Mehrere hundert Gäste bei der Maikundgebung im Burgpark Alsdorf

Zentrale Maikundgebund : Mehrere hundert Gäste im Alsdorfer Burgpark

Auch wenn der Hinweis von Festredner Arndt Kohn (MdEP) natürlich den Hinweis hinterließ, dass er als Stolberger die Burg Alsdorf immer nur als die zweitschönste Burg der Region ansehen könne, war sein Vortrag bei der Maikundgebung in Alsdorf viel beklatscht.

Auf Einladung des IGBCE-Regionalforums um Sprecher Franz-Josef Küppers machte der Europaabgeordnete aber nicht nur Werbung für die anstehende Europawahl am 26. Mai. Dort dürften allerdings keine meist antieuropäisch gesinnten Populisten die Oberhand gewinnen, wünschte er sich.

Warum, das hatte er zuvor erläutert: In einer globalisierten Welt mit Akteuren wie Trump oder Putin und der Missachtung von Menschenrechten in China sei Zusammenhalt wichtig. Dass sich Europa schon von Beginn an gegen Ausbeutung und Gewinnmaximierung gestellt habe, sei schon den Gründern 1957 ein Anliegen gewesen. „Doch wir sind noch lange nicht am Ziel, der nächste Schritt muss ein sozial gerechtes Europa sein“, forderte der Sozialdemokrat vor hunderten Zuhörern.

Lohndumping beenden

Das Lohndumping müsse beendet und der Kampf gegen die Unterfinanzierung sozialer Systeme aufgenommen werden. Einen Schlüssel dazu fand Kohn bei der Entlohnung: So dürfe es Unterschiede beispielsweise nur aufgrund des Geschlechtes im 21. Jahrhundert nicht mehr geben. „Wer voll arbeitet darf nicht unter die Armutsgrenze rutschen“, machte er deutlich.

Wenn CDU-Politiker wie die Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sich eher für europäische Flugzeugträger denn für gerechte Löhne aussprächen, sei etwas im Argen, fand er. Auch Jugendliche dürften nicht mehr ohne Ausbildung oder nachhaltige Jobangebote dastehen. „Jeder arbeitslose Jugendliche muss binnen vier Monaten ein Angebot bekommen“, forderte Kohn. Das beinhalte auch, gerade in der Grenzregion einmal über den eigenen Tellerrand hinausschauen zu dürfen und den Arbeitsmarkt jenseits der Grenze nicht außer Acht zu lassen.

Genau im Auge behielt Kohn auch das Gezerre um den Brexit. „Beim Brexit wird es Verlierer geben“, war er sicher, rechnete mit einem 25-prozentigen Kursverfall des Pfundes, einer halben Million wegfallender Jobs in Großbritannien und rapide sinkenden ausländischen Investitionen im Vereinigten Königreich. Dass bei allen anstehenden Problematiken auch der Klimawandel eine gewichtige Rolle bei nordrhein-westfälischen, deutschen und europäischen Entscheidungen spielen müsse, machte er ebenso klar. „Wir müssen handeln, und jeder muss sich fragen, wo sein Beitrag sein kann“, unterstrich Kohn.

Dass dies nicht mit steigenden Belastungen für die Bürger einhergehen müsse, war für ihn klar, es müsse mit „absoluter Sorgfalt“ gehandelt werden. „Beim Strukturwandel im Rheinischen Kohlerevier gilt genau das Gleiche“, betonte er abschließend. Denn diejenigen, die seit Jahrzehnten verlässlich für die Stromversorgung gearbeitet hätten, verdienten es, Lösungen ohne Kirchturmdenken zu erleben.

Künstlerische Ausgestaltung

Dafür spendeten auch die Aktiven vom 1. Aachener Akkordeon Orchester und den Quoten-Queens von den IGBCE-Damen viel Applaus, die für die weitere Ausgestaltung des gelungenen Maifeiertages in Alsdorf mit dabei waren.

(mabie)
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