Mechthild Niebeling-Mause stellt im Schaffrath-Haus aus

Schaffrath-Haus : Mit Künstlerin Mechthild Niebeling-Mause unterwegs in experimentellen Sphären

„Unterwegs" nennt die Künstlerin Mechthild Niebeling-Mause ihre aktuelle Ausstellung im Ofdener Schaffrath-Haus. Es war einst ein einfache Namensfindung – mit dem Skizzenbuch und dem Malkasten im Gepäck hat sie großen Gefallen gefunden am „Unterwegssein".

Bis zum Monatsende werden über 30 Werke der in Würselen geborenen Malerin im ehemaligen Atelier Ludwig Schaffraths zu sehen sein. „Als Besucherin war ich schon oft im Haus zu Gast. Als ausstellende Künstlerin zurück zu kehren, ist schon etwas ganz besonderes", sagte Niebeling-Mause im Vorfeld der Premiere.

Die Aquarellmalerei mit ihrer sehr realitätsnahen Komponente beeinflusst sie bis heute. Nachdem sie sich lange Zeit der Aktmalerei und der Zeichnung verschrieben hatte, entdeckte Niebeling-Mause zu einem späteren Zeitpunkt ihre Passion für die sogenannte Siebdruckarbeit. Hier wird der klassische Leinwandrahmen mit einer engmaschigen „Regenschirmhaut" überspannt.

Das spezielle Material lässt die Farbe nur ganz dosiert durch – es entsteht ein gewisser Sieb-Effekt. „An dieser Technik schätze ich vor allem den experimentelleren Charakter. Individuelle Strukturen und Aussparungen erweitern diesen Effekt", erläuterte Niebeling-Mause. Die als „Durchrakeln" bezeichnete Technik verändert auch das Material. Getrocknete Farbreste in den Siebporen lassen Unikate entstehen. Manchmal weiß die Künstlerin selbst nicht, welche Überraschungen die Haut für sie bereit hält: „Ich bin fasziniert von den Zufällen.“

Eines dieser Werke hört schlicht auf den Namen „Von Oben". Aus der „Ferne" betrachtet mutet das Werk wie eine Satelittenaufnahme der grünen Eifelwelt an. Erst bei näherem Hinsehen entpuppen sich die Felder, Flüsse und Gebirgszüge als Farbschattierungen, die das „Durchrakeln" geschaffen hat. Die Fantasie solle angeregt werden.

Für „Struktur" sorgt unter anderem eine besondere Form des Recyclings: Viele Kollagen entstanden, indem Niebeling-Mause alte Aktmalereien als „Schablonen" verwendete. Dieses Vermischen von Techniken beeinflusst in nicht unerheblichem Maße auch ihre Aquarellmalerei. Sand und Bindemittel dienen als sogenannte Strukturelemente. Begonnen wird mit Bleistift und Tusche, das „Material" kommt erst später dosiert zum Einsatz.

Als Ehefrau und zweifache Mutter hat die 68-jährige ihre Reiseaffinität nie verloren. Ehemann, Kinder und Freunde wissen Bescheid, wenn beispielsweise eine Wanderung ansteht. Während die anderen bei einem kühlen Getränk pausieren, schnappt sich Niebeling-Mause allzu oft ihr Skizzenbuch und hält EIndrücke fest. Im italienischen Verona musste dagegen eine Kamera her. Die Struktur des dort verbauten Marmors begeisterte die Künstlerin derart, dass sie die Muster in ein eigenes Werk integrierte. Die an versteinerte Seeigel erinnernden Abdrücke finden sich laut ihr in ähnlicher Form im Marmor der Würselener Kirche Sankt Sebastian. „Ich kann mich für Kleinigkeiten begeistern", lautet ihr Motto.

Verschlafene Landstriche in der Provence, Bergdörfer auf Korsika oder die simple Schönheit des Rheinlands - große oder kleine Reisen geben Niebeling-Mause die Inspiration, die sie mit Acryl, Öl, Aquarell oder Siebdruck verarbeitet. 30 Jahre lang unterrichtete sie Kunst an einer Gelsenkirchener Hauptschule, mittlerweile doziert sie an der VHS-Nordkreis unter anderem experimentelle Acrylmalerei: „Ich möchte die Freude an der Kunst ausleben und weitergeben."

Die Ausstellung „Unterwegs" ist bis zum 31. März jeden Samstag von 16 bis 18 Uhr und jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr im Schaffrath-Haus, Theodor-Seipp-Straße 118, 52477 Alsdorf, zu sehen. Die Künstlerin ist jeweils anwesend.

(yl)