Mittelalterlicher Ostermarkt am Tierpark in Alsdorf

Mittelalterlicher Markt : Ostern am Tierpark mit Rittern und Edeldamen

Der mittelalterliche Ostermarkt in Alsdorf stößt auf große Begeisterung. Kleine und große Besucher können selbst Hand anlegen.

Das weiß kaum jemand: Eine der wenigen Seilerinnen, die dieses Handwerk aus dem Mittelalter noch beherrschen, kommt aus Alsdorf. Genauer aus Duffesheide. Kathy Jakobs gehört damit zu einer Gruppe von vielleicht einer handvoll Frauen in ganz Deutschland. So war dann auch ihr „Stand“ auf dem mittelalterlichen Ostermarkt im Alsdorfer Tierpark entsprechend belagert.

Da mochte selbst der dreijährige Liam Schaffrath aus Übach-Palenberg mit seiner Mutter Kim das erste selbst gedrehte Seil herstellen und zugleich färben. Das wird auf einer sogenannten „Reeperbahn“ gemacht, auf der auch Springseile geflochten werden. An anderer Stelle probierte die 11-jährige Katharina Neumann aus Niederbardenberg aus, wie man das Schwert des Ritters Lutherius von Limburg – eine ganz verwegene Gestalt und ein wahrer Hüne – richtig in den Händen hält. Die Veytaler Ritterschaft, Betreiberin des Mittelalter-Marktes, hatte viele Zelte für die Besucher geöffnet. Wie das auch der Schmied Moritz Becker aus Stolberg tat. Der 25-jährige Modellathlet zeigte mit seinem Lehrjungen, wie man Stahlpfeile mit Hammer und Amboss in die richtige Form bringt.

Derweil bewies Zauberer Magus Antonius, dass seine Kunst schon vor vielen Jahrhunderten Bestand hatte. Und überall auf dem Festgelände präsentierten sich die Ritter in vollem Panzer und begleitet von ihren Knappen. Dazwischen flanierten Edeldamen, Zofen oder gingen Mägde ihrer Arbeit nach. Die beiden Wanderhexen Larimar und Mehira warfen Blicke in die Zukunft. Kein Wunder, dass deren Zelt auch ständig gut gefüllt war. Immer wieder schauten die Besucher dem Sarwürker Ralf Olbrich aus Würselen auf die Finger. Er zeigte nicht nur, wie Kettenhemden geflochten werden, er setzte auch feines Geschmeide in Form von Armketten zusammen.

Seilerin Kathy Jakobs (r.) aus Duffesheide zeigt dem kleinen Liam (3), wie Springseile geflochten werden. Foto: Sigi Malinowski

An allen drei Tagen des Marktes zog aber auch der Schwertkampf viele Zuschauer an. Norbert von Thule und Festorganisatorin Christiane von Thule hatten dazu die wagemutigen Kämpfer aufgerufen. Dabei „schlich“ sich dann auch die 25-jährige Polizistin Kira Noß mit ins Kampfesgetümmel, das mit spektakulären Schwertstunts gespickt war. Historisch genau genommen dürfte die hauptamtliche Ordnungshüterin gar nicht mitmachen, denn der Griff zum Schwert war im Mittelalter für Frauen verpönt – und es gab ihn dennoch, wie das Beispiel Johanna von Orleans lehrt. Kira Noß erklärte, „es war aber schon damals so, dass sich Frauen mit der Axt oder mit dem Schwert sowie in Rüstung ins Kampfgeschehen einbrachten“.

Ein herrlich anzusehendes Bild war zweifellos die wilde „Keilerei“ zwischen Kindern und Rittern. Mit Freudengeheul stürzten sich die Kleinen auf die Leute in den schweren Rüstungen.

Kunstschmied Norbert Becker (25) aus Stolberg führt auf dem Markt sein Handwerk vor. Foto: Sigi Malinowski

Ein Augenschmaus war an den Abenden die Zeremonie am Osterfeuer, die immer noch nach der keltischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostera benannt ist. Insgesamt zeigte sich Christiane von Thule begeistert von Alsdorf und dem Publikum am Tierpark. „Wir hatten einen unheimlich hohen Zulauf. Das hat einfach Spass vor dieser schönen Kulisse gemacht.“

Mehr von Aachener Zeitung