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Gewerbegebiet Hoengen: Das letzte Grundstück ist verkauft

Gewerbegebiet Hoengen : Das letzte Grundstück ist verkauft

Trotz erlahmender Konjunktur brummen die hiesigen Gewerbegebiete. In Hoengen wurde nun das letzte Grundstück verkauft: Der Wirtschaftsförderer will weitere Flächen.

Die Konjunktur kühlt sich ab, das Ende des Wirtschaftswachstums scheint unmittelbar bevorzustehen. Neulich erst haben die Wirtschaftsweisen das, was schon länger in der Luft liegt, bestätigt: Die deutsche Wirtschaft steckt mitten im Abschwung, steht im Jahresgutachten. Und diese Woche meldete das Statistische Bundesamt, dass Deutschland im bisherigen Jahresverlauf nur knapp der Rezession entgangen sei. Sind die fetten Jahre also schon wieder vorbei?

Einerseits scheint dem so zu sein, ja. Andererseits ist vom Stimmungswandel in der Region offenbar noch nicht viel angekommen. Im Gegenteil: Kommunen, Kreise und Entwicklungsgesellschaften sind fleißig damit beschäftigt, neue Gewerbegebiete auszuweisen und die noch vorhandenen freien Flächen zulaufen zu lassen. Am Würselener Flugplatz Merzbrück etwa werden ab dem Jahreswechsel 19 Hektar Gewerbefläche erschlossen – und die beiden nächsten Abschnitte mit 18 beziehungsweise sogar 43 Hektar bereits mitgedacht. Und einige Kilometer weiter nördlich, im Niemandsland zwischen Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven, sollen sogar 240 Hektar Gewerbefläche entstehen. Sollte es so kommen, wäre das Adjektiv „gigantisch“ an der Stelle der Ehre sicher nicht zu viel.

In Alsdorf indes ist kürzlich ein Grundstücksverkauf mit deutlichem Symbolcharakter vollzogen worden. Das letzte freie Grundstück im Business Park Alsdorf-Hoengen wurde vergeben. Und Wirtschaftsförderer Marc Knisch, Geschäftsführer der Business Park Alsdorf GmbH, will lieber über kurz als lang mehr: Die Stadt hat vor, den Business Park in Richtung Norden zu erweitern. In einem ersten Schritt soll der Business Park Hoengen dort um etwa zehn bis 15 Hektar erweitert werden. Aktuell bringt er es – inklusive Grünflächen – auf 112 Hektar. Das dauert seine Zeit. Die Landwirte wissen, dass ihr Grundbesitz viel wert ist, und sehen dementsprechend keinen Grund, mal eben das erstbeste Angebot per Handschlag anzunehmen.

Die Firma, die den vorhandenen Hoengener Business Park komplettieren wird, ist die eRocket GmbH. Zurzeit hat sie ihren Sitz noch in Eschweiler, doch dort ist es für den schnell wachsenden Internethändler zu eng geworden. Anfang 2021 soll der Neubau in Alsdorf stehen und der Umzug erfolgen. Der Bauantrag ist eingereicht. Das Grundstück ist 30.000 Quadratmeter groß, entstehen werden eine 10.800 Quadratmeter große Logistikhalle sowie ein Verwaltungsgebäude und ein Bürogebäude. Generalbauunternehmer ist die Valeres Industriebau GmbH  aus Würselen.

Gute Stimmung: Peter Schmelzer, Geschäftsführer der Firma Valeres, Yavuz Özdemir, Mehmet Yilmaz und Özgur Yilmaz aus der Geschäftsführung von eRocket, Alsdorfs Wirtschaftsförderer Marc Knisch und Rainer Dohmen, Vertriebsleiter bei Valeres. Foto: Jan Mönch

Die eRocket wurde 2014 unter dem Namen Paco Home von den heutigen Geschäftsführern Mehmet Yilmaz, Özgür Yilmaz und Yavuz Özdemir gegründet. Zunächst wurden Teppiche verkauft. Seitdem ist die Firma ebenso gewachsen wie ihr Produkt- und Dienstleistungssortiment. Paco Home existiert nach wie vor als Eigenmarke. Dem Kunden bietet die eRocket als Dienstleistung das auf Neudeutsch sogenannte Dropshipping-Modell an. Dies ist ein Vertriebsmodell, bei dem die Kunden den Warenbestand der eRocket über ihre Internetshops verkaufen können, ohne einen eigenen Lagerbestand aufbauen zu müssen.

Für die weitere Wachstumsstrategie braucht es genau den Platz, der im Business Park Hoengen noch frei war. Rund 100 Arbeitsplätze – etwa aus den Bereichen Medien, Einkauf, Vertrieb, Marketing oder Produktdesign – werden von Eschweiler nach Alsdorf verlegt, bis 2025 will eRocket auf 160 Mitarbeiter wachsen und auch seinen Kundenkreis vergrößern. Schon jetzt zählen dazu namhafte Player wie Otto, Rewe und Wayfair.

Mit seinem Portfolio passt eRocket gut in den Hoengener Business Park. Denn Wirtschaftsförderer Knisch legt Wert darauf, dort möglichst moderne Firmen anzusiedeln, also etwa aus dem IT-Bereich, der Forschung oder eben dem Online-Handel. Dass „Zukunft“ nicht nur eine Worthülse ist, bestätige sich nämlich auch vor dem Hintergrund der oben beschriebenen Abkühlung der Konjunktur. „Man merkt schon, dass viele mit ihren Investitionen vorsichtiger werden. Aber die innovativen Unternehmen sind noch immer auf Wachstumskurs. Die explodieren richtig“, sagt Marc Knisch.