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Fichten sind umsturzgefährdet: Massive Rodung im Tierpark notwendig

Fichten sind umsturzgefährdet : Massive Rodung im Tierpark notwendig

Im Herbst fallen die Blätter, in Alsdorf dieses Jahr aber auch jede Menge Bäume. Im Tierpark müssen reihenweise Fichten gefällt werden, denen Schädlinge und Witterungsbedingungen in den vergangenen Jahren massiv zugesetzt haben.

Die Bäume am und im Rotwildgehege müssen entsorgt werden, weil sie umzustürzen drohen. Es geht um einen Bereich von 25 Metern um die Wege, erklärt Eleonore Prömpers vom städtischen Amt für Planung und Umwelt. Dabei handele es sich um den sogenannten Fallradius der Bäume und damit gleichzeitig den Gefährdungsbereich für Passanten.

Wann genau die Fällarbeiten durchgeführt werden, stehe bislang nicht genau fest, es sei jedoch nötig, zeitnah zu handeln, weil „eine gewisse Gefahr bestehe“, so Timo Sachsen, ebenfalls vom Amt für Planung und Umwelt. Im Rotwildgehege sind bereits einige Bäume umgestürzt. Dennoch sei der Bereich bislang nicht abgesperrt, Besucher des Tierparks nicht akut gefährdet, heißt es.

Ausnahmegenehmigung

Weil der Tierpark sich in einem Naturschutzgebiet befindet, sei sehr genau abgewogen worden, ob die Fichten wirklich gefällt werden müssen. Die Verfassung der Bäume lasse aus Gründen der Verkehrssicherung allerdings keine Wahl. Von der städteregionalen Unteren Naturschutzbehörde habe es eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für die Rodung gegeben.

Für das Fichtensterben im Tierpark sind zwei Komponenten verantwortlich: Zum einen die andauernden Trockenperioden in den vergangenen Jahren mit großer Hitze. Die Fichte sei ein Flachwurzler, erklärt Prömpers, wenn es sehr trocken ist, bekomme sie nicht genug Wasser und könne sich nicht, wie andere, tiefer wurzelnde Bäume, in der Tiefe mit Wasser versorgen. In der Folge sei der Baum geschwächt.

Tot oder zumindest nicht überlebensfähig: Den Bestandsfichten sieht man an, wie schlecht es um sie steht. Foto: ZVA/Thomas Vogel

Und kann sich dann nicht mehr gegen das wehren, was im vorliegenden Falle kam: der Borkenkäfer. Baumharz ist der natürliche Abwehrmechanismus gegen den Schädling, davon aber konnten die geschwächten Bäume nicht mehr genug produzieren und der Käfer hatte leichtes Spiel. „Ich bin immer noch erschrocken, was der Borkenkäfer dort angerichtet hat“, sagt Prömpers.

Betroffen sind nicht nur Bäume

Davon betroffen sind allerdings nicht nur Fichten im Tierpark, sondern im ganzen Stadtgebiet. Deshalb werden in Alsdorf auch keine Fichten mehr nachgepflanzt. Im Tierpark auch nicht. Es wird Ersatzpflanzungen geben, allerdings sollen nach den Fällarbeiten stattliche Waldkiefern und Europäische Lärchen mit Baumgerüsten gesetzt werden, die der Borkenkäfer in der Regel verschmäht. Der Förster sei gerade dabei, Angebote einzuholen, erklärt Prömpers. Wie viele Bäume gepflanzt würden, könne jetzt noch nicht beziffert werden. Fest stehe aber, dass sich das Fichtenholz aus der Rodung nicht gut vermarkten lassen.

Das Rotwild ist von der aktuellen Entwicklung übrigens nicht sonderlich beeindruckt, wie Tierparkleiter Stefan Heffels auf Nachfrage sagt. Schließlich falle auch in der Natur schon mal ein Baum um. Während der Rodungsarbeiten werden die Tiere auf eine andere Wiese ausweichen. Allerdings hegt man im Umweltamt die Sorge, dass eine andere Tierart massiv von der Dezimierung des Fichtenbestands betroffen sein wird: eine Graureiherkolonie, die in den Bäumen brütet.

Mit Bedauern habe man festgestellt, dass die Zahl der besetzten Horste bereits abgenommen habe. Von Anfangs 40 bis 50 Stück seien nur noch 20 belegt gewesen in diesem Jahr. „Noch sind aber Graureiher da, deshalb wollen wir schnell handeln, um der Kolonie eine Überlebenschance zu erhalten“, sagt Prömpers.

Weg nicht mehr nutzbar

Aus diesem Grund wird auch ein kleiner Weg im Tierpark Richtung Ofden wahrscheinlich schon in der kommenden Woche nach einem weiteren Abstimmungstermin zwischen Forstamt und Unterer Naturschutzbehörde aus der Nutzung herausgenommen. „Aus Naturschutzgründen, um den Lebensraum für die Vögel so lange wie möglich zu erhalten.“ Eine Hoffnung bestehe zudem in der Tatsache, dass die Graureiher ab und zu auch in Laubbäumen brüteten, zum Beispiel in Eichen. Der Optimismus bei Prömpers ist jedoch eher gedämpft: „Die Kolonie wird sich wahrscheinlich innerhalb weniger Jahre auflösen.“