Interview mit Marc Knisch, Geschäftsführer von Business Park Alsdorf

Interview mit Marc Knisch : „Die Menschen sollen in Alsdorf wieder bummeln können ...“

Marc Knisch ist seit genau einem Jahr Geschäftsführer der Business Park Alsdorf GmbH. Er will wieder mehr Betrieb in die Innenstadt bringen.

Seit genau einem Jahr ist Marc Knisch (48) Geschäftsführer der Business Park Alsdorf GmbH. Aufgabe des Alsdorfers, der mittlerweile in Würselen wohnt, ist seitdem einerseits das Managen der städtischen Gewerbegebiete – Vermarkten von freien und Entwickeln von neuen Flächen –, und andererseits die Entwicklung der Innenstadt voranzutreiben. Ganzheitlich könnte man also sagen: Wirtschaftsförderung. Unser Redakteur Thomas Vogel hat sich mit ihm über seine Erfahrungen im ersten Jahr und die Leerstände in der Innenstadt unterhalten.

Vor einem Jahr haben Sie die neue Stelle angetreten und sicher erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht. Teilen Sie Ihre ersten Gedanken mit uns?

Knisch: „Da ich Alsdorf ja nie aus dem Fokus verloren hatte, wusste ich bereits, wo die Stärken der Stadt und möglicherweise Schwächen liegen. Mein Vorgänger Prof. Axel Thomas hat perfekte Arbeit geleistet und mir sehr wenig Flächen zum Vermarkten übrig gelassen, so dass mir zunächst nur blieb, zu vermarkten was noch nicht vergeben war. Das ist auch schon geschehen, nächste Woche haben wir den Notartermin für die letzten freien Flächen im Businesspark in Hoengen. Von daher war mir schon klar: Neue Flächen müssen her. Das ist nicht einfach im Gewerbegebietsektor. Außerdem hatte ich schnell gesehen, dass die Innenstadt ein bisschen frischen Wind vertragen könnte. Da half mir meine frühere Arbeit beim EBV, wo wir das gesamte Annagelände neu strukturiert haben und ich den „Rahmenplan Anna“ miterstellen durfte. Ich hab’ mich tierisch gefreut, die Arbeit, die damals aus verschiedensten Gründen nicht abgeschlossen wurde, jetzt wieder aufnehmen zu können.“

Auf der Gewerbeflächenseite läuft es für Alsdorf also ...

Knisch: „Ja. So gut, dass wir die Nachfrage gar nicht decken können. Es gibt eine hohe Nachfrage von Bestandskunden, die sich vergrößern wollen. Das ist für uns natürlich wunderbar, weil es bedeutet, dass sie sich hier wohlfühlen und gut arbeiten können.“

Gibt es denn noch eine Reserve in Alsdorf, oder müssen Sie mit den Flächen haushalten?

Knisch: „Wir können gar nicht mehr haushalten, weil wir eigentlich keine Flächen mehr haben – ausgenommen kleinere Flächen auf dem Annagelände, die sich etwa für nichtstörendes produzierendes Gewerbe oder Forschung und Entwicklung eignen. Da sind wir auch in Gesprächen. Die Businessparks Schaufenberg und Hoengen sind voll. Dort gibt es noch ein paar freie Flecken, die als Optionsflächen aber in Firmenbesitz sind. Im Businesspark Hoengen sind zwei Areale als Erweiterungsfläche ausgewiesen. Wir sind gerade dabei, die zu entwickeln. Das wären dann noch einmal 15 bis 20 Hektar vermarktbare Fläche, die wir unmittelbar bis mittelbar an den Markt bringen können und müssen. Im Norden etwas schneller als im Süden.“

Wer in Alsdorf allerdings ein Ladenlokal sucht, der hat in der City ja eine ziemlich große Auswahl ...

Knisch: „Nicht mehr so groß, wie sie einmal war. Wir haben gar nicht mehr die großen Leerstände, wie es sie vor ein paar Jahren noch gab. Die Passagen sind wieder relativ gut gefüllt, da gähnte früher der Leerstand – Rathauspassage und Luisenpassage zum Beispiel. Was fehlt ist der ein oder andere hochwertigere Anker als logische Ergänzung des Einzelhandels. Ich denke da an ein paar Objekte an der Bahnhofstraße, die zur Veräußerung bereitstehen. Wenn wir da ein paar hochwertige Nutzer bekommen können, würden die mehr Kunden in die Innenstadt ziehen, und das wiederum zieht weitere neue Läden an.“

Wie hat sich dieser Leerstand überhaupt in der Innenstadt ausgebreitet?

Knisch: „Einerseits haben unsere Nachbarstädte im Strukturwandel sehr gut gearbeitet. Bei denen ist der Bergbau schon etwas länger weg, und die hatten deshalb immer einen Vorsprung, haben attraktive Einkaufszonen geschaffen. Der Vorsprung hat sich aber langsam erledigt, und die Menschen bleiben eher wieder in Alsdorf. Leider zieht Leerstand weiteren Leerstand an, und das macht es schwierig, aus dieser Strömung herauszukommen. Oft ist es dann leider auch so, dass Vermieter den einfachen Weg beschreiten, wenig investieren und an den Erstbesten vermieten, der kommt. Meistens ist das nicht gut für den Einkaufsstandort insgesamt, und ruckzuck setzt ein Trading-down-Effekt ein. Es wäre schön, wenn die Eigentümer dann mal mit uns oder der Stadt Kontakt aufnehmen und unser Angebot zur Beratung in Anspruch nehmen würden.“

Bringen Sie Ladenlokale, wie wir sie in der Innenstadt in typischer Größe und typischem Zuschnitt haben, überhaupt noch an den Geschäftsmann oder die Geschäftsfrau, oder suchen die heutzutage eigentlich etwas anderes?

Knisch: „Schwierig. Die brauchen teilweise wirklich andere Größen. Einerseits ist das mit den ‚Großen’ schwierig, denn große Läden sind sehr sensibel am Markt und hinterlassen, wenn sie wieder weggehen, große Leerstände. Meistens ist es aber so, dass die Läden kleinteilig sind und es sich um inhabergeführte Geschäfte handelt. Die haben dann vielleicht 80, 90 Quadratmeter. Diese Größen bekommst du, wenn sie leerstehen, nur schwierig an den Mann. Vielleicht ein Handyladen. Davon kann man ein, zwei brauchen, aber keine zehn.“

Oder Spielhallen und Wettbüros ...

Knisch: „Ja, das sind Flächennutzer, die eine Stadt wirtschaftlich nicht nach vorne bringen. Eher im Gegenteil. Die sind eigentlich nicht gewünscht, und Neuansiedlungen sollte man tunlichst vermeiden.“

Die Preisfrage lautet: Wie kommt man dem Leerstand bei?

Knisch: „Die Frage ist, wie man damit temporär und langfristig umgeht. Langfristig geht es nur über Investitionen, um die Innenstädte für den Einzelhandel attraktiv zu machen. Eine Idee, damit die Menschen nicht an papierverklebten Schaufenstern vorbei laufen, wäre, Ausstellungen reinzubringen. Vom Motorrad, das ein Händler reinstellt, bis zu Künstlern, die ihre Werke da präsentieren. Einfach, um den Lauf nicht zu unterbrechen. Leerstände könnte man so zeitlich begrenzt beheben, bis wieder ein Mieter da ist. In meiner Kindheit sind wir zum Bummeln durch Alsdorf gelaufen. Bei Antritt dieser Stelle habe ich gesagt: Ich möchte es schaffen, dass die Leute auch sonntags wieder mit Spaß durch Alsdorf gehen können, was Essen, sich aufhalten und an den Schaufenstern vorbeispazieren. Die Menschen sollen in Alsdorf wieder bummeln können ... Leute ziehen Leute an – das kann der Innenstadt nur gut tun.“

Können die Händler selbst etwas tun, um die City anziehender zu machen?

Knisch: „Es gibt den ein oder anderen Händler, der etwa die Grünfläche vor seinem Shop selbst pflegt. Aber das passiert zu selten. Wenn jeder Händler nur ein bisschen was machen würde, vor der eigenen Tür kehren würde – das trüge unbedingt zur Attraktivität der Innenstadt bei.“

Gibt es Immobilien in Alsdorf, von denen Sie sagen: Die ließen sich super und schnell vermarkten, aber ich komme einfach nicht dran ... ?

Knisch: „Wir haben wunderbare Immobilien, die sich etwa für eine gastronomische Nutzung anböten. Und die ist wieder ein wichtiges Mosaiksteinchen, um die Attraktivität der Innenstadt zu verbessern. Ich bin sehr froh darüber, dass Moss jetzt in die ehemalige Commerzbank einzieht, Drouven eine Filiale an der Bahnhofstraße eröffnet ... Damit habe ich zwei Dinge erreicht: Qualität. Beides sind super Bäcker. Und ich habe eine Open-air-Gastronomie, wo die Menschen Verweilen und Sitzen können. Ein anderes tolles Objekt ist die Unterstation am Busbahnhof, die sich sehr gut für eine größere gastronomische Nutzung eignen würde. Die ist aber in privater Hand. Das Problem ist: Um das Gebäude wirklich nutzbar zu machen, muss investiert werden. Das müsste entweder der Eigentümer machen oder ein starker Investor, den man aber nur gewinnen kann, wenn die finanziellen Forderungen für einen Einstieg nicht unrealistisch sind.“

Gute Voraussetzungen also, mehr Betrieb in die Stadt zu bringen?

Knisch: „Wir haben die Perlen in der Stadt – das fängt beim Cinetower an, geht über die Stadthalle zu Annagelände und Annapark rüber zum Energeticon und weiter zum Tierpark. Was wir machen und wo wir uns in der Pflicht sehen als Business Park: die Schnur zu schaffen, die diese Perlen verbindet. Denn solche Perlen hat sonst keine Stadt in der Region. Wir haben super Veranstaltungsflächen und -hallen. Und die wollen wir auf eine attraktive Weise miteinander verbinden.“

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