Grusel, Trubel, Heiterkeit bei Churchnight in Alsdorf 2019

Evangelische Kirche im Nordkreis : Grusel, Trubel, Heiterkeit bei der Churchnight

Reformationstag und Halloween haben bis auf das gemeinsame Datum relativ wenig gemein. Auf der einen Seite stehen Spiritualität, Gedenken und historisches Bewusstsein, auf der anderen Seite Gruselfaktor und Party-Lust.

Unter dem Motto „Wer hat Angst vor...?” hatte der evangelische Kirchenkreis Aachen zur „Churchnight” geladen – eine alternative Veranstaltung zu Halloween in geschütztem Rahmen für Jugendliche ab 12 Jahren aller Religionen und Konfessionen.

Ziel der Organisatoren war es, die beiden grundverschiedenen Anlässe des Feiertags in ihrer Vielfalt zu durchleuchten und einander näher zu bringen.

Angst sei ein natürlicher Begleiter des Menschen, die jeder für sich erforschen sollte, um mit ihr umgehen zu können. Gleichzeitig wurde auf die Reformation als Grundlage der evangelischen Konfession eingegangen – ein spiritueller Impuls „zwischen Luther und Halloween”.

Das Team aus Pfarrern und Jugendmitarbeitern der evangelischen Pfarren im Nordkreis hatte für die über 100 jugendlichen Gäste ein Programm für buchstäblich alle sechs Sinne in der Alsdorfer Martin-Luther-Kirche auf die Beine gestellt.

Zu Beginn des schaurig-schönen Abends erforschten die Teilnehmer zunächst die Verbreitung verschiedenster Ängste innerhalb der Gruppe. Angst vor dem Klimawandel, vor Gewitter, vor dem Verlust von Freundschaften, aber auch „banale” Angst vor einem leeren Handyakku oder Spinnen wurde offen angesprochen.

Mut und gemeinschaftliche Stärke konnten an verschiedenen Stationen innerhalb und außerhalb der Kirche trainiert werden. Wer seinem Gaumen beispielsweise etwas Neues anbieten wollte, der war in der besonderen Snack-Küche bestens aufgehoben. Gewöhnungsbedürftige Häppchen aus Insekten, Algen, Wasabi und vielem mehr erwarteten die gespannten Gäste.

Die Johanniter hatten eigens eine kleine Delegation geschickt, die in Sachen Erste Hilfe und Rettungseinsatz mit Rat und Tat zur Seite stand. Wer seine Bekannten einmal kräftig schocken wollte, der ließ sich eine realistisch aussehende Glasscherbe samt klaffender Wunde auf Arm oder Gesicht schminken.

Auch Wiederbelebungsmaßnahmen und die vielseitige wie oftmals schwierige Arbeit als Sanitäter konnten die jungen Johanniter vorführen. Auf der Empore der Kirche wartete ein sogenannter „Vertrauensparcours”, den die Teilnehmer gemeinsam bewältigten. Zusammenhalt und Vertrauen wurden hier spielerisch trainiert.

Etwas morbide mutete eine Attraktion in einem Seitenraum an: Ein Bestatter hatte einen echten Sarg mitgebracht, in welchem sich die Jugendlichen „probeweise” einmal hineinlegen konnten. Viele berichteten im Nachhinein, dass eine solche Erfahrung helfe, ihnen die Angst vor derartigen Gegenständen zu nehmen.

Mit modernster Technik wurden die Kirchenfenster am späteren Abend zu überdimensionalen Briefbögen – via Projektor wurden Botschaften ins Diesseits oder Jenseits auf das Glas geworfen.

Im Schwarzlichttheater konnte getanzt und getobt werden, ein wenig weiter wartete mit dem „Raum der Stille” ein Ort des Rückzuges und der Besinnung. Die Verantwortlichen des Kirchenkreises konnten ein überaus positives Fazit ziehen: Am Ende eines wilden Abends zielte die meist gestellte Frage darauf ab, ob es im kommenden Jahr wieder eine „Churchnight” geben werde. Der Kirchenkreis wird sich dieser Aufgabe natürlich erneut stellen.

(yl)
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