiben. Foto: Karl Stüber

Die Alsdorfer Grünen haben ausgemacht, dass die eigene Stadt „aufgrund der relativ hohen Bevölkerungsdichte in Bezug auf urbane Hitze, Luftqualität und der Aufnahmekapazität der Kanalisation gefährdeter ist als andere Kommunen mit vergleichbarer Einwohnerzahl“. So schlagen sie als „klimaangepasste Maßnahme“ vor, die Grünfläche hinter dem Rathaus „unter Erhalt der Heckenstrukturen, die Lebensraum für Tiere und Schutz vor Windlast bieten, bestehen zu lassen“. Hier sei ein Bürgerpark denkbar.

Dagegen sieht Lo Cicero-Marenberg in einem Bürgerpark entlang der B57 „vermutlich eher kein Kernthema“ und verweist auf Anna- und Tierpark, Grünkreuz, den neuen Freiraumkorridor in Busch und mehr. Vielmehr wolle man das Augenmerk auf Außenbereichsflächen legen.

Nebenbei bemerkt: Für die Grünfläche hinterm Rathaus hat man durchaus Verwendung, als Baugebiet. Da lief unter anderem schon ein Gestaltungswettbewerb.

Auch der zweite konkrete Vorschlag der Grünen fand keine Gegenliebe. Sie wollen nicht mehr gebrauchte Betonflächen (ungenutzte Parkplätze, Baubrachen) entsiegeln. So weit, so gut. Aber als Beispiel verwiesen sie auf das verwildernde Areal an der Ecke Hubertus-/Otto-Wels-Straße, das sich zum beliebten Ziel für Hundebesitzer und ihre Vierbeiner entwickelt hat, wie die Hinterlassenschaften bezeugen. Dieses Gelände sieht Lo Cicero-Marenberg aber als wieder zu bebauendes Areal „an prominenter Stelle des Stadtgebiets unter Berücksichtigung des vorhandenen Grünbestands“. Davon abgesehen prüfe die Stadt selbstverständlich schon längst energetische Maßnahmen, die „Implementierung erneurbarer Energien“ und Dachbegrünung, um öffentliche Flächen „klimaangepasst“ zu sanieren.

Bleibt Vorschlag drei zum Thema, „Privateigentümer dazu anzuhalten“, mit Blick auf den Klimawandel zu bauen. Grünkorridore seien zu erhalten, Anreize müssten geschaffen werden, um „Steingärten“ zu entsiegeln sowie das Anlegen von Zisternen zu fördern. Auch da sei die Stadt schon längst unterwegs, so die Beigeordnete, etwa mit dem Wettbewerb zu „insektenfreundlichen Vorgärten“ und der Festsetzung von Zisternen in Bebauungsplänen, wobei das jeweils von den Rahmenbedingungen der Entwässerung und Vorgaben etwa der Unteren Wasserbehörde oder des Versorgers WVER abhängig sei. Letztlich beschloss der Rat, die Angelegenheit weiterzuverfolgen. Das Klima darf sich freuen...