Neue Stadtmöblierung in Alsdorf

Alsdorfs neue Stadtmöblierung : „A“ wie Aufenthaltsqualität. Oder Ärger.

Die neue Stadtmöblierung in Alsdorf bietet Platz zum Ausruhen und Spielen. Und offenbar auch Reibungsfläche.

Wenn man von der neuen Alsdorfer Stadtmöblierung eines nicht behaupten kann, dann dass sie unscheinbar wäre. Im Gegenteil. Kaum jemandem, der während des Aufbaus daran vorbeigefahren oder -spaziert ist, werden die Gebilde, die in repräsentativer Größe und signalgelb an den Buchstaben „A“ angelehnt sind, entgangen sein. Tatsächlich hat es auch im Vorfeld der offiziellen Vorstellung am frühen Donnerstagnachmittag bereits Gerede gegeben. Gerede, das – vor allem in Sozialen Netzwerken – im Kern eher harsche Kritik war. An dieser Stelle, bemerkte Bürgermeister Alfred Sonders, seien die Redeführer vor allem mit einem aufgefallen: ihrem Nichtwissen.

Die großen gelben „A’s“ – sie stehen für den ersten Buchstaben des Stadtnamens und sollen mit dem typischen Aussehen die städtische Identität stärken – sind mehr als nur Metallgebilde. Sie sind Sitzbank, Rutsche, Kletterwand und Wippe. Nicht alles in einem, aber etwas davon an jedem der neun Standorte (siehe Infobox). Mehr Aufenthaltsqualität soll mit ihnen in die Innenstadt ziehen, Senioren eine Ruhemöglichkeit, Kindern ein Platz zum Spielen geboten werden.

„Während Eltern und Großeltern durch die neuen Sitzmöbel die Zeit zwischen Einkauf und Terminen zum gemeinschaftlichen Innehalten an zentralen Plätzen im Quartier nutzen können, können die Kinder und Enkelkinder in unmittelbarer Nähe die neuen Spielgeräte ausprobieren“ – so klingt die städtische Hoffnung auf den Nutzen der Alsdorf-„A’s“.

Wie viel ist zu viel?

Die Stadt hat für die neue Möblierung einen Eigenanteil von rund 25.000 Euro ausgegeben. Geld, auch wenn es im Vergleich zu anderen städtischen Maßnahmen keine große Summe ist, an dem sich ein großer Teil der öffentlichen Kritik entzündete. Die ließ Sonders nicht unkommentiert. Im Netz sei behauptet worden, die „A’s“ kosteten die Stadt 400.000 Euro. Das sei falsch. Ursprünglich sei von 365.000 Euro ausgegangen worden, die Kosten hätten durch geschickte Planungsarbeit jedoch auf etwa 245.000 Euro reduziert werden können.

Bestandteil der neuen Stadtmöblierung sind auch etliche Federwippen. Foto: Dagmar Meyer-Roeger

90 Prozent der Gesamtkosten sind mit Fördermitteln des Landes NRW finanziert worden, aus einem Topf mit dem geschmeidigen Titel „Zuweisungen für Investitionen an Gemeinden zur Förderung von Quartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf“. Für den viel kleineren städtischen Anteil an dieser Summe, für den man sonst nur drei Edelstahlbänke hätte kaufen können, habe man die individuell angefertigte Stadtmöblierung bekommen.

Eine Abfuhr gab es auch für die Forderung, für das investierte Geld doch lieber zusätzliche Lehrer einzustellen. Der Beitrag der Stadt zur Anschaffung der Bänke und Spielgeräte sei eine einmalige Ausgabe, für zusätzliches Personal müsse fortlaufend gezahlt werden. Nebenbei falle die Einstellung von Lehrkräften nicht in den Aufgabenbereich der Stadt. Und selbst wenn sie gewollt hätte – die Fördermittel waren zweckgebunden und exklusiv für die Stadtmöblierung reserviert. Für etwas anderes hätte das Land nichts überwiesen.

Bemerkenswert bei der Vorstellung der „A’s“ auf dem Denkmalplatz war, dass einige Zaungäste des Pressetermins am Donnerstag eine Gelegenheit gekommen sahen, den Bürgermeister gleich en person von ihrem Unmut über die Angelegenheit zu konfrontieren. Zum Beispiel mit dem Vorwurf, das Material sei schlicht ungeeignet. Im Winter hole man sich beim Sitzen auf dem Metall leicht eine Blasenentzündung, im Sommer verbrenne man sich den Hintern.

Bereits in Gebrauch

Kritik kam indes nicht nur von bürgerlicher Seite. Lena Pütz und Fabian Dohms von der Jungen Union in Alsdorf äußerten sich nur mäßig begeistert über die Installation der neuen Stadtmöblierung. Die CDU habe zwar das Grundkonzept mit den Förderanträgen in der politischen Abstimmung mitgetragen, von der die „A’s“ allerdings nur ein Teil waren. Der einzige übrigens, der auch wirklich gefördert und umgesetzt wurde. „Und diese Umsetzung finden wir fragwürdig“, sagt Pütz.

Zum einen teilen sie die Sorgen hinsichtlich des Materials. Bänke aufzustellen, damit alte Menschen sich ausruhen können, sei keine schlechte Idee. Ob es eine solche allerdings direkt vor dem Rathaus gebraucht hätte, darüber könne man streiten. Das Geld wäre aus ihrer Sicht an anderer Stelle besser investiert gewesen.

Vom Gezeter im Netz und auf dem Denkmalplatz unbeeindruckt nahmen derweil ein paar Kinder Rutsche und Wippe in Beschlag, Passanten ließen sich zum Probesitzen auf der Bank nieder. Ob das Interesse an einer kleinen Pause auch im Hochsommer anhält – es wird sich zeigen.

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