Englerthring in Alsdorf: Prozess gegen mutmaßliche Brandstifter fortgesetzt

Prozess gegen mutmaßliche Brandstifter : Das betrunkene Paar von der dritten Etage

Der Prozess gegen ein in Alsdorf-Kellersberg lebendes Paar wegen schwerer Brandstiftung und 33-fachen versuchten Mordes hat kaum begonnen, da ist er auch schon so gut wie beendet. Wie er ausgeht, ist hingegen noch nicht ganz klar.

Dem angeklagten Paar, Andreas P. (45) und Martina R. (38), droht bei Verurteilung wegen versuchten Mordes eine langjährige Haftstrafe. Das Urteil soll am 16. September verkündet werden.

Nach dem zweiten Verhandlungstag der Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht teilte deren Vorsitzender Richter Roland Klösgen am Mittwoch mit, nur noch zwei Zeugen hören zu wollen. Richter Klösgen hat ein Teilgeständnis von Andreas P. erhalten, der erklärte, für fünf der acht angeklagten Brandstiftungen verantwortlich zu sein.

Er habe am 20. Januar aus lauter Wut über seine frühere Lebensgefährtin einen Brand im Mehrfamilienhaus am Englerthring 3 gelegt, auf dessen dritter Etage er mit Martina R. eine Wohnung hatte. Am 14. Februar habe er zwei Brände auf der Broicher Straße gelegt und danach noch den Altpapiercontainer am Englerthring 3 angezündet. Am 15. Februar habe er einen Altpapiercontainer am Denkmalplatz mehr versehentlich als absichtlich in Brand gesetzt. Zwei weitere in der Nacht des 15. Februar gelegte Brände im Grenzweg bestreitet er, obwohl sie kurz nach dem Brand am Denkmalplatz festgestellt wurden und der Grenzweg auf dem Heimweg von P. und R. lag.

Vor allem bestreitet Andreas P., den Brand am 3. Februar am Englerthring 3 gelegt zu haben, das ist der für den Prozess entscheidende. Denn diese Brandstiftung wertet die Aachener Staatsanwaltschaft als versuchten Mord an den 33 Menschen, die sich in dieser Nacht zur Zeit der Brandstiftung im Mehrfamilienhaus aufgehalten haben. Andreas P. hatte zugegeben, vor einer Matratze im Keller gestanden und sein Feuerzeug aus der Tasche gezogen zu haben. Er habe es allerdings wieder eingesteckt, nachdem Martina R. ihm gesagt habe, er „soll den Scheiß bleiben lassen“.

Mit keinem der gestandenen Brandstiftungen habe seine Lebensgefährtin Martina R. etwas zu tun, sagte Andreas P. Sie sei zwar immer dabei gewesen, sie habe jedoch versucht, ihn von den Taten abzuhalten. Martina R. selbst sagte dem Gericht, sie sei Andreas P. stets nur „hinterhergedackelt“.

Nach Einschätzung zweier Psychiaterinnen sind die beiden Angeklagten psychisch gesund. Wie stark sie zur Tatzeit alkoholisiert waren, lässt sich im Nachhinein nicht mehr gesichert feststellen. Dass sie nicht wenig Alkohol getrunken hatten, steht nach den Aussagen mehrerer Zeugen aber außer Frage.

Mehr von Aachener Zeitung