Hertha Mariadorf: Verwaltungsgericht Aachen als Schiedsrichter

Ärger um Sportfördermittel in Alsdorf : Hertha Mariadorf verliert Spiel ohne Ball vor Gericht

Das Spiel ohne Ball im Fußball wird immer wichtiger. Dabei geht es nicht nur ums Freilaufen, um sich dem Ballführenden als Anspielstation anzubieten. Gemeint ist darüber hinaus, dass Akteure das Spiel auch dann lenken können, wenn sie den Ball selbst gar nicht am Fuß haben.

Laut Deutschem Fußballbund ist das Spiel ohne Ball besonders beim Pressing und dem mutigen Verteidigen nach vorn von wachsender Bedeutung. Durch Pressing hat der Fußballverein SV Hertha Mariadorf schon seit längerem versucht, die Stadt Alsdorf unter Druck zu setzen, um ihr nicht den Ball, sondern Sportförderungsmittel, also Bares, abzujagen. Darauf meint der Verein Anspruch zu haben. Dabei bemühte die Hertha, wie schon der SV Hoengen, mit dem sie jetzt bislang eine Spielgemeinschaft im Seniorenbereich betrieb, das Verwaltungsgericht Aachen.

Der „Schiedsrichter“ dort hat jetzt trotz geschickten Stellungsspiels der Hertha „im Namen des Volkes“ und nicht der Tribüne die Aktion abgepfiffen. Der klagende Verein habe keinen Anspruch auf Bewilligung von Sportfördermitteln für die gärtnerische und bauliche Unterhaltung der Sportanlage an der Blumenrather Straße für den Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis Dezember 2015. Es geht um 3515 Euro. Ursprünglich wollte die Hertha noch mehr Geld für einen längeren Zeitraum von Unterhaltungsleistungen haben, musste das aber vor Gericht zurücknehmen, weil zum Beispiel für eine Spielzeit der klagende Verein Hertha in einer Fusion mit SV Hoengen aufgegangen war und demzufolge formal keinen eigenen Anspruch geltend machen konnte.

Dass auch die Restforderung im Auge des richtenden Referees keine Gnade fand, liegt an den „von der Beklagten (Stadt Alsdorf) in ständiger Übung praktizierten Fördervorgaben“. Die Stadt habe eben nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz bei der Anwendung der Sportförderrichtlinien verstoßen und auch nicht willkürlich gehandelt. Somit sei Hertha auch den übrigen Fußballvereinen gegenüber nicht benachteiligt worden, erklärte Rechtsassessor Hans-Peter Hermanns auf Anfrage.

Der Streitwert des Hertha-Prozesses wurde mit Blick auf die ursprünglich im Raum stehenden Forderungen des Vereins mit 16.630 Euro entsprechend hoch angesetzt, so dass die Prozesskosten recht hoch sein dürften. Zuvor war der SV Hoengen mit seinem Begehren, 773,50 Euro an Arbeitskosten für die Entrümpelung eines Containers von der Stadt zu bekommen, vor Gericht gescheitert.

Vorsitzender Jörg Kollednigg kämpft um die Zukunft von SV Hertha Mariadorf. Foto: Thomas Vogel

Außerdem folgte das Gericht nicht der Auffassung des Klägers, dass für die bauliche und gärtnerische Unterhaltung des vom SV Hoengen mitbenutzten Sportplatzes Am Klött ein Anteil der Mittel auch diesem Verein zu gewähren sei. Der dort angestammte Verein Blau-Weiß Alsdorf ist verpflichtet, diese Leistungen zu erbringen. Laut Stadt hatte sich ein Aufteilen solcher Mittel auf mehrere Vereine und das Teilen der Aufgaben in der Praxis generell nicht bewährt.

Verlust alter Spielflächen

Hintergrund der Auseinandersetzung ist wohl in beiden Fällen der Verlust der alten Spielstätten und der Versuch, irgendwie den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten und zu finanzieren. Im Falle der Hertha hatte die Stadt alternativ zum ehemaligen Spielfeld in Blumenrath den Sportplatz an der Osterfeldstraße in der nahen Broicher Siedlung ins Spiel gebracht, der von SV GW Broicher Siedlung (kurz Grün-Weiß) nicht ausgelastet wird. Dort wurde neben dem bestehenden grünen Container des angestammten Vereins ein weiterer Container als Treffpunkt für die Hertha aufgestellt, was inklusive Leitungen und Verlegen von Steinen die Stadt 60.000 Euro kostete. Hinzu kommt noch ein zweiter Container für Material.

Dass der Verein dies verschmäht, enttäuscht Bürgermeister Alfred Sonders, der mit Blick auf einen entsprechenden Ratsbeschluss angesichts der teilweise geringen Auslastung der Fußballplätze und des Mitgliederschwunds bei einigen Fußballvereinen die Konzentration auf weniger Plätze mit seiner Verwaltung umzusetzen hat. „Es ist schade, dass sich die Gerichte und eine ganze Truppe von Verwaltungsfachleuten über Jahre damit beschäftigen müssen.“ Er hoffe, dass SV Hoengen und SV Hertha Mariadorf die Urteile akzeptieren. Die Stadt habe den beiden Vereinen bereits freiwillig das gegeben, was ihnen auch zusteht, betonte er.

Auf Nachfrage gab der Vorsitzende von Hertha, Jörg Kollednigg, eine Stellungnahme ab, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: „Zum Urteil können wir, Hertha Mariadorf, der Stadt nur gratulieren. Unsere Auffassung nach spiegelt dieses Urteil wieder, dass die Stadt einen sehr großen Staatsbonus bei Gericht genießt.“ Mit Gerechtigkeit könne es nichts zu tun haben, wenn zugelassen werde, „dass man uns ohne adäquaten Ersatz unseren angestammten Sportplatz in Blumenrath, der sich in einen Top-Zustand befand, entzieht, und uns auf eine allgemeine Bedarfsfläche, die nicht zeitgemäß als Sportplatz zu werten ist, in zwei Containern ohne vollzogene Schlüsselgewalt und gleich verteilter Sportförderung unterbringt“.

„Alles genommen“

Die Stadt möchte anderen Vereinen nicht zu nahe treten und poliere deren Anlagen sogar auf, so Kollednigg. Diese könnten weiterhin die Sportförderung in voller Höhe behalten. „Uns hat man alles genommen und behandelt uns wie Dreck. Selbst dem Wunsch, die beiden in der Broicher Siedlung zugeteilten Container zur Sportanlage Am Klött zu transportieren, habe die Stadt nicht entsprochen. „Dort hätten wir mit dem Hoengener Sportverein, der dorthin verbannt wurde, wenigstens eine sportliche Zukunft gehabt.“

Der Hoengener Sportverein habe immer wieder bekundet, die Hertha mit in seine Platzzeiten und sogar in sein privat angemietetes Vereinsheim aufzunehmen. Aber leider sei seitens des Sportamtes immer nur der Hinweis gekommen, dass dieser Wunsch in der Prüfung sei. „Jetzt mussten wir unsere Mannschaft aus dem Spielbetrieb ziehen, da sich mehrere Spieler diese ungeregelte Situation auf der Anlage in der Broicher Siedlung nicht zumuten wollten.“ Weiterhin kehrten der Hertha zahlreiche Mitglieder den Rücken zu. „Ich bin seit kurzen Vorsitzender und bin von einem anderen Miteinander mit der Stadt ausgegangen, aber hier habe ich den Eindruck gewonnen, dass man uns bewusst zerstören möchte.“

Kollednigg: „Wir werden die Sache erstmal versuchen zu verdauen und aufarbeiten und hoffen trotzdem auf eine andere Perspektive von Seiten der Stadt. Anfang Januar werden wir unsere Ziele, die wir bis dahin ermitteln werden, in der Jahreshauptversammlung mit den übrig geblieben Mitgliedern erörtern und eine Entscheidung treffen, wie es zur neuen Saison weiter gehen kann und wird.“ Sowohl SV Hoengen als auch Hertha Mariadorf werden gegen die jüngsten Urteile Beschwerde einlegen und die Berufung anstreben, hoffen aber auf eine gütliche Einigung mit der Stadt Alsdorf, hieß es zuletzt.

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