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Glück-Auf Ofden in Alsdorf: Fußballer müssen auf Umkleiden und Duschen verzichten

Glück-Auf Ofden in Alsdorf : Fußballer müssen auf Umkleiden und Duschen verzichten

Weil der Platz in Alsdorf-Ofden saniert wird, muss Glück-Auf Ofden für ein Dreivierteljahr auf den Ascheplatz in Mariadorf ausweichen. Danach soll der außerdem zum Winterquartier werden. Allerdings fehlt es den Kickern dort an fast allem.

Dass es keinen Kunstrasenplatz geben wird, damit hat der Fußballverein Glück-Auf Ofden sich abgefunden. Mit all den Nachteilen, die das für die Mannschaften mit sich bringt. Aber mit dem Ausweichquartier, das ihnen von der Stadt mindestens für das nächste Dreivierteljahr und die Winter danach zugewiesen wurde, und den Umständen dort – damit hadern der Vorsitzende Kevin Cryns, der übrige Vorstand und die vielen Spieler und Spielerinnen doch gewaltig. Denn nun stehen die sechs Jugendmannschaften, die Altherren-, Senioren- sowie Damenmannschaft erst einmal ohne Umkleide und ohne Duschen da.

„Naturrasen ist geil“, sagt Cryns (34). Da seien sich die Aktiven, zumindest die Älteren, eigentlich einig. Zwei Punkte aber kippen so viel Wasser in den Wein, dass am Ende doch alle lieber einen Kunstrasenplatz gehabt hätten.

Erstens: Wenn man das Know-how nicht hat, den Naturrasen am Leben und in Ordnung zu halten, dann hat man damit nur sehr eingeschränkte und möglicherweise kurze Freude. Und diese Kompetenz fehle im Verein, sagt der Vorsitzende. Immerhin gibt es mit der Sanierung des Platzes in Ofden eine neue Rasensprenkleranlage. „Das ist eine große Erleichterung, denn die Anlage misst, wie die Feuchtigkeit im Rasen ist, und bewässert im Bedarfsfall.“

 Vom alten Naturrasen ist auf dem Platz der Ofdener Kicker bereits nichts mehr zu sehen. Bis zu den Sommerferien 2023 soll der neue bereit für den Einsatz sein.
Vom alten Naturrasen ist auf dem Platz der Ofdener Kicker bereits nichts mehr zu sehen. Bis zu den Sommerferien 2023 soll der neue bereit für den Einsatz sein. Foto: MHA/Thomas Vogel

Bei immer mehr Dürren und steigenden Rohstoffkosten – auch für Wasser –, die der Verein aus eigener Tasche zahlen muss, dennoch nicht unbedingt als Pluspunkt für Naturrasen zu werten. Der Naturrasen beim VfB Alsdorf in Zopp sei super, „aber die haben halt nur eine Mannschaft, spielen da bis Oktober oder November drauf und dann gehen sie zu Blau-Weiß und spielen auf Kunstrasen“. In Ofden sei der Rasen bei neun Mannschaften, die dort spielen und trainieren sollen, extrem strapaziert. Wenn er denn überhaupt einsatzbereit ist.

Denn da ist ja noch der zweite Punkt: die Witterung. Regen: Naturrasenplatz nicht bespielbar. Die Senioren mit 20 Leuten bei Regen auf den Platz lassen? „Dann hast du nachher alles kreuz und quer hängen“ – sprich: den Rasen beschädigt. Frost: Naturrasenplatz nicht bespielbar. Das wäre, wie auf Beton zu kicken. Dürre: Naturrasenplatz nicht bespielbar, gleicher Effekt wie bei Frost. Damit kommen einfach zu viele Ausfallzeiten zusammen, in denen ein Ausweichquartier her muss. Genau wie nun in der Zeit während der Sanierung des Platzes.

Und dieses Ausweichquartier hat die Stadt Alsdorf dem Verein zugewiesen: Es handelt sich um den Ascheplatz in Mariadorf. „Das ist natürlich gar nicht so geil“, stellt Cryns fest. Gar nicht so geil, weil die Fußballer – der Großteil stammt aus Ofden und Mitte – dann erst einmal durch die halbe Stadt gondeln dürfen. Gar nicht so geil auch, weil „wir dort zwar trainieren, aber weder Umkleiden noch Sanitäranlagen nutzen dürfen. Wir bekommen das Flutlicht angemacht und das war‘s.“ Das Duschen fällt nach dem Training also aus. Die Jungs könnten sich bei einem dringenden Bedürfnis ja wenigstens noch irgendwo in die Büsche schlagen. Wer aber groß muss, sei gekniffen.

 Der Verein und sein Vorsitzender, Kevin Cryns, fühlen sich stiefmütterlich behandelt.
Der Verein und sein Vorsitzender, Kevin Cryns, fühlen sich stiefmütterlich behandelt. Foto: MHA/Thomas Vogel

Um es kurz zu machen: Bei Glück-Auf Ofden fühlt man sich sehr stiefmütterlich behandelt. Und wer den jungen Vorsitzenden so erzählen hört, der wird das schnell nachvollziehen können. „Wir haben immer wieder gefragt: Wann geht es los? Was können wir machen? Was bekommen wir in Mariadorf hingestellt?“ Das Sportamt habe ständig beruhigt, das alles kein Problem sei und man das schon hinbekomme.

Noch vor zwei Wochen am Freitag habe es um 9.30 Uhr in einer E-Mail geheißen, man wisse noch nicht, wann es losgeht. „Um Viertel nach 12 bekomme ich dann einen Anruf: Dienstag muss alles weg sein.“ Das über ein Wochenende plus Montag alles zu organisieren, sei ein dickes Brett zu bohren gewesen. Und nun müssten die ganzen Trainer die Trainingsklamotten ihrer Teams im Auto umher fahren, weil die Stadt noch nicht einmal in der Lage gewesen sei, einen Container für das Material in Mariadorf aufzustellen. Obwohl die Sanierung der Sportanlage in Ofden seit rund einem Jahr immer konkreter geworden sei. Seit bald zwei Wochen stehe man in Mariadorf nun ohne Container oder sonstwas da und „einer schiebt es auf den anderen“.

In Mariadorf für die Ofdener einen Container aufzustellen, sei nie versprochen worden, sagt demgegenüber Manfred Schmidt, Leiter des Referats Jugend, Schulen und Sport bei der Stadt Alsdorf. Es sei eine Idee gewesen. Und die verfolge man weiter, ein Container werde dort in naher Zukunft aufgestellt. Was die kurzfristige Benachrichtigung vor dem Umzug auf Zeit betrifft: Die Stadt selbst habe erst Stunden vor der Nachricht an den Verein erfahren, dass die Bauarbeiten nun starten sollen. „Wir sind froh, dass es da überhaupt losgeht. Wir könnten vom Zeitplan her noch schlechter liegen.“

Dass die Ofdener Kicker Duschen und Umkleiden in Mariadorf nicht mitnutzen können, weil diese ausgelastet sind, sei vorher kommuniziert worden. Aber sie dürften dort schon zur Toilette gehen. Es sei eben nur nicht gewünscht, dass sie sich dort umziehen oder aufhalten, erklärt der Referatsleiter.

Erste Konsequenzen der Situation schlagen sich bei Glück-Auf Ofden jedenfalls schon nieder: Die Altherren gehen nun in eine Soccerhalle trainieren. Einen Teil der Kosten zahlt der Verein, den Rest nehmen die Herren auf ihre Kappe. Die Damen haben sich mit Hilfe der Stadt eine Turnhalle organisiert.

Wenigstens für den Spielbetrieb wollte Cryns für seine Mannschaften eine kleine Erleichterung erreichen und hat mit Blau-Weiß eine Absprache getroffen. Die Spiele könnten nun Am Klött auf Kunstrasen stattfinden, „solange wir deren Spielbetrieb nicht stören. Gar kein Thema, da würden wir auch drumherum planen.“ Leider habe es zuletzt jedoch Abstimmungsprobleme gegeben.

An einem vergangenen Sonntag habe er bei Mariadorf angefragt, vielleicht die Umkleiden wegen eines Spiels der Senioren dort nutzen zu dürfen. Mariadorf selbst habe an diesem Tag keine Mannschaften zu Hause gehabt. Die knappe Antwort: Nein. Auf die Frage, ob sie mit der Kreidemaschine denn den Platz kreiden würden, damit Glück-Auf nicht ihre Maschine aus Ofden nach Mariadorf fahren müsse, sei die gleiche Antwort gekommen. „So wirst du dann behandelt. Das ist natürlich extrem bitter. Dabei können wir doch nichts dafür, dass wir ausweichen müssen.“

Cryns ist enttäuscht. Sein Verein bestehe sicher nicht immer nur aus Heiligen, man helfe aber da aus, wo das möglich sei. Nachdem andere Vereine hier und da um Hilfe gebeten hatten, haben die Ofdener den VfB Alsdorf auf ihrem Platz spielen lassen, im Sommer trainierte dort auch einmal der SC Kellersberg. „Wir sind doch kleine Vereine, wir haben wahrscheinlich alle nicht die große Kohle. Wenn wir uns nicht helfen ... wer hilft uns denn dann?“