Diskussion um Mikroplastik und Kunstrasenplätze in Alsdorf

Alsdorf sieht keinen unmittelbaren Handlungsbedarf : Kork könnte Plastikfüllung der Kunstrasenplätze ersetzen

Auch in Alsdorf sind auf zwei Sportanlagen Kunstrasenplätze mit einem Kunststoffgranulat versehen worden, sagte jetzt Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) auf Anfrage der Grünen im Stadtrat. Und zwar Am Klött und in Warden.

Auf Nachfrage unserer Zeitung war Sonders vor gut zwei Wochen noch davon ausgegangen, dass das Thema Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen Alsdorf „eher nicht treffen“ werde, denn bisher sei mit Korkmaterial verfüllt worden. Allerdings hatte er da schon eingeschränkt, es gelte auch jetzt wieder, die Umstände intensiv unter die Lupe zu nehmen (Beitrag „Kommunen geben sich noch abwartend“, Ausgabe vom 14. Juni). Nun ist klar, ein Verbot oder ein Entfernungsgebot würde auch Alsdorf treffen. Aber so weit ist man noch nicht, und eine letztendliche Klärung kann noch dauern. Sonders: „Ich bezweifle, dass wir bis 2020/21 eine Regelung haben.“

EU nimmt Mikroplastik aufs Korn

Der Hintergrund: Landauf, landab sind jetzt Kunstrasenplätze in den Fokus gerückt, weil die Europäische Kommission gegen Mikroplastik und seine „Quellen“ vorgehen will. Die mit der Prüfung beauftragte European Chemicals Agency (ECHA) hat Beschränkungsvorschläge unterbreitet, auch für Kunstrasen-Infill (Befüllung).

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) plädiert angesichts des drohenden Umstellungsaufwands mit Blick auf absehbare Kosten und Folgen für Städte und den Breitensport wie Amateurfußball im Falle eines Verbots für „eine Bestandsschutz- bzw. Übergangsregelung von mindestens sechs Jahren. „Man kann sich vorstellen, wie teuer das Auswechseln der Stoffe sein wird, wenn alles innerhalb kurzer Zeit zu geschehen hat“, verwies Sonders auf kostentreibende Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage.

Da es nicht um unmittelbare Gefahrenabwehr gehe, sehe er in Alsdorf nicht sofortigen Handlungsbedarf. Neben der Alternative Kork – für den im Bau befindlichen Sportplatz am Energeticon sowieso eingeplant – seien derzeit „dynamisch“ neue Stoffe in Entwicklung. Auch (Quarz-)Sand sei eine Alternative. Zudem seien nun vollständig un-
verfüllte Kunststoff- und Hybridrasensysteme „ein neues Thema“.

Sonders: „Für den seitens Alemannia Mariadorf gewünschten Kunstrasenplatz stehen insofern verschiedene mikroplastikfreie Alternativvarianten für die Planung zur Verfügung.“ Im Falle einer rechtlichen Neuregelung wären nach Aussage des beauftragten Planungsbüro „die technischen Voraussetzungen gegeben, hier auch eine alternative Füllung einzubringen“. Die Kosten für das Absaugen der Plastikfüllung und das Einbringen von unproblematischem Material würden im Schnitt rund 50.000 Euro pro Platz betragen. Da müsse man aber im jeweiligen Einzelfall den genauen Aufwand „unter Berücksichtigung“ der Entsorgungskosten ermitteln. Das soll wohl heißen, dass es auch teurer werden kann.

Und was hält die Stadt Alsdorf von der Option, die Planung weiterer Kunstrasenplätze zu revidieren und stattdessen weiter bzw. wieder auf Naturrasen zu setzen? Der Bürgermeister verwies darauf, dass von den Fußballvereinen Kunstrasenplätze in der Regel favorisiert werden, da hier der Spiel- und Trainingsbetrieb ganzjährig und fast bei jedem Wetter möglich sei. Der Auslastungsgrad sei somit hoch, der Pflegeaufwand gering. Zudem müssten deutlich weniger Spiele abgesagt werden. Nach Angaben des Deutschen Fußballbundes ersetze ein Kunstrasenplatz 2,5 Naturrasenplätze.

Auch eine politische Frage

„Das Verfüllen mit Kork scheint derzeit die beste Alternative zu sein. Ansonsten müssten die Vereine sehen, wie sie mit Naturrasen zurecht kommen“, sagte Sonders mit Blick auf die Fraktionen und ihre Entscheidung sowie politische Verantwortung, wie es denn weitergehen könnte.

Franz Brandt (CDU) sagte: „Wir sollten dafür sorgen, so schnell wie möglich unsere Plätze ökologisch zu befüllen.“ Hartmut Malecha machte deutlich, dass das Herz der Grünen eher für natürliche Bepflanzung schlägt: „Wir sollten daran denken, dass ein Rasenplatz Luft (Sauerstoff) für rund 120 Menschen produziert.“

Da es im Augenblick lediglich um die Beantwortung einer Anfrage der Grünen durch die Verwaltung zur weiteren Orientierung handelte, traf der Alsdorfer Stadtrat noch keine Entscheidung, wie es weitergeht.